Wir haben mit der Gewinnerin der 10. Staffel "RuPaul's Drag Race" gesprochen.

Von Beginn der 10. Staffel der legendären Castingshow für Dragqueens – "RuPaul's Drag Race" – war Aquaria ein Fan Favorite. Die 23-jährige Queen aus New York überzeugt nicht nur mit ihrem Humor, sondern auch ihren besonderen Looks, die losgelöst von traditionellem Drag stattfinden, modern und genderfluid sind. Spätestens seit ihrer Krönung zu "America's Next Drag Superstar" ist Aquaria Fans weltweit bekannt. NOIZZ hat mit dem Shootingstar der Szene gesprochen.

The Age of Aquaria

Das erste, was Aquaria nach ihrem Gewinn von "RuPaul's Drag Race" mit ihrem Preisgeld von 100.000 US-Dollar kaufte, könnte nicht bodenständiger sein: "Ich habe in der Nacht, in der ich tatsächlich gekrönt wurde, eine Runde Drinks ausgegeben. Viele Runden tatsächlich."

In der riesigen Drag-Szene in New York City hat sich Aquaria schon seit Jahren einen Namen gemacht, denn trotz ihres jungen Alters ist ihre Performance einfach immer on point. Ihr Make-up ist Hochglanz, ihre Outfits sind abgefahren und dennoch so stilvoll, dass sie in einer Editorial-Strecke eines angesagter Mode-Magazins stattfinden könnten.

Das liegt wohl vor allem daran, dass Giovanni Palandrani, der Mann hinter Aquaria, am angesehenen Fashion Institute of Technology in Manhattan zwei Semester lang Modedesign mit Fokus auf Frauenmode studierte. Wohl auch deswegen wurde Aquaria bereits zweimal für die italienischen Vogue abgelichtet. Ein Kleidungsstück, dass die Queen nie tragen würde, sind übrigens Culottes, wie sie uns verrät (und damit die gesamte NOIZZ-Redaktion in eine Sinneskrise stürzt).

Irgendwo zwischen Madonna und Lady Gaga

Inspirationen für ihren stilsicheren und zugleich abgefahrenen, futuristischen Look hat Aquaria viele. Neben Popikonen wie Madonna und Lady Gaga hat besonders "Drag Race"-Gewinnerin Sharon Needles, ihre Drag Mother, ihren Weg in die Szene beeinflusst und begleitet. Auch Opernsängerin Shequida macht Aquaria für ihre Drag-Karriere verantwortlich. "Ich war schon immer an Make-up interessiert, und damit fing es eigentlich an", so die 23-Jährige.

Aquaria ist bekannt für ihre extravaganten Make-up-Looks, die selbst Kim Kardashians Visagisten neidisch machen würden. Wie viel sie im Monat für Kosmetikprodukte und Schminke ausgibt, wollen wir deshalb unbedingt wissen. Schließlich braucht man als Dragqueen zahlreiche Produkte (und Stunden), um nur einen Look zu kreieren. "Leidenschaft hat keine Kosten", so die Italoamerikanerin. Das klingt definitiv nach hohen Summen.

Aufgewachsen ist Aquaria in einer Kleinstadt in Pennsylvania, mit gerade einmal 18.000 Einwohnern und fernab von der schillernden Drag-Szene in New York, die sie sich mittlerweile zu eigen gemacht hat. Doch ihre italienischen Wurzeln haben ihr schon in jungen Jahren geholfen, einen Drag-Charakter zu entwickeln, der nicht auf den Mund gefallen ist. "Die Tatsache, dass ich nichts zurückhalte, was ich sagen möchte – zumindest, wenn mir dafür die richtigen Wörter einfallen – liegt wohl an meinen Wurzeln. Sie haben wahrscheinlich auch zu meinem Selbstvertrauen beigetragen."

Dennoch fehlen auch der "RuPaul's Drag Race"-Gewinnerin manchmal die Worte. "Manchmal fühle ich mich von Sprache überfordert. Gerade wenn ich versuche, einen kreativen Prozess zu erklären." Sogenannter "Shade", also traditionelle, beleidigende Kommentare, die in der Community eine wahre Kunstform sind, hat Aquaria dagegen immer parat.

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Politischer denn je

Obwohl die Drag-Szene, gerade in der beliebten TV-Show von RuPaul, mittlerweile leichtfüßig und spaßig wirkt, ist Drag immer noch höchst politisch. Zur Zeit des legendären Films "Paris is Burning", den späten 80ern und frühen 90ern, herrschte ein enormes politisches Bewusstsein, und Aktivismus gehörte unweigerlich zu einem Drag-Auftritt dazu. Denn jede Performance war damals auch ein Kampf für Anerkennung der LGBT*-Community.

Obwohl sich seit damals viel in Sachen Gleichberechtigung getan hat, ist die momentane Stimmung seit der Präsidentschaft Trumps betrübt. Seine konservative Politik macht gerade viele Meilensteine für queere Amerikaner*innen rückgängig. "Drag ist politischer als in den späten 80ern, wir kämpfen immer noch um unsere Rechte – in diesem Augenblick", so die 23-Jährige.

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Ende April präsentiert Aquaria ihre unverwechselbare Performance bei der "Werq the World"-Tour in Berlin und Köln. Hier gibt es Tickets.

Quelle: Noizz.de