Barbara. möchte lieber anonym bleiben.

Dabei fragen sich inzwischen über 560.000 Facebook-Fans, wer sie eigentlich ist, diese Street-Art-Künstlerin.

Mit Klebezetteln kritisiert sie unsere Gesellschaft. Mal lustig, mal nachdenklich, oft beides, meist in Reimform.

Im Facebook-Interview sagt sie, was ihrer Meinung nach in der Politik gerade gründlich schief läuft, und was sie sich von der Gesellschaft wünscht.

NOIZZ: Hallo Barbara. Was hast Du zuletzt beklebt?

Barbara.: Guten Morgen, Freya. Heute Morgen hab ich ein Plakat an einen Pfosten in Dresden geklebt, auf dem ich anprangere, dass es zu viele Vollpfosten gibt.

Okay. Und wie läuft das dann ab? Siehst Du ein Schild und kommst wieder oder hast Du immer ein paar passende Zettel dabei?

Barbara.: In den meisten Fällen sehe ich etwas, das mich zu einer Reaktion reizt, dann überlege ich, was ich dazu sagen möchte, suche einen Copyshop, die es zum Glück an jeder Straßenecke gibt, und kehre dann zurück, um meinen Zettel oder mein Plakat anzubringen.

Wann hast Du gemerkt, dass Du gerne Dinge beklebst?

Barbara.: Als ich noch ein kleines Kind war, hat mir mein Opa bei einem Spaziergang ein an die Wand gezeichnetes Hakenkreuz gezeigt und mir erklärt, für welche schrecklichen Ereignisse dieses Symbol steht. Er hat vergeblich versucht, es mit Spucke und Taschentuch wegzuwischen, was ihm aber nicht gelungen ist.

Am nächsten Tag bin ich wieder mit ihm zu dieser Stelle gelaufen und ich hatte ein Stück Papier dabei, auf das ich eine lachende Sonne gemalt hatte. Das habe ich mit Tesafilm über das Hakenkreuz geklebt. Daraufhin hat mich mein Opa sehr gelobt und er hat sogar gelächelt, was er sonst leider sehr wenig getan hat, weil er mit dem Trauma des Zweiten Weltkrieges nie fertig geworden ist und lange Zeit sehr verbittert lebte.

Dieses Lächeln hat mich motiviert, es hat sich in mein Herz eingebrannt, weil ich erkannt habe, dass ich mit kleinen Mitteln etwas Gutes vollbracht habe. Aus diesem Erlebnis schöpfe ich noch heute Motivation und klebe meine kleinen Botschaften in den öffentlichen Raum, vor allem, wenn ich fremdenfeindliche oder diskriminierende Werbung, Schilder, Plakate oder sonstiges entdecke.

Es ist mein Weg, mich spielerisch in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Es macht mir unendlich viel Spaß.

Wer oder was inspiriert Dich?

Barbara.: Ich lasse mich vom Leben inspirieren, gehe mit offenen Augen durch die Welt.

Du hast doppelt so viele Facebook-Fans wie SPD Kanzler-Kandidat Martin Schulz. Was würde auf Deinem Wahlplakat stehen?

Barbara.: Ich hatte mal ein Wahlplakat zu meinen Gunsten umgestaltet, so ungefähr würde das dann wohl aussehen, vielleicht noch ergänzt mit der Forderung nach der Legalisierung von Marihuana:

Wie würdest Du Deine Partei nennen?

Barbara.: Ich möchte keine Partei gründen, ich bin Künstlerin.

Ich verstehe. Was läuft Deiner Meinung nach in der Politik gerade nicht so gut?

Barbara.: Es laufen natürlich immer Dinge schief, nicht nur zur Zeit, aber dass die mächtigsten Politiker dieser Welt, allen voran Donald Trump, die offensichtliche Lüge zu einem omnipräsenten politischen Instrument machen, das ist wirklich katastrophal. Gelogen wurde zwar schon immer, aber nicht in diesen Dimensionen.

Du hast auch viele Fans aus den USA und Großbritannien. Möchtest Du durch Deine Schilder verhindern, dass so ein Rechtsruck auch hier bei uns passiert, indem Du die Leute wachrüttelst und vielleicht auch sensibilisierst?

Barbara.: Ich stehe für eine offene und tolerante Gesellschaft ein und erhebe meine kleine Stimme gegen fremdenfeindliche, rassistische und diskriminierende Strömungen. In Deutschland versucht die AfD einen Keil zwischen Menschen zu treiben und Angst vor allem Fremden zu schüren, deswegen habe ich mich in vielen Aktionen gegen die AfD ausgesprochen und werde das auch weiterhin machen.

Cornelsen hat Dich inzwischen sogar in ein Schulbuch aufgenommen. Erreicht und begeistert man so junge Leute für Politik?

Barbara.: Ich wünsche mir insgesamt mehr Diskussionen über gesellschaftliche und politische Themen. Das gilt für den Bereich Bildung genauso wie für Kunst und Unterhaltung. Durch die enorme Zunahme der Rechtspopulisten sind viele Leute aufgewacht, verlassen ihre Komfortzone und mischen sich wieder ein. Gerade auch die jungen Leute.

Es geht wieder um etwas, es gilt die Freiheit und die Toleranz zu verteidigen, von der wir alle im Alltag profitieren. Wer Freunde mit Migrationshintergrund hat, kann es einfach nicht ertragen, dass diese Freunde von ewiggestrigen Nationalisten ausgegrenzt werden sollen.

*es gilt die Freiheit, Toleranz UND VIELFÄLTIGKEIT zu verteidigen ...

Hast Du ein Ziel? Was möchtest Du langfristig errreichen?

Barbara.: In erster Linie geht es mir darum, mich künstlerisch auszudrücken und mich spielerisch in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Ich möchte mir die Freude an meiner Arbeit möglichst lange erhalten, das ist mein langfristiges Ziel.

Quelle: Noizz.de