Die 26-Jährige hat mit uns über ihre OP und ihre Beziehung mit ihrem schwulen Ehemann geredet.

Transidente Menschen werden heute in der Gesellschaft noch immer ausgegrenzt – auch, weil ihr Äußeres oft nicht dem allgemeinen Verständnis von Mann und Frau entspricht. Einige unterziehen sich schweren OPs, weil sie sich nur so angekommen fühlen. Die YouTuberin Jolina Mennen hat diesen Weg für sich gewählt. Wir haben sie zu dieser ihrer Entscheidung befragt.

NOIZZ: Seit wann weißt du, dass du eine Transfrau bist?

Jolina Mennen: Das erste Mal ausgesprochen habe ich es mit vier Jahren. Meine Mutter war zum Glück sehr offen und hat mir die Möglichkeit gegeben, einfach Kind zu sein. Sie meinte, es sei in Ordnung, wenn ich Kleider trage, mich schminke oder mit Puppen spiele. Im Kindergarten habe ich nur mit Mädchen meine Zeit verbracht, weil ich mich mit ihnen identifizieren konnte. 

Hast du als Kind begriffen, was mit dir los ist?

Jolina: Ich hatte damals noch nicht die Worte, um zu beschreiben, wer ich wirklich bin. Mittlerweile habe ich die und hoffe, dass ich mit meiner Offenheit im Internet auch anderen transidenten Menschen helfen kann.

Du hast erst als schwuler Mann gelebt, deinen Partner Florian auch so kennen und lieben gelernt und ihn schließlich auch so geheiratet. Was war der Punkt, an dem du gesagt hast, du kannst so nicht weiterleben?

Jolina: Es gab keine konkrete Situation, sondern es war einfach ein Gefühl, das seit meiner Kindheit da war. Irgendwann habe ich amerikanische YouTuber entdeckt, die ihr Leben auch als Transmenschen gestalten. Sie haben mir Mut gemacht, auch diesen Schritt zu gehen. Ich dachte: Dann ist da auch ein Funken Hoffnung für mich. Und nach dem habe ich gegriffen.

Wie hat Florian auf dein Coming-out reagiert?

Jolina: Als er erfahren hat, dass ich eine Transfrau bin, war das für ihn ein Schlag ins Gesicht. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, ob unsere Beziehung weitergeht, aber wir haben es geschafft.

Wie ging es dann weiter?

Jolina: Knapp zwei Jahre später habe ich begonnen, Hormone zu nehmen. Dann folgten einige Operationen: Neben einer Brustvergrößerung und einer geschlechtsangleichenden OP hatte ich auch eine gesichtsfeminisierende OP. Dabei wurde mein Haaransatz verändert und mein Stirnwulst reduziert. Außerdem wurden Nase, Kiefer und Kinn sowie meine Nasen-Lippen-Distanz angepasst. Im Prinzip wurde acht Stunden lang mein ganzes Gesicht neu zusammengemeißelt.

Das ist ja eine ziemliche Tortur. Wie hast du das überstanden?

Jolina: Florian war für mich die größte Stütze. Natürlich waren Krankenschwestern da, aber er hat mich seelisch unterstützt, mich zum Teil sogar gewaschen, mir beim Anziehen geholfen, war nachts an meiner Seite und hat meine Kühlkissen getauscht. Ich weiß nicht, ob ich es ohne ihn geschafft hätte.

Wie wichtig war eine Operation für dich?

Jolina: Sehr bedeutend. Aber es ist wichtig zu sagen, dass jeder Weg ein anderer ist. Nur weil ich mich für Operationen entschieden habe, bin ich nicht mehr Frau als andere Transfrauen, die sich dagegen entscheiden. Der Stempel "Mann", "Frau" oder "divers" wird ja nicht durch unsere äußere Hülle definiert, sondern entstammt unserem Geist. Ob mit oder ohne OP, langen oder kurzen Haaren, Make-up oder ungeschminkt: Frau ist Frau.

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Das Interview entstand im Rahmen des Projekts "Divers*land – Wenn Geschlechtergrenzen fallen". Dabei erzählt ein Team junger Journalistinnen und Journalisten bewegende Geschichten über trans- und intergeschlechtliche Menschen. Folgt "Divers*land" auf Instagram oder besucht www.divers.land.

Quelle: Noizz.de