Wir erklären dir die neue Nummer 1 der Single-Charts!

Fast 200 Millionen Views für ihren größten Hit sind nur eine Zahl. Viel wichtiger: Sie ist die erste Solo-Rapperin seit 19 Jahren, die Platz 1 der Billboard-Charts erreicht hat. Und damit die unwahrscheinlichste Überraschung des HipHop-Jahres 2017. Belcalis Almanzar aka Cardi B hat dieses Kunststück nach vorher gerade zwei Mixtapes geschafft. Aber wie hat sie das gemacht und wer ist sie eigentlich?

Am 11. Oktober 1992 wird Almanzar als Tocher eines dominikanischen Vaters und einer Mutter aus Trinidad mitten in der Bronx geboren, wo sie aufwächst. Im vielleicht härtesten Bezirk New Yorks wