Wird Techno damit jetzt zur Hochkultur?

Es gibt ein paar gute Sachen, die in der trubeligen Wendezeit 1990 in Berlin entstanden sind. Jeder fühlte sich frei, man ist einem Atomkrieg entkommen und außerdem: Hey, es gab wieder ein Deutschland! Die Mieten waren billig, jeder konnte machen was er wollte. Zum Beispiel einen Techno-Club in einem verlassenen Tresorraum einer ehemaligen Kaufhaus-Bank direkt am Potsdamer Platz eröffnen.

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Das war die Geburt des Tresors. Eben jenen prestigeträchtigen Clubs, den Dimitri Hegemann 1991 gegründet hat. Bis heute zählt der Technoclub, der mittlerweile in das Heizkraftwerk Berlin-Mitte umziehen musste, zu den beliebtesten der Welt. Die namensgebende Tresortür am Eingang der Originallocation wird jetzt sogar zum Museumsexponat.

Im noch geschlossenen Humboldt Forum Berlin steht sie nun als erstes Objekt der künftigen Berlin-Ausstellung, in dem für rund 600 Millionen Euro entstehenden neuen Schloss. "Tresor"-Gründer Dimitri Hegemann, der die Stahltür dem Stadtmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat, sprach von einer "Nofretete“ – eine Anspielung auf die bekannte ägyptische Skulptur im Berliner Neuen Museum. 

So wertvoll-rostig

Fünf Tonnen schwer und etwa 2,30 Meter hoch ist die Stahltür – und nun auch ein Symbol für die Geschichte der Stadt. Ursprünglich sicherte die Tür den Tresorraum des Kaufhauses Wertheim, deren jüdische Besitzer während des Nationalsozialismus enteignet wurden. Das Kaufhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach dem Fall der Mauer lockte das "Tresor" vor allem junge Menschen aus der ganzen Welt durch seine zunehmend berühmte Eingangstür. 

Für Club-Gründer Hegemann ist die von Rost überzogenen Tür auch deswegen ein "Symbol für einen Aufbruch in eine neue Epoche". Der "Tresor“-Club stehe für die Nachtkultur der 90er Jahre, die mit dafür gesorgt habe, dass Berlin bis heute international als Stadt der Freiräume und der Subkultur wahrgenommen werde.

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Das Humboldt Forum im weitgehend rekonstruierten Schloss soll nach Verschiebung der ursprünglich Ende 2019 geplanten Eröffnung nun im kommenden Jahr als Museums- und Kulturzentrum Besucher anlocken. Hauptnutzer wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit seinen Museen, daneben sind das Land Berlin und die Humboldt-Universität mit Ausstellungen vertreten.

[Text: Zusammen mit dpa]

sw

Quelle: dpa