Einfach nur göttliche Gerechtigkeit.

Wer anderen eine Grube gräbt ... Das Ende dieses Spruchs kennt jetzt eine Schweizer Kirchenratspräsidentin besonders gut. Im Juni war bekannt geworden, dass Chantal Lanz aus Melchnau versucht hatte, einen Mann wegen seiner Homosexualität aus dem Kirchgemeinderat auszuschließen. "Homosexualität hat in der Gemeindeleitung keinen Platz", hatte sie gesagt. Nach starker Kritik ist sie nun selber zurückgetreten, berichteten mehrere Medien .

In einem Schreiben der Kirchengemeinde Melchnau hieß es: "Die über Monate andauernden Anfeindungen und zuletzt die starke Medienpräsenz haben Chantal Lanz dazu bewogen, per sofort ihren Rücktritt als Präsidentin und Ratsmitglied zu bekunden. Der Kirchgemeinderat bedauert diesen Schritt zutiefst, hat jedoch dafür vollstes Verständnis. Wir danken Chantal Lanz von Herzen für die angenehme Zusammenarbeit und ihr großes Engagement zu Gunsten der Kirchgemeinde Melchnau."

Kritik gegen sie, weil sie einen schwulen Mann aus dem Kirchenrat mobben wollte? Die Arme... Lanz, die damals noch Präsidentin des Gremiums in der kleinen Gemeinde im Schweizer Kanton Bern war, hatte einen Brief an die damalige Pfarrerin geschrieben und darin geschildert, dass der betroffene Mann aufgrund seiner sexuellen Orientierung nicht in den Kirchgemeinderat gehöre.

"Seine Neigung/sein Verlangen zu anderen Männern ist ein Ausdruck für ein Herz, das in erster Linie an eine Neigung vergeben ist, die nicht Gottes Willen entspricht", schrieb sie in dem Text wörtlich. Darüber hinaus bezeichnete Lanz darin Homosexualität als Sünde und verglich sie mit Faulheit, Habgier und Selbstsucht. Der Mann gehöre nicht in den Kirchenrat – diesbezüglich sei die Bibel sehr klar. Für ihn sei nun "gute Seelsorge" wichtiger als die Aufgaben im Rat, schrieb sie.

Doch wer jetzt denkt, es kann nicht mehr krasser werden, hat sich leider geirrt. Denn von seinen mehrheitlich freikirchlich orientierten Ratskolleginnen und -kollegen erhielt der Mann keine Hilfe. Im Gegenteil: Sie hätten es ihm von Anfang an schwer gemacht, berichtete er. Als seine Idee, die Einnahmen einer Kollekte der Aids-Hilfe zukommen zu lassen, abgelehnt wurde, kam es zum Streit. Unterstützung kam erst, als der Mann sich an die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn wandte. Diese verurteilten das Verhalten von Lanz und sagten, Diskriminierung wegen Homosexualität sei gegen die Haltung der Landeskirche.

Dass Lanz nun zurückgetreten ist, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Doch betrachtet man den bedauernden Brief der Kirchengemeinde, ist fraglich, ob damit das Homophobie-Problem des Kirchenrates gelöst ist.

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Quelle: Noizz.de