Ein historischer Moment!

In Nordirland sind künftig sowohl die Homo-Ehe als auch Abtreibungen legal. Grundlage ist ein Beschluss des britischen Unterhauses, der um Mitternacht in Kraft trat. In England, Wales und Schottland gelten die Regelungen bereits. Abtreibungen sind künftig straffrei, zudem soll ein geregelter Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ermöglicht werden. Die Regelungen sollen bis Ende März stehen.

Bereits Mitte Januar sollen die Regelungen zur Ehe für Alle stehen. Die erste gleichgeschlechtliche Ehe dürfte damit spätestens in der Woche vom Valentinstag im Februar geschlossen werden. Abtreibungen sind künftig legal, ebenso soll es einen geregelter Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen geben. Eine Entscheidung mit großer Tragweite: Bisher reisten jedes Jahr rund 800 Frauen aus Nordirland in englische Abtreibungskliniken.

Jeder Mensch sollte frei über seinen Körper entscheiden können. Foto: trac1 / Fotolia

Das britische Unterhaus hatte den Beschluss im Juli besiegelt und dem nordirischen Parlament Zeit bis zum Montag gegeben, um Änderungen vorzunehmen. Das Parlament in Belfast konnte sich bei einer kurzen Zusammenkunft am Montag jedoch nicht auf Änderungen einigen. Auch eine Regierungsbildung kam nicht zustande. Seit Januar 2017 hat Nordirland keine eigene Regierung und wird geschäftsführend von London aus regiert.

Beschluss nicht ohne Kritiker

Nicht alle sind begeistert von der Liberalisierung: Arlene Foster, die Chefin der derzeit wichtigsten nordirischen Partei, der Democratic Unionist Party (DUP), sprach von einem "sehr traurigen Tag" und von einem "Affront gegen Menschenwürde und Menschenleben". Die protestantische DUP lehnt Homosexualität und Schwangerschaftsabbruch als Sünde ab. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International feierte den Beschluss dagegen als das Ende der bisherigen "unterdrückenden Gesetze".

Bisher waren Schwangerschaftsabbrüche in Nordirland lediglich bei Lebensgefahr oder ernsthafter gesundheitlicher Gefährdung erlaubt. Die DUP hat die Liberalisierung lange verhindern können, weil die Entscheidung darüber seit der Gründung Nordirlands im Jahr 1921 dezentralisiert war. Anfang des Monats entschied der "High Court", das oberste Gericht, in Belfast jedoch, das strikte Abtreibungsverbot verstoße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.

Geklagt hatte eine 29-jährige Frau, der im Jahr 2013 eine Abtreibung verweigert worden war. Man hatte ihr mitgeteilt, dass ihr Kind noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben würde, woraufhin sie für eine Abtreibung nach London reiste und später klagte – mit Erfolg.

Quelle: Noizz.de