Das bedeutet die Wahl für bi-, trans- und homosexuelle Menschen.

Auch ich war zunächst geschockt und musste erstmal nachdenken, nachdem das beängstigende Wahlergebnis bekanntgegeben wurde. Die AfD – drittstärkste Kraft! Dass so etwas in Deutschland passiert, ein Land in dem ich nie mit homofeindlichen Anfeindungen konfrontiert wurde (glücklicherweise), macht mir Angst! Die Partei und ihre Wähler sind gegen Demokratie, gegen Gleichberechtigung, gegen Liebe.

Vor allem frage ich mich, was die AfD und ihre Anhänger so sehr stört an LGBTIs. Ihnen zufolge sind wir ja die absolute Minderheit, aber ihre Kinder wollen sie trotzdem lieber vor frühzeitiger Aufklärung über Trans- und Homsexuelle schützen. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Liebe AfD, ihr schürt Ängste, die eigentlich niemand hat. Ängste vor andersliebenden Menschen, die keinem was zu Leide tun, sondern denen dadurch Leid zugefügt wird. Ihr schürt Ängste gegen das friedvolle Miteinander unterschiedlichster Menschen und Kulturen. Und ich suche immer noch nach dem Warum.

Die lesbische Alice Weidel bei ihrem Wahlerfolg mit der AfD Foto: dpa picture alliance

Was zur Zeit der Brandenburger Landtag debattiert wird, droht eventuell auch im Bundestag: Die dortige AfD-Fraktion hat beantragt, die Förderung von LGBTI-Gruppen komplett zu streichen. Begründung: Die bisherige Förderung durch die rot-rote Landesregierung sei eine „überflüssige Privilegierung dieser Gruppen“ und „tendenzielle Benachteiligung der heterosexuellen Mehrheit“. „Das Land Brandenburg muss auf allen Ebenen für die klassischen Familien einstehen“, so die Rechtsaußenpartei. Hoffentlich wird ihnen niemand in der Brandenburger Regierung zustimmen.

Journalist Dirk Ludigs sagt zum Wahlergebnis der AfD im Magazin Siegessäule: „Für uns LGBTI heißt das: den Kampf gegen Homo- und Transphobie in die ganze Gesellschaft zu tragen und klarer zu begreifen, wie eng er mit Themen wie Rassismus, Sexismus und Xenophobie verknüpft ist. Die freie Gesellschaft verteidigen, heißt: sie stets neu erkämpfen, sie ausbauen, sie weiter entwickeln.“

Und dieser Kampf beginnt mit den neuen Abgeordneten des Parlaments. Fast aus jedem Bundesland sitzen einer oder mehrere homosexuelle Abgeordnete im Bundestag. NOIZZ hat eine Liste erstellt:

Geoutete, homosexuelle Politiker im neuen Bundestag

Sachsen-Anhalt:

Auf der Landesliste Sachsen-Anhalt zieht Matthias Höhn für die Linke in den Bundestag ein.

Hessen:

Michael Roth aus der CDU gewann seinen Wahlkreis zum 6. Mal hintereinander und bekommt ein Direktmandat.

Nordrhein-Westfalen:

- Die 51-jährige Ulle Schauws, die mit ihrer Partnerin in Krefeld lebt, war bislang frauen- und kulturpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion und zieht wieder in den Bundestag ein.

- Der 39-jährige Kai Gehring hat sich als Sprecher für Hochschule, Wissenschaft und Forschung einen Namen gemacht und zieht für Essen in den Bundestag.

Barbara Hendricks ist zwar keine Ministerin mehr, sitzt aber wieder mit einem Mandat der SPD im Bundestag Foto: dpa picture alliance

- Barbara Hendricks wrd zwar ihren Ministerposten abgeben, aber sie bleibt mit dem SPD-Listenplatz zwei weiterhin im Bundestag.

- Mit 51,2 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Steinfurt I – Borken I zieht Jens Spahn, der bekannteste und zugleich umstrittenste Schwule der CDU, in den neuen Bundestag ein.

