Im Jahr 2013 spielte Jared Leto, ein Hetero-Cis-Mann, die trans* Frau Rayon in dem Film "Dallas Buyers Club". Sieben Jahre später will er nun auch noch einen der bekanntesten offen homosexuellen Künstler spielen: Andy Warhol. Hat der Sänger nichts verstanden?

"Ja, es ist wahr" – mit diesen Worten kündigte der US-Schauspieler und Frontmann der Band Thirty Seconds to Mars Jared Leto auf Social Media an, dass er in einem kommenden Biopic die Rolle der Pop-Art-Ikone Andy Warhol übernehmen wird. Die Ankündigung kam am vergangenen Freitag, einem Tag nach dem 92. Geburtstag des verstorbenen Künstlers. Leto ließ seine Fans wissen, dass er dankbar und aufgeregt über diese Gelegenheit sei.

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Weniger dankbar, dafür aber mindestens genauso aufgeregt, wurde die Ankündigung des 48-jährigen Oscar- und Golden-Globe-Gewinners allerdings insbesondere von der LGBTQ-Community aufgenommen. Denn Andy Warhol ist nicht nur einer der bekanntesten Vertreter der amerikanischen Pop-Art, sondern auch einer der bekanntesten offen homosexuellen Künstler. Warhols gesamtes Werk ist queer – Jared Leto ein heterosexueller cis-Mann. Und das ist noch nicht einmal der Kern des Problems.

Denn Leto ist nicht einfach nur ein heterosexueller cis-Mann, der jetzt einen bekannten queeren Künstler spielen will. Er ist ein heterosexueller cis-Mann, der vor knapp sieben Jahren bereits eine trans* Frau spielte. Für seine Darstellung der Rayon in "Dallas Buyers Club" erhielt der Sänger sogar einen Oscar als bester Nebendarsteller.

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Ok, vor sieben Jahren war die Diskussion um Repräsentation und Sichtbarkeit der LGBTQ-Community vielleicht noch nicht im Mainstream der Entertainment-Industrie angelangt. Spätestens heute aber weiß man auch in Hollywood, dass es problematisch ist, wenn trans* Personen von cis-Schauspieler*innen gespielt werden. Wieso glaubt ausgerechnet Jared Leto jetzt also, dass er auch noch einen schwulen Künstler spielen sollte?

Bereits mehrmals wurde Warhol von Hetero-Cis-Männern gespielt

Selbst wenn man der Überzeugung ist, dass queere Charaktere auch von nicht-queeren Künstler*innen gespielt werden können (und diese Überzeugung haben in Hollywood auch einige queere Künstler*innen selbst), muss man Kritik an der Darstellung Andy Warhols durch Jared Leto üben. Denn der Frontmann von Thirty Seconds To Mars reiht sich in eine lange Liste von Hetero-Männern, die den schwulen Künstler bereits zuvor in Filmen verkörperten – etwa Guy Pearce in "Factory Girl" oder Bill Hader in "Men In Black III".

Andy Warhol mit den "Superstars" Jane Forth, Jackie Curtis, Joe Dallesandro und Holly Woodlawn.

Kyle Munzenrieder schreibt dazu im "W Magazine": "Zusammengenommen tragen die Muster der Besetzungen zu der Vorstellung bei, dass Warhol queer im Sinne von 'ein seltsamer kleiner Kerl' und nicht queer im Sinne von 'hatte Sex mit Männern und hatte keine Verwendung für Heteronormativität' war." Munzenrieder hofft darauf, dass zumindest die trans*Frauen in Warhols Leben wie Candy Darling, Jackie Curtis und Holly Woodlawn – die großen Warhol-Superstars, die in jedem anständigen Biopic über den Künstler vorkommen sollten – von trans* Darstellerinnen gespielt werden.

Was geht in Letos Kopf vor?

Jared Leto sollte sich selbst ganz tief in die Augen schauen und sich fragen: Ist das wirklich eine gute Idee?

Erst im Juli entschuldigte sich die US-Schauspielerin Halle Berry öffentlich, weil sie die Rolle eines trans* Manns übernehmen wollte. In einer reflektierten Entschuldigung schrieb die 54-Jährige, dass die trans* Community künftig unstrittig die Möglichkeit haben sollte, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Sie sei dankbar für die kritische Diskussion und werde weiterhin zuhören und aus ihrem Fehler lernen.

Von Reflexion scheint bei Jared Leto dagegen keine Rede zu sein. Was geht in seinem Kopf vor? Kann die Diskussion wirklich an ihm vorbeigegangen sein? Oder ist es ihm egal?

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  • Quelle:
  • Noizz.de