#MeToo scheint etwas bewirkt zu haben.

Das ist doch mal ein erfreuliches Fazit! Nachdem die #MeToo-Debatte mit der "Nobody’s Doll"-Kampagne schon die Eröffnung der 68. Berlinale geprägt hatte, scheint sie sich nun auch in der Verleihung der Preise niedergeschlagen zu haben. Favoriten wie "Transit" von Christian Petzold und "Dovlatov" von Alexey German Jr., mussten zurückstehen gegenüber Filmen, die im Kontext der #MeToo-Debatte besondere Aktualität haben.

Vier Regisseurinnen waren im Wettbewerb vertreten – eine von ihnen räumte den "Goldene Bären" ab: Die Rumänin Adina Pintilie mit dem radikalen "Touch Me Not". Der semidokumentarischen Film befasst sich sehr explizit mit Weiblichkeit und Körperbildern und schockte mit seiner ziemlich drastischen Intimität die Zuschauer. Einige hatten bei der Premiere sogar das Kino verlassen!

Auch der Große Preis der Jury ging an eine Frau: Mit dem polnischen Beitrag "Twarz" gewann Regisseurin Malgorzata Szumovska einen weiteren Hauptpreis. Der Film beschäftigt sich mit traditionellen Geschlechterrollen, die mit der Rückkehr des Konservativismus und dem Rechtsruck nicht nur in Polen wieder auf dem Vormarsch sind.

Einer der großen Gewinner des Abends war außerdem der Beitrag "Las herederas" aus Paraguay von Marcello Martinessi, der mit dem Alfred Bauer Preis und mit einem Silbernen Bären für Hauptdarstellerin Ana Brun geehrt wurde. Das Besondere: In der Geschichte kommen fast keine männlichen Figuren vor. Der Film erzählt ebenso zurückhaltend wie präzise von einer weiblichen Selbstermächtigung. Im Mittelpunkt steht eine ältere lesbische Frau, die anfängt, eine für sie neue Selbstständigkeit zu lernen, als ihre Partnerin eine Gefängnisstrafe absitzen muss.

Deutschland konnte die internationale Jury in diesem Jahr leider nicht überzeugen – obwohl es viele herausragenden deutschen Beiträge gab. "Transit" ist sozusagen der "Toni Erdmann" dieser Berlinale. Sowohl Regisseur Christian Petzold als auch Hauptdarstelller und Shooting Star Franz Rogowski, hätten eigentlich nicht leer ausgehen dürfen. Kleiner Trost: "Toni Erdmann" hat es auch ihne Preis-Segen zum Filmfestval nach Cannes geschafft. Vielleicht wird es "Transit" ja auch so gehen.

Quelle: Zusammen mit dpa