Mit ihrem neuen Audible Original Podcast "Jubel und Krawall" wollen uns Sophie Passmann und Matthias Kalle mit den ultimativen Tipps für bessere Unterhaltung versorgen. Wir haben zum Start mit beiden über US-Comedians, Aperol-Spritz und ja, auch Rührei gesprochen.

Es gibt Dinge, die passen einfach unglaublich gut zusammen und ergänzen sich prächtig: Eier und Speck zum Beispiel. Oder eine deliziöse Scheibe Graubrot und Butter. Sonny und Cher. Bier und Schnaps. Und eben auch Sophie Passmann und Matthias Kalle. Bereits mit dem Fernsehkritik-Podcast "Die Schaulustigen" für die "ZEIT" haben die beiden bewiesen, dass sie ein perfekt eingespieltes Team sind, das sich mindestens genauso gut ergänzt wie Nachos und Salsa – und dazu auch noch ziemlich witzig ist.

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Neben ihrer Faszination für alles, was über unsere Bildschirme flimmert, verbindet beide aber noch eine große Liebe: ihr Faible für alles, was auch nur irgendwie mit Popkultur zu tun hat. Genau diesem Thema widmen sich beide nun im neuen Audible Original Podcast "Jubel & Krawall" – der, wie der Name schon erahnen lässt, eben mal gerne in den Himmel lobt, aber eben auch mal richtig in die Fresse sein kann.

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Wo fängt Popkultur eigentlich an und wo hört sie auf?

Die 19 Jahre Altersunterschied der beiden Journalist*innen werden dabei eigentlich zur Nebensache. Wer auch nur ein bisschen auf Instagram oder Twitter aktiv ist, dürfte schon auf den ein oder anderen polarisierenden Post von Sophie gestoßen sein und ihr Buch "Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch" sollte eigentlich auf keinem Nachtschrank fehlen – ganz subjektive Literaturempfehlung over. Im Mai moderierte sie außerdem die Sendung "Männerwelten" auf ProSieben von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.

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Und ob bewusst oder unbewusst, mit den Texten von Matthias Kalle bist du mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch schon einmal in Berührung gekommen: Er war Redakteur beim "jetzt"-Magazin, Chefredakteur des Berliner Stadtmagazins "Zitty", entwickelte die Zeitschrift "Neon" mit und war zuletzt stellvertretender Chefredakteur des "ZEIT"-Magazins, für das er weiterhin als Autor schreibt.

Im Podcast streiten sie sich nicht nur über neue Serien, sie sind sich einig über alte Bands wie The Smiths, diskutieren über gute Literatur und manchmal ziemlich miserable Comedy. Eben die Art von Kultur, die unseren Alltag prägt – und kommen dabei auf ziemlich ungewöhnliche Fragen. Zum Beispiel, warum wir in Popsongs zwar lernen, wie Liebeskummer geht, aber nicht, wie man glückliche Beziehungen führt. Zum Start des neuen Podcasts haben wir mit beiden über das gesprochen, worum sich ihr Podcast dreht: Popkultur.

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Sophie Passmann und Matthias Kalle im NOIZZ-Talk über ihren neuen Podcast "Jubel & Krawall"

"Eigentlich wollten wir einen Podcast über Sex machen, aber unser zehnköpfiges Berater-Team meinte, wir sollten vielleicht lieber über Dinge sprechen, von denen wir Ahnung haben."

NOIZZ: Wer ist bei euch mehr der Jubel- und wer der Krawall-Part?

Sophie Passmann: Wir sind ja keine "Tatort"-Kommissare, wo der eine immer den Fall löst und der andere die Hinweise sammelt – wir ärgern uns beide mal, versuchen grundsätzlich aber, Sachen gut zu finden. Einfach abhassen ist auch irgendwie doof.

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen gekommen?

Sophie: "Gemischtes Hack" war leider schon vergeben!

Matthias Kalle: Wir würden gerne erzählen, dass Sophie mich irgendwann angerufen und gesagt hat: 'Jubel!' – und ich dann: 'Krawall!' … aber so war das dann leider nicht. Tatsächlich haben wir uns drei Stunden lang eingeschlossen und einfach Wörter ausprobiert. Nach diesem sehr schmerzvollen Prozess, mit einigen sehr, sehr merkwürdigen Ideen, blieb nur noch "Jubel und Krawall" übrig.

Sophie: Ich habe mal gehört, dass Popmusiker zusammen mit ihren Songwritern auch einfach Nonsens singen, wenn sie den Chorus noch nicht haben – damit es nicht um den Text geht, sondern nur um die Melodie. So waren wir manchmal auch. Wir haben auch manchmal einfach Töne ausprobiert: "Döh-da-eh…". Es war sehr würdelos.

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Matthias: So wie Paul McCartney, als er "Yesterday" geschrieben hat. Er hat zunächst einfach "Scrambled Eggs" gesungen.

Sophie (singt): Scrambled Eggs with the breakfast …

Matthias: Eigentlich wollten wir "Rührei" heißen.

