Sie heißt Mary Prince und wäre heute 230 Jahre alt geworden.

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht Google benutzen und nicht selten wundern wir uns über die teils witzigen, teils aber auch ziemlich ernsten Doodles. Doodle? Das sind die besonderen Inhalte, die an speziellen Jahres- oder Gedenktagen über das „Google“-Logo auf der Starseite gestellt werden. Heute zeigt das Doodle eine schwarze Frau, die mit einem Buch in der Hand einen Strand entlang spaziert.

Was es damit auf sich hat?

Damit ehrt der Suchmaschinen-Gigant die Schriftstellerin Mary Prince. Die wäre heute 230 Jahre alt geworden. Was? Noch nie von ihr gehört? Eigentlich schade, aber so geht es vielen. Dabei ist Mary Prince eine der krassesten Frauen der Zeitgeschichte – und ihre Schriften hinterlassen noch heute ihre Spuren.

Die Kurzfassung ihrer unglaublichen Lebensgeschichte:

Ihre Autobiografie trug unter anderem dazu bei, dass die Sklaverei in den britischen Kolonien abgeschafft wurde. Wenn's sonst nichts ist ... der Weg dahin war für die Frau, die 1788 auf den Bermudas geboren wurde, alles andere als easy.

Mary und ihre beiden Schwestern wurden im Laufe ihres Lebens mehrmals als Sklavinnen verkauft. Ihre einprägsamen und oft auch grausamen Erfahrungen schrieb sie auf: „The History of Mary Prince“ erschien 1831. Es wurde noch zu ihren Lebzeiten ein Bestseller.

Und das war gar nicht so selbstverständlich in der damaligen Zeit: Erstens waren Frauen als Autoren verpönt, viele veröffentlichten unter einem männlichen Pseudonym. Zweitens bekannte sie sich in ihrem Buch offen dazu, eine schwarze Sklavin zu sein. Die wurden damals aber, gerade im britischen Königreich und Empire, als Menschen zweiter Klasse betrachtet. „Wieso sollte man bitte etwas von einer Sklaven-Frau lesen?“, ging damals sicherlich einigen ihrer potenziellen Leser durch den Kopf.

Aber Mary Prince ging ihren Weg. Liegt vielleicht auch an den krassen Geschichten, die sie publik machte. Auf einmal erscheint Tarantinos „Django Unchained“ gar nicht so irrealistisch. 1826 heiratete Mary Prince ihren Mann Daniel James, der es geschafft hatte, sich aus der Sklaverei freizukaufen.

Für ihre freie Liebes-Heirat wurde das Paar jedoch bestraft und getrennt. Mary musste mit ihrer Familie nach Großbritannien ziehen, ihr Ehemann blieb auf Bermuda zurück. In Großbritannien war die Sklaverei zwar offiziell abgeschafft – wäre sie jedoch wieder zu ihrem Ehemann zurückgekehrt, wäre sie sofort wieder versklavt worden. Deswegen schrieb sie ihr Buch. Dort heißt es etwa:

Ihre Erzählungen waren eine Sensation: Keiner der Briten konnte sich vorstellen, was es wirklich bedeutet, eine Sklavin zu sein. Zwei Jahre nachdem sie ihr Buch veröffentlicht hatte, trat der „Slavery Abolition Act“ in Kraft, der bewirkte, dass die Sklaverei im gesamten britischen Kolonialreich abgeschafft wurde. Damals mussten mehr als 800.000 Menschen Sklavendienste tätigen – und waren dann frei. Eine Geschichte, die wohl nur wenige kennen. Dank Google kennen sie jetzt wohl einige Menschen mehr.

Quelle: Noizz.de