Es ist ein internationales Novum: In Österreich können inter* Personen nun zwischen sechs Geschlechtern wählen. In einigen Fällen müssen Betroffene davor allerdings ein Gutachten durchlaufen. Aktivist*innen begrüßen den Fortschritt, kritisieren einige Aspekte jedoch scharf.

Österreich hat jetzt sechs Geschlechter – als erstes Land weltweit! Laut einem entsprechenden Erlass der österreichischen Regierung kann in Dokumenten für die Kategorie Geschlecht jetzt neben "weiblich" und "männlich" auch zwischen "divers", "inter", "offen" und "keinem Eintrag" gewählt werden. Aktivist*innen begrüßen die Neuerung als kleinen Fortschritt, kritisieren aber, dass die alternativen Einträge nur inter*, nicht aber trans* sowie nicht-binären Personen offen stehen.

Symbolbild: Pride

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Wie "queer.de" berichtet, können inter* Personen, die bei der Geburt nicht als "weiblich" oder "männlich" registriert worden sind, ihren Eintrag im Zentralen Personenstandsregister künftig einfach auf Information ändern lassen. Wurde bei der Geburt allerdings ein Geschlecht eingetragen, benötigt die betroffene Person vor der Änderung von "männlich" oder "weiblich" in eine der vier alternativen Geschlechter ein Gutachten über eine körperliche "Variante der Geschlechtsentwicklung". Ein derartiges Zwangsgutachten wird von der Community scharf kritisiert.

"Große Chance vertan"

Wie Luan Pertl von der Plattform Intersex Österreich laut "queer.de" erklärte, sei die Änderung des Erlasses zwar ein wichtiger Schritt für die Inter* Community, leider würden intergeschlechtliche Menschen aber weiterhin pathologisiert. Der Schritt zur Selbstbestimmung bleibe somit in weiter Ferne.

Anton Wittmann von der HOSI Salzburg sieht in dem Erlass laut dem Online-Medium eine "große Chance vertan, allen Menschen, die sich in dem binären Geschlechterbild nicht wiederfinden, einen alternativen Geschlechtseintrag zu ermöglichen."

Was ist Intergeschlechtlichkeit?

In der klassischen Medizin werden Menschen anhand von Chromosomen, Hormonen, Keimdrüsen und dem körperlichen Erscheinungsbild das Geschlecht "männlich" oder "weiblich" zugeordnet. Diese Zuordnung findet meist bei oder sogar schon vor der Geburt statt. Bei inter* Personen ist das körperliche Geschlecht nicht eindeutig in die medizinisch normierten Kategorien "männlich" oder "weiblich" einzuordnen, da inter* Personen von den genannten körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowohl solche aufweisen, die als "männlich", als auch solche die als "weiblich" kategorisiert werden. Ca. 1,7 Prozent der Weltbevölkerung sind intergeschlechtlich.

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Quelle: Noizz.de