Sophie: Ja, aber das gab leider Probleme mit der veganen Lobby.

Sophie, für dich als Radiomoderatorin ist ein Podcast doch eigentlich wie ein Heimspiel, oder ist das doch etwas anderes?

Sophie: Podcasts haben einfach ganz andere Freiheiten. Radiosender haben mehr Vorgaben: Länge, Musikstücke, Themen, da sind ganze Themenredaktionen drum herum. Das ist auch total logisch. Gerade auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat man einen Informationsauftrag zu erfüllen. Das muss man bei einem Podcast nicht. Es fühlt sich ganz anders an. Mittlerweile mag ich Podcasts sogar fast lieber. Das hat aber mehr mit mir, als mit dem Radio zu tun.

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Was glaubt ihr, wieso alle Podcasts auf einmal wieder für sich entdecken? Eigentlich hatten wir die Phase doch alle schon mal auf unserem iPod durch.

Matthias: Es liegt zum Teil, glaube ich, daran, dass wir in sehr visuellen Zeiten leben. Wir werden überall mit Fotos und Bewegbildern zugeballert. Das konkrete Zuhören von Stimmen, von Menschen, die sich unterhalten, ist wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung.

Sophie: Leute mögen auch das Gefühl, einen Podcast zu entdecken und endlich mal wieder das Bad zu putzen!

Ihr seid ja schon ein eingespieltes Team durch "Die Schaulustigen" – das sind schon zwei Generationen, die da aufeinandertreffen – oder empfindet ihr das gar nicht so als Jung gegen Alt?

Matthias: Schon "Die Schaulustigen" war ja kein Generationenkonflikt-Podcast – und "Jubel & Krawall" wird auch keiner werden. Der Gag ist doch längst auserzählt. Natürlich sehen wir manche Dinge aufgrund des Altersunterschiedes anders, aber allein damit füllt man noch keine Sendung.

Sophie: Als ich mir das erste Mal nach der Podcast-Aufzeichnung einen Aperol-Spritz bestellt habe, gab es einen kurzen Moment, wo ich dachte: 'Oh, das könnte einen Bruch in unserer Beziehung geben!' Matthias trinkt nur Bier, denn er ist ja ein erwachsener Mann. Wir haben da aber einen Kompromiss gefunden und trinken mittlerweile Aperol-Spritz.

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Ich finde es ja ganz erfrischend, dass sich endlich mal jemand in Deutschland traut, Popkultur mit einer Leichtigkeit anzufassen – was meint ihr woher kommt es, dass wir alles einfach immer viel zu ernst sehen und dass für viele Popkultur keine echte Kultur ist?

Matthias: Es gibt ja gewisse Ressentiments gegenüber Unterhaltung, gegenüber allem, was vermeintlich "leicht" scheint. Wir machen keinen Unterschied zwischen einer TV-Show, einem Lied von Billie Eilish' Platte, einem Roman von Stephen King oder dem, was angeblich als "Hochkultur" gilt.

Sophie: Es, fällt eben einfach auch immer leichter, Unterhaltung als banal abzutun, wenn sie nicht gut gemacht ist oder eben auch einfach banal ist. In Deutschland muss man wirklich lange suchen, bis man gutgemachte Unterhaltung findet. Die erfolgreichsten Comedians in den Staaten sind fantastische Typen, die die Welt einordnen, und in Deutschland sind das peinliche Menschen, über die man am liebsten gar nicht reden möchte. Je doofer Unterhaltung ist, desto schwerer fällt es eben auch, sie gut zu reden. Deswegen muss man sich dann einfach umso krasser auf die Sachen stürzen, die ganz toll sind. Es gibt auch in Deutschland großartige Comedians, aber die sind nicht so bekannt und in erster Reihe.

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Ihr redet über Musik, Serien, Comedy, Literatur, das Weltgeschehen – was ist jeweils euer Lieblingsthema?

Matthias: Sophie hat natürlich viel mehr Ahnung von Comedy und amerikanischer Comedy-Tradition als ich. Ich höre ihr aber auch wahnsinnig gerne zu, wenn sie mir diese Dinge erklärt.

Sophie: Matthias erzählt immer gerne von früher. So Dinge von denen er ganz genau weiß, dass ich davon gar keine Ahnung habe – weil das dann auch am meisten Spaß macht. Ich merke dann selber, dass ich vieles einfach nicht kenne. Das habe ich alles vielleicht mal in einer Doku gesehen, aber niemals selbst erlebt. Das ist, glaube ich, sein Steckenpferd – meins ist, über Männer in schmalgeschnittenen Anzügen zu reden, die vor der Kamera in den Staaten über Trump herziehen.

"Jubel & Krawall" kannst du ab dem 9. Juli auf Audible hören – jede Woche gibt es am Donnerstag eine neue Folge, die dich mit allem was du in Sachen Popkultur irgendwie auf dem Schirm haben solltest. Die erste Folge kannst du hier hören.

  • Quelle:
  • Noizz.de