Frauen werden aber auch dort diskriminiert.

Auf den ersten Blick scheint das einzig relevante Buch in Saudi-Arabien der Koran zu sein. Eine Comic Messe wirkt in dem streng muslimischen Land wie ein Fremdkörper. Und doch findet in der Stadt Dschidda in diesen Tagen die erste Comic Con Saudi-Arabiens statt.

Noch bis Samstag sind Comic-, Superhelden-, Film- und Serienfans eingeladen, die Messe in Dschidda zu besuchen – und das obwohl in dem Land nicht einmal Kinos erlaubt sind.

Natürlich ist die Atmosphäre in Saudi-Arabien eine andere als etwa bei der berühmten Messe in San Diego. Nicht nur, weil hier bunt verkleidete Fans auf vollverschleierte Frauen treffen.

So dürfen die Cosplayer keine „unmoralischen“ oder „unislamischen“ Symbole zur Schau stellen. Und besonders die Cosplayerinnen müssen strenge Regeln befolgen, denn sie dürfen ihre Kostüme nur in extra Bereichen für Frauen anziehen.

Die Regeln wür Cosplayerinnen sind streng Foto: Screenshot / http://www.saudicomiccon.com/

Im öffentlichen Raum gilt für sie wie für alle Frauen im Land eine Kopftuch-Pflicht und ein Make-up-Verbot. Es gibt sogar getrennte Eingänge für Männer und Frauen. In einem Land, in dem Menschen wegen Ehebruch und Drogendelikten hingerichtet werden, wundert einen nichts mehr.

Die Comic Con ist für junge Saudis ein Lichtschimmer

Ob Comic Con oder nicht: Die Diskriminierung der Frau bleibt auch in diesem vergleichsweise liberalen Raum bestehen. Und doch kamen Tausende junge Saudis zur Eröffnung der Messe, denn die Comic Con ist für sie ein Lichtschimmer im sonst so strengen Alltag.

Dass die Veranstaltung offiziell von der saudischen Regierung unterstützt wird, liegt daran, dass das Land mehr Geld in die Unterhaltungsindustrie stecken will. Denn Saudi-Arabien ist ein junges Land: Mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung ist unter 25. Und die gilt es trotz Alkohol- und Kinoverbot zu unterhalten.

Daher wurden auch keine Mühen und Kosten gescheut, um prominente Schauspieler auf die Messe zu holen. Neben den „Game of Thrones“-Darstellern Charles Dance (Tywin Lannister) und Julian Glover (Grand Maester Pycelle) ist auch Mads Mikkelsen („Hannibal“, „Casino Royal“) zu Gast in Dschidda. Bei den zum Teil mittelalterlichen Moralvorstellungen der Saudis ist die Assoziation zu „Game of Thrones“ da gar nicht so verkehrt.

Aber im Ernst: Trotz der rigorosen Zustände in Saudi-Arabien, ist diese Messe ein gutes Zeichen. Denn sie eröffnet der Jugend eine bunte Welt, fernab der strengen Moralvorstellungen. Und später kann es genau diese Jugend sein, die die Weichen für ein liberaleres Saudi-Arabien stellen könnte.

Quelle: Noizz.de