Warum läuft das Nashorn die ganze Zeit im Kreis um eine Pfütze?

Dies ist eine der Fragen, die ich mir stelle, als ich am Wochenende im Berliner Zoo war. Nach dem Besuch meine ich: Die Gehege sind viel zu klein.

Es war ein großer Wunsch meiner Freundin, diesen Stadt-Zoo einmal zu besuchen. Verständlich, schließlich ist er der artenreichste Zoo Deutschlands und die Kindheitserinnerungen aus diversen Zoo-Besuchen schwirrten uns immer noch im Kopf herum.

Das Wetter passte, dem Plan stand nichts mehr im Weg. Wir freuten uns darüber, dass es keine Schlangen am Ticket-Schalter gab und wir entspannt durch die Tore des Zoos schlendern konnten.

Ein Traum für junge Familien

Der Zoo war erwartungsgemäß mit jungen Familien gefüllt. Während die Eltern entspannt ihr Cornetto-Eis schleckten, sah man ihnen die Gelassenheit der angeblich heilen Tier-und-Spielplatz-Welt an.

Die Kinder können hier auf einem riesigen Spielplatz spielen, weit weg von der Straße. Die Eltern können entspannen und alle sind begeistert von den Tieren – und dem Spielplatz.

Wir liefen an einem einsamen Nashorn, einem verwirrt umherlaufenden Tapir und einem sich sonnenden, fetten Schwein vorbei, direkt in den Streichel-Zoo. Die Kinder lieben es die kleinen Ziegen zu füttern und gleichzeitig streicheln zu dürfen. Es schien mir so, als sähen die Ziegen es genau so.

Vogelhaus ist sehr fragwürdig

Soweit so gut. Doch dann liefen wir ins Vogelhaus. Als Kind fand ich diesen Ort spannend. Jetzt fand ich diesen Ort einfach bedrückend.

Wie kann man nur Vögel in ein Haus sperren, das eine Decke hat? Vögel, für die der Himmel ein sicheres Refugium ist, sind hier eingesperrt, um von uns angegafft zu werden.

Ich fing an den Zoo und die ganze kindliche Euphorie in Frage zu stellen. Dieses Gefühl verhärtete sich, als wir das Vogelhaus verließen und bei erdrückender Schwüle, einen Eisbären im offenen Gehege raumlaufen sahen.

Gähnender Eisbär im Berliner Zoo Foto: Paul Zinken / dpa picture alliance

Das einzige Nashorn, das draußen in seinem Gehege stand, lief mit hängendem Kopf im Uhrzeigersinn um eine kleine Pfütze herum. Das war der Punkt, an dem ich mich fragte, wie notwendig ein Zoo überhaupt ist.

Warum gibt es überhaupt Zoos?

Als die Idee für Zoos geboren wurde, hatten die Menschen keinen besonders großen Horizont. Sie kannten einfach noch nicht so viel von der Welt, wie wir heute. Entdecker wie Alexander von Humboldt oder Charles Darwin, waren eine der wenigen Menschen, die ihr Land verließen, um Tiere und Kulturen sehen zu können.

Raubtiere und andere fremde Tiere waren also etwas besonderes. Der Zoo diente der Gesellschaft dazu, zu erkennen, dass die eigene kleine Welt, nur ein Teil eines großen Planeten ist. Ein Zoo war ein horizont-erweiternder Ort.

Heutzutage gibt es zahlreiche Dokumentationen und andere Formen, die Vielfalt der Erdbewohner bestaunen zu können. Es ist immer einfacher an die Orte zu fahren, weltweit, an denen sich die Tiere in der Natur aufhalten.

Ernüchterndes Ende

Kurz vor dem Ausgang steht das Affenhaus. Dort waren die Glaskäfige leer, nur Obstreste lagen auf dem kargen, laborartigen Boden. Die Affen waren wohl draußen.

„Stell dir Mal vor, es wären Menschen in den Käfigen“, sagte meine Freundin wie aus dem Nichts – sie hatte wohl die gleichen Gedanken wie ich.

Als wir durch den Zoo-Laden wieder in die normale Welt ausgespült werden, freute ich mich, draußen zu sein. Mir gefällt die normale Welt lieber in der die Vögel herumfliegen, wie sie wollen.

Quelle: Noizz.de