Tim Bendzko, Philipp Poisel – und jetzt „Faber”?

Noizz hat sich mal angehört, ob man den jungen Mann wirklich kennen muss, um mitreden zu können. Deutsche Singer-Songwriter gehen in den letzten Jahren durch die Decke. Charts, Eurovision-Songcontest, Teenie-Idole.

Aber – gibt's da draußen mit Faber wirklich mal was Neues? Medien betiteln ihn nämlich schon als Schweizer Hype. Wir haben reingehört und sagen euch, ob wirklich was dran ist.

Erste Erkenntis: Begrüßung in seinem Video „Bleib dir nicht treu” erst mal auf Schweizererdeutsch – der Song dann zum Glück nicht.

Der Typ – dunkle Hipster-Locke, weißes Hemd – hält seine Gitarre. Man kauft's ihm ab, Text und Leidenschaft. Die Melodie des Songs geht leider nicht so ganz ins Ohr. Faber schreit laut, dass man sich nicht „treu bleiben soll und möglichst keine Regeln befolgt”. Na ja, irgendwie haut es einen nicht vom Hocker.

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Faber selbst, der eigentlilch Julian Pollina heißt und seit seiner Kindheit Musik macht, wirkt ein bisschen wie ein depressiver, alleingelassener und streunernder Hund. Er ist Anfang 20 und singt gern übers Ficken, Scheitern und Verlassen. Aber zum Glück nicht nur ...

Zweiter Versuch: Wir hören jetzt das bestgeklickte und crowgefundete Debüt „Alles Gute”. Ja, bessere Melodie, die ins Ohr geht.

Eine zarte, tiefe Stimme durchdringt einen, aber ohne zu schreien. Er hat einen Touch von Bosse, und die Gitarre läuft gut mit. Dann, nach Minute eins: Tamborin und Posaune.

Puhhh, klingt stark nach der Band „Beirut” – nur eben auf Deutsch. Aber der Song macht trotzdem Spaß.

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Der Clou an Faber: Seine Texte sind nicht kitschig oder romantisch, im Gegenteil, eher sarkastisch.

Mit „Bleib dir nicht treu” nimmt er den Narzissmus auf die Schippe. In „Alles Gute” singt Faber: „Wenn du dann am Boden bist, weißt du, wo du hingehörst.” Der Song handelt von Selbstbefriedigung, dem Alleinsein und davon, dass es „uns allen” nicht viel besser geht. Wohl bezogen auf unsere Generation – traurig, aber durchaus treffend.

In „Wem du es heute kannst besorgen” steigt Faber mit der Zeile ein: „Es ist so schön, dass es mich gibt. Es ist so schön, dass du mich triffst.” Provokant, selbstironisch aber auch einfach gut! In den YouTube-Kommentaren wird er ordentlich gefeiert.

Fazit: Von Tim Bendzko und Philipp Poisel hat Faber nicht sonderlich viel, bis auf den deutschen Text. Ohrwurm-Charakter und Chart-Tauglichkeit fehlen, aber das macht Faber sympatisch.

Kein Gesäusel, keine Pop-Produktion, ehrliche Texte und bemerkenswerte Lyrik.

  • Quelle:
  • Noizz.de