Alle lieben sie unsere Wiesn!

Jedes Jahr Ende September zieht es Hunderttausende Touristen und noch mehr Deutsche auf die Theresienwiese in München. Denn dort findet alljährlich das beliebteste Saufgelage Europas statt.

Das Oktoberfest findet 2018 schon zum 185. Mal in München statt. Kaum verwunderlich, schließlich ziehen Lockmittel wie Alkohol und schöne Madl und stramme Burschen in Lederhosen einfach immer. Doch nicht nur in Deutschland finden sich Saufwütige jedes Jahr aufs Neue auf dem Oktoberfest ein. Denn das riesige Volksfest ist ein mega Exportschlager.

So feiert die brasilianische Stadt Blumenau bereits seit Mitte der Achtziger ihr eigenes Oktoberfest – so traditionell, wie es nur in Südamerika geht. Denn die Stadt mit 350.000 Einwohnern ist wohl einer der deutschesten Orte in Brasilien. Unter der Leitung des Apothekers Hermann Blumenau wurde die Stadt als deutsche Kolonie gegründet. Deshalb sind die deutschen Wurzeln in der Kultur hier tief verwurzelt.

Obwohl Portugiesisch mittlerweile die Amtssprache ist, wird von vielen älteren Menschen weiterhin Deutsch geredet. 1984 wurde dann das Blumenauer Oktoberfest gegründet, zunächst als Spendenaktion nach einer Überschwemmung. Doch das deutsche Fest erfreute sich so großer Beliebtheit, dass Brasilianer nun jedes Jahr auf eine Maß nach Blumenau kommen können.

Neben den traditionellen Verköstigungen wie Bier und Brezn wurden in den letzten Jahren sogar Fachwerkhäuser gebaut, die der ganzen Stadt einen urdeutschen Flair verpassten. 600.000 Besucher zieht das brasilianische Oktoberfest jedes Jahr nach Blumenau. 18 Tage lang kann dort ausgiebig gebechert werden – 2012 flossen auf dem brasilianisch-bayerischen Volksfest insgesamt stolze 650.000 Liter Bier.

Das größte Oktoberfest Nordamerikas finden trinkfeste Deutsche auf Reisen dagegen in Kanada. Das „Kitchener Waterloo Oktoberfest“ lockt jedes Jahr bis zu 800.000 Besucher aus aller Welt an. Seit 45 Jahren wird das Bierfest in der Provinz Ontario von deutschen Einwanderern auf die Beine gestellt. Eine Woche lang genießen Mounties, also Kanadas Reiter bei der Königlich-Kanadischen Polizei sowie die Anwohner Sauerkraut und Sausages ganz so, wie in der bayrischen Landeshauptstadt München.

Selbst die Chinesen sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen und haben sich ihre eigene Wiesn nach Fernost geholt. Das „Qingdao International Beer Festival“ ist doch tatsächlich das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. Drei bis vier Millionen Bierliebhaber finden jährlich ihren Weg nach Qingdao – nur das Original lockt noch mehr Besucher in seine Bierzelte. Drei Wochen lang findet das Bierfestival im August statt. Gefeiert wird vor allem „der Nektar der Götter“, wie die offizielle Webseite das deutsche Bier anpreist.

Das Oktoberfest in China ist – genauso wie eine etwas kleinere Variante in Afrika – durch die deutschen Einflüsse aus der Kolonialzeit entstanden.

Selbst im über 164 Flugstunden entfernten Namibia findet man nämlich ein Bierfest, das dem Münchner Original nacheifert. Bis zu eine halbe Million Afrikaner und Touristen genießen jedes Jahr auf dem „Windhoek Oktoberfest“ deutsche Traditionen wie Maßkrugstemmen.

Auch in der Millionen-Metropole Tokio findet Jahr für Jahr eine Art Wiesn statt. Doch anders als bei anderen internationalen Abklatschen wird das Oktoberfest in Japan als Teambuilding großer Unternehmen benutzt. Den rund 1.000 Besuchern soll durch das traditionelle Volksfest die deutsche Kultur näher gebracht werden.

Das soll für die Geschäftsbeziehungen zwischen Japan und Deutschland förderlich sein.

Quelle: Noizz.de