Hip-Hop braucht endlich sein erstes Gay-Couple!

Zu behaupten, dem Hip-Hop-Game fehlt es an Queer-Artists ist schlichtweg falsch. Zu behaupten, dem Hip-Hop-Game fehlt es an Queer-Artists mit massivem Einfluss, die uns mit ihrem Coming-Out vom Hocker fegen und so entschieden zur Normalisierung von LGBT beitragen – ist Realität.

Rapper Jaden Smith hätte genau so ein Outing jetzt fast abgeliefert.

Fast. Wäre da nicht das wirklich große Fragezeichen um seine öffentliche Liebeserklärung an Tyler, the Creator.

Vergangenen Sonntag steht Jaden Smith beim „Camp Flog Gnaw“-Festival in Kalifornien auf der Bühne. Der Sohn von Hollywood-Star Will Smith belässt es nicht bei seinem Auftritt. Er möchte sich der Crowd mitteilen. Sein Monolog hat es in sich: „Tyler ist der beste Freund, den man haben kann, und ich liebe ihn so verdammt doll“, verkündet er unter tosendem Applaus.

Damit nicht genug. Er fährt lauthals fort: „Ich will euch etwas sagen! Ich will euch sagen … Tyler will es nicht sagen, aber er ist mein verdammter Boyfriend. Er war schon immer mein verdammter Boyfriend! Es ist wahr!“

Die Worte stolpern nur so dem Mund des 20-Jährigen. Man hört, wie er grinst.

Währenddessen steht Tyler vor der Bühne ...

Ein Fan nimmt das Beziehungsbekenntnis mit dem Handy auf. Am Ende des Clips ist Tyler zu sehen. Der Rapper deutete seine Homosexualität schon öfter via Social Media und in Lyrics an. Jetzt steht er peinlich berührt neben der Bühne. Er winkt das romantische Statement mit einem Zeigefinger weg.

Via Social Media heizen die beiden das Thema weiter an

„Jap, @tylerthecreator! Ich hab’s allen gesagt. Jetzt kannst du es nicht mehr verleugnen“, schreibt Jaden nach dem Festival auf seinem Twitter-Profil. Die Antwort seines angeblichen Geliebten: „Hahaha, du bist verrückt man.“ Ein Austausch, der am Ende eigentlich nichts verrät.

Scherzen die beiden? Folgt bald das erste Pärchen-Pic? Ist das Ganze ein einziger Bluff?

Sind wir mal ehrlich: Sollte es sich bei diesem Auftritt um einen Scherz handeln: Es wäre ein schlechter. Nicht nur in Anbetracht der Tatsache, dass Tyler, the Creator möglicherweise wirklich schwul ist (2015 teilte er sein wohl schief gegangenes Coming-Out via Twitter.) Es wäre auch ein recht verwirrendes Zeichen an alle anderen Mitglieder der LGBT-Community. In einer Zeit, in der Homosexuelle sowie Transsexuelle immer noch um Akzeptanz ringen müssen, ist ein „Outing nur mal so zum Spaß“ mehr als unangebracht.

Sollte es sich bei diesem Auftritt allerdings um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit handeln: Praise the Lord! Das wäre mal etwas. Zwei männliche Hip-Hop-Größen, ineinander verliebt – und völlig cool damit. Ich würde mit ein Couple-Poster von Jaden und Tyler übers Bett hängen.

Warum wir ein schwulen Rapper-Couple brauchen!

Gerade dem Hip-Hop mit seiner schwulenfeindlichen Vergangenheit würden mehr einflussreichen Gay-Artists gut tun. Klar: Wir haben zwar Frank Ocean und seine Bisexualität. Danach wird’s dann aber auch schon dünn. Zumindest außerhalb der USA und innerhalb einer größeren Reichweite.

Da gibt es noch Brooke Candy, die sowohl auf Männer als auch auf Frauen steht, Young M.A, Le1f, iLoveMakonnen … leider aber niemand, dessen Outing als massiv Gesellschafts-bewegend bezeichnet werden kann. (Ja ja, auch die kleinen Steps zählen.)

Wir haben große Homo-Vorbilder trotzdem immer noch bitter nötig! In allen Genres und Lebensbereichen. Denn: Selbst 2018 fürchten sich 30 Prozent der LGBT-Community noch vor einem Outing – leben stattdessen lieber in einer Scheinwirklichkeit.

Aber zurück zu Jaden Smith: Schaut man sich mal genau in der Vita des Smith-Sprosses um, mag man bei seiner Liebeserklärung an Tyler nicht an einen Witz glauben. Auch nicht an eine Aktion zu Promo-Zwecken. Jaden steht neben Hollywood-Glamour und Trap auch für Gender-Fluid-Fashion. 2016 modelte er für eine Kampagne der Luxusbrand Louis Vuitton – in Frauenklamotten.

Manch einer fasste diese Infragestellung der Geschlechter-Stereotypen als Outing auf. Dabei wollte Jaden uns laut eigener Aussage nur eines verklickern: Geschlechte sind ein Konzept, mehr nicht.

Möchte Jaden mit seiner öffentlichen Liebes-Beichte also vielleicht nur wieder ein bisschen wachrütteln? Möchte er uns zeigen: Hey, es WÄRE theoretisch gar kein Ding, WENN Tyler und ich ineinander verliebt wären?

Wir hoffen einfach mal auf die ganze Bandbreite und halten unsere Daumen für das erste Gay-Couple im Hip-Hop gedrückt.

Quelle: Noizz.de