- Der schwule Grünen-NRW-Landeschef Sven Lehmann holte mit 14,6 Prozent sogar in seinem Kölner Wahlkreis noch etwas mehr als Volker Beck, der vor vier Jahren 14,5 Prozent erzielte.

Bayern:

Über die bayerische FDP-Landesliste ist Thomas Sattelberger der Einzug in den Bundestag gelungen.

Baden-Würtemberg:

Mit 32 Prozent hat Stefan Kaufmann von den Grünen seinen Wahlkreis Stuttgart I verteidigt. Sein Herausforder war kein geringerer als Cem Özdemir.

Im Wahlkreis Bodensee gewinnt zwar das Direktmandat Lothar Riebsamen (CDU) mit 41,4 Prozent. AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel erzielt 10,4 Prozent und zieht über die Landesliste in den Bundestag.

Hamburg:

Johannes Kahrs, der langjährige Beauftragte der SPD-Fraktion für die Belange von Lesben und Schwulen, sitzt wieder im Bundestag.

Nordrhein-Westfalen ist Spitzenreiter mit gleich fünf bekennenden LGBT-Abgeordneten. Es ist durchaus möglich, dass weitere Homosexuelle im neuen deutschen Bundestag sitzen, die aber nicht öffentlich geoutet sind.

Nun zu den traurigen Resultaten der Wahl. Mit der AfD ziehen leider auch viele Feinde der Gleichstellung von Hetero- und Homosexuellen in den Bundestag ein. Hier nennen wir einige extreme von ihnen, aber auch von der CDU.

Bekennde Homofeinde

AfD:

Martin Hohmann wurde von der CDU rausgeworfen und hetzt jetzt für die AfD gegen LGBTI's Foto: dpa picture alliance

Martin Hohmann

Zu den gruseligsten Gestalten im neuen Parlament gehört auch ein alter Bekannter: Der ehemalige CDU-Abgeordnete Martin Hohmann kehrt über die hessische AfD-Landesliste in den Bundestag zurück. Der frühere Reserveoffizier und Kriminaloberrat machte unter anderem durch homofeindliche Aussagen Schlagzeilen.

Beatrix von Storch (Berlin), Stephan Brandner (Thüringen)

Schon jetzt ist klar: von Storch und Brandner werden nicht die einzigen Homohasser in der AfD-Fraktion bleiben, aber sie wetterten schon vor der Wahl gegen die LGBTI-Community. Stephan Brandner bekommt nun eine nationale Bühne, nachdem er schon im Landtag die Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175 einen „Verfassungsbruch“ nannte, der einen „Regenbogenfamilienirrweg“ weiter vorbereite.

Beatrix von Storch spricht sich bereits seit Jahren gegen die Gleichstellung der Ehe aus.

CDU:

Hans-Jürgen Irmer ist seit Jahren als Homo-Hasser in den Reihen der CDU bekannt Foto: dpa picture alliance

Hans-Jürgen Irmer (Hessen)

Der bekannte Homo-Hasser gewinnt sogar das CDU-Direktmandat in seinem Wahlkreis Lahn-Dill. Der Abgeordnete wirbt für die „Heilung“ von Lesben und Schwulen und warnt vor LGBTI-„Lobbyisten“ an Schulen.

Veronika Bellmann (Sachsen)

Erneut zieht Veronika Bellmann in den Bundestag. Bereits seit Jahren macht die Abgeordnete Hetze gegen Homosexuelle und sprach sich vor allem auch gegen die Ehe für alle aus. Sie schrieb in ihrem Blog: „Die Ehe aus Mann und Frau habe mit Blick auf die Kinder und die Zukunft unseres Volkes einen besonderen Rang.“

Das sind nur einige, die bekennend gegen LGBTIs hetzen. Traurig genug, dass sie hier an dieser Stelle überhaupt genannt werden müssen.

Quelle: Noizz.de