Eine neue Studie aus den Niederlanden zeigt, dass Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Eltern aufgezogen werden, besser in der Schule abschneiden. Frühere Untersuchungen aus anderen Ländern haben allerdings anderes ergeben.

Die Frage nach dem bestmöglichen Umfeld für ein heranwachsendes Kind ist ja bekanntlich noch lange nicht ausdiskutiert. Zuletzt zeigte sich das an der homophoben Reaktion von CDU-Vorsitz-Kandidat Friedrich Merz auf die Frage, was er denn von einem schwulen Bundeskanzler halten würde. Laut dem Politiker hätte er dahingehend zwar keine Vorbehalte, allerdings nur "solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft". Ergo? Kinder brauchen Mutter und Vater – und ganz sicher nicht Papa und Papa oder Mama und Mama.

Symbolbild: Queere Mama mit ihrem Sohn

Dass diese Meinung längst nicht mehr von allen geteilt wird, dürfte klar sein. Vor allem in liberalen Hot-Spots wie Berlin sieht es da ganz anders aus. Das wohl schlagendste Argument gegen den queerfeindlichen Ansatz: Was ist denn mit alleinerziehenden Müttern oder Vätern? Schließlich können auch sie einem Kind nicht den vermeintlich idealen Einfluss eines heteronormativen Elternpaares bieten.

Klar ist: Die Debatte läuft und braucht wohl auch noch ihre Jahre. Ein argumentatives Ass im Ärmel von gleichgeschlechtlichen Eltern bietet nun dafür eine neue Studie aus den Niederlanden. Forscher*innen fanden jetzt nämlich heraus, dass Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Eltern aufgezogen wurden, besser in der Schule abschneiden.

Gleichgeschlechtliche Eltern sind tendenziell wohlhabender – zumindest in den Niederlanden

Studienleiter Deni Mazrekaj von der University of Oxford hat mit "Unilad" über die Ergebnisse der Studie gesprochen: "Unsere Studie zeigt, dass der sozioökonomische Status ein wichtiger Faktor ist. Wir fanden heraus, dass gleichgeschlechtliche Eltern oft reicher, älter und gebildeter sind als das typische Paar unterschiedlichen Geschlechts."

Und weiter: Außerdem würden gleichgeschlechtliche Paare häufig teure Fruchtbarkeitsbehandlungen und Adoptionsverfahren anwenden, um ein Kind zu bekommen, was bedeuten würde, dass sie tendenziell ein hohes Maß an Wohlstand haben. Laut Mazrekaj gäbe es neben den sozioökonomischen Faktoren weitere Aspekte, die eine Rolle spielen könnten, wie zum Beispiel, dass gleichgeschlechtliche Paare motivierter sind, Eltern zu werden, eben weil sie Behandlungen oder Adoptionsverfahren über sich ergehen lassen müssen. Allerdings sei das nur eine Hypothese, die innerhalb dieser Studie nicht konkret untersucht werden konnte.

"Oha, hörst du das Merz?", möchte man da direkt hinausposaunen. Aber wie bei so vielen Studien muss man sich die Untersuchung natürlich erstmal genau anschauen, bevor man mit neuen Erkenntnissen um die Häuser zieht.

An der Studien nahmen 3.000 Kinder aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften teil

Mit 3.000 Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern ist die Studie zwar nicht riesig, für das Thema allerdings ein Vorreiter. Dazu sei außerdem gesagt, dass sich die Untersuchung ausschließlich auf Familien in den Niederlanden beschränkt – und somit nur einen kleinen Ausschnitt der Realität abbildet. Ältere US-Studien hätten bereit ergeben, dass sich kein signifikanter Unterschied in der schulischen Leistung zwischen Kindern von gleichgeschlechtlichen Paaren und Paaren unterschiedlichen Geschlechts ergibt.

lsk

  • Quelle:
  • NOIZZ.de