Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) kritisiert den Entwurf der Bundesregierung für das "Homoheiler"-Verbot. Der Entwurf steht kurz vor der Abstimmung – dabei ist er noch voller Mängel, so der LSVD.

Nächste Woche wird über den Entwurf eines Gesetzes zum "Schutz vor Konversionsbehandlungen" im Bundestag entschieden – ein Gesetz, dass LGBTI*-Personen vor sogenannten "Homoheilern" schützen soll. Diese Konversionstherapien sollen zum Beispiel schwule Männer dazu bringen, sich doch in Frauen zu verlieben – eine Praxis, die absolut menschenverachtend und nachweislich wirkungslos ist. Deswegen ist es auch eigentlich eine gute Sache, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Anfang 2019 einen Entwurf zur Einschränkung dieser Praxis ins Leben gerufen hat. Doch leider ist der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) mit dem Entwurf gar nicht zufrieden. Ein Brief des LSVD an die Bundestagsabgeordneten deckt die zahlreichen Mängel des Entwurfs auf.

Die Kritik des Verbandes: Der Entwurf würde lediglich ein symbolisches Gesetz sein und hätte kaum wirkliche Wirkung. Die Verbandsmitglieder werfen der Bundesregierung vor, dass diese beabsichtige, das Gesetz ins Leere laufen zu lassen.

Ein Junge auf einer muslimischen Pride Parade in London im Sommer 2019

Das Gesetz würde "Homoheilung" gar nicht verbieten

Zum Beispiel verbietet der Entwurf die "Homoheilung" nicht gänzlich, sondern nur, wenn dieser sogenannten "Konversionstherapie" nicht zugestimmt worden sei. Wenn ein*e über 18-Jährige*r der Therapie zustimmt, dann soll sie auch weiterhin eine Daseinsberechtigung haben. Der LSVD bemängelt, dass diese Zustimmung oft erschlichen wird und mit keiner wahrhaftigen Einwilligung zu vergleichen ist. Die Therapie ist von Grund auf eine Täuschung, da LGBTI*-Menschen nie "geheilt" werden können, da es nichts zu heilen gibt – der Weltärztebund bestätigt weiterhin, dass ein Mensch aufgrund seiner gewählten (sexuellen) Identität nicht krank ist.

Pride Month 2019 in Boston

"Homoheilung" kann Menschen zum Selbstmord treiben

Auch Eltern, die ihre Kinder zum "Homoheiler" schicken, droht keine explizite Strafe. Man könne sie höchstens anklagen, ihre Erziehungspflicht verletzt zu haben – das Strafmaß begrenze sich "auf Fälle der gröblichen Verletzung der Fürsorge oder Erziehungspflicht". Der LSVD will, dass der Gesetzesentwurf "Konversionstherapien" generell als gröbliche Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht wertet, da es eine unethische, untaugliche und schädliche Intervention sei: Viele Menschen in Konversationstherapien würden durch die Praktik zum Selbstmord oder in Depressionen getrieben.

Schon vor einer Woche hatten Oppositionsparteien das Papier für die Mängel kritisiert, auf die Forderungen wurde aber kaum eingegangen. Nun soll der Entwurf nächste Woche ein letztes Mal revidiert werden, bevor über ihn abgestimmt wird.

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Quelle: Noizz.de