Trumps Richterkandidat wird der sexuellen Belästigung beschuldigt.

In den letzten Tagen ist wohl kaum ein Name in den Nachrichten so oft gefallen wie der von Brett Kavanaugh. Der Richter wurde von Präsident Donald Trump als neuer Richter für den Supreme Court, das oberste Gericht der USA, vorgeschlagen. Er könnte damit einen von nur neun Plätzen dort ergattern. Die Nominierung ist auf Lebenszeit.

Der aktuelle Auswahlprozess ist besonders entscheidend, da Kavanaugh den sogenannten “Swing Seat” bekommen würde. Denn momentan gibt es im Supreme Court vier liberale und vier konservative Richter, deshalb könnte Brett Kavanugh das Zünglein an der Waage sein – und viele wichtige Entscheidungen treffen. (Er wird von vielen Medien übrigens als eher konservativ eingeschätzt.)

Kurz nach der Nominierung vor wenigen Wochen schien zunächst alles seiner Wege zu gehen, bis Psychologieprofessorin Dr. Christine Blasey Ford in die Öffentlichkeit trat und den 53-Jährigen der sexuellen Belästigung beschuldigte. Während ihrer Teenie-Zeit soll Kavanaugh Dr. Ford auf einer Party in Maryland im kleinen Kreis belästigt haben.

Gemeinsam mit einem weiteren möglichen Täter namens Mark Judge soll er die damals 15-Jährige in ein Zimmer geschubst und die Tür verschlossen haben. Danach habe Kavanaugh sie aufs Bett gedrückt und begrapscht. Vor fünf Tagen wurden Dr. Ford und Brett Kavanaugh zur Anhörung vor den Justizausschuss des Senats geladen. Das emotionale Eröffnungsstatement Fords, sowie die wütende Verteidigung des Supreme-Court-Kandidaten gingen seitdem um die Welt. Und auch die Populärkultur reagiert – und stellt sich eindeutig auf die Seite der Anklägerin.

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Eine der wohl krassesten Reaktionen ist ein Cartoon der kanadischen Zeitung Chronicle-Herald, der am vergangenen Samstag erschien.

Die Karikatur zeigt Justitia, das Symbol des Rechts, die von einem unbekannten Mann im Anzug auf ein Bett gedrückt wird. An den Ärmeln prangert das Symbol der Republikanischen Partei, wohl eine Anspielung darauf, dass die meisten Republikanischen Senatoren trotz der emotionalen Anhörung weiterhin Pro-Kavanaugh sind. Genauso wie von Dr. Ford beschrieben wird auch Justitia der Mund zugehalten, um Schreie und Hilferufe während des Angriffs zu verhindern. Die Psychologieprofessorin gab in ihrem Statement an, dass sie Angst hatte, Kavanaugh würde sie aus Versehen ersticken.

Einen weniger krassen und trotzdem medienwirksamen Ansatz fuhr „Saturday Night Life“. Die legendäre Late-Night-Show engagierte Matt Damon, um in einem Sketch den angeklagten Brett Kavanaugh zu verkörpern. Besonders über den angeblich hohen Bierkonsum und die wütende, emotionale Verteidigung des Richters vor dem Justizausschuss machte sich der Hollywood-Star lustig.

Doch nicht nur in großen Magazinen oder TV-Shows schlägt der Fall Kavanaugh große Wellen. So hat zum Beispiel die Beautymarke Lipslut einen Lippenstift mit dem Namen “Fuck Kavanaugh” rausgebracht. Von dem Verkauf des 20-Dollar-Lippenstiftes gehen bis zum 7. Oktober 100 Prozent des Erlöses an vier gemeinnützige Organisationen die sich gegen sexuelle Gewalt an Frauen einsetzen. Nach dem Aktionszeitraum gehen dann noch immer 50 Prozent an den guten Zweck. Kavanaugh ist sogar auf der Verpackung zu sehen ist. Auch Trump wurde übrigens schon ein Lippenstift gewidmet.

Wieder eine andere Art des Protests gegen die Nominierung von Brett Kavanaugh zeigt die Hobbybäckerin „The Sweet Feminist“ bei Instagram. Sie drückt ihren Unmut mit einem köstlichen Kuchen aus, auf dem in gelbem Zuckerguss geschrieben steht: “Kavanaugh ist kein Opfer”. Die 5.000 Likes für den Post sprechen wohl für sich.

There’s so much to say about today that I honestly am not even sure where to start. Dr. Ford addressed the committee with a truly astounding level of strength, courage, patience, and steadiness. With absolutely nothing to gain, she did something unimaginable - relived and retold the story of her assault in front of the entire country. She is the definition of a hero and a patriot, and I will remember her bravery forever. On the other hand - Brett Kavanaugh showed himself as an entitled, petulant, misogynistic, rage-filled pile of garbage. He can keep his crocodile tears - we all saw the rage simmering underneath. As much as he tried to portray himself as a victim, here is your reality check that he is absolutely not one. Having women friends, playing sports, lifting weights, keeping a calendar, going to Yale law school, having daughters, being married, and coaching a basketball team DO NOT IN ANY WAY PROVE THAT YOU ARE NOT AN ABUSER. Dr. Ford’s experience and Brett Kavanaugh’s experience are not equal. Brett Kavanaugh assaulted Dr. Ford. He is not a victim. He is an abuser. He is a liar. And don’t even get me started on the vomit inducing grandstanding and blustering of literally all of the Republicans on the judiciary committee. They know that Dr. Ford’s testimony is true - they just don’t care. I’m of the opinion that if you can’t get through the day without having an epic meltdown when you feel that the patriarchy is being threatened (ahem Lindsey Graham), you shouldn’t be allowed to keep your job, or be appointed to a new one. Thank you Dr. Ford. You are incredible. #thesweetfeminist

Nach der Anhörung vor dem Justizausschuss des amerikanischen Senats stimmte der Ausschuss übrigens dafür, dass die Nominierung von Kavanaugh in die nächste Runde geht. Elf zu zehn stimmten die anwesenden 21 Senatoren dafür. Den größten Einfluss hatte dabei der republikanische Senator Flake aus Arizona. Er stimmte zwar für Brett Kavanaugh, allerdings mit der Bedingung, dass der Fall eine Woche lang von dem FBI untersucht wird. Mittlerweile stehen weitere ähnliche Anschuldigungen gegen den Richter im Raum – ob diese allerdings auch beleuchtet werden, ist unklar.

Diese investigative Suche ist momentan in vollem Gange, wobei Gerüchte kursieren die besagen der amerikanische Geheimdienst habe keine volle Freiheit. Präsident Trump habe angeblich angeordnet, dass die Untersuchung nur gewisse Zeugen untersuchen soll. Auf Twitter dementierte Trump das Ganze jedoch.

Sobald die FBI-Ergebnisse vorliegen, wird es wahrscheinlich sofort mit dem nächsten Schritt der Kavanaugh-Nominierung weitergehen. Dabei stimmen alle 100 Mitglieder des Senats über die Ernennung des 53-Jährigen ab. Momentan befinden sich im Senat 51 Republikaner und 49 Demokraten. Davon haben sich fünf Senatoren bisher nicht öffentlich für oder gegen den Kandidaten entschieden. Es ist also noch alles offen. Sollte Kavanaugh mit absoluter Mehrheit abgelehnt werden, wird ein neuer Kandidat vorgeschlagen.

Quelle: Noizz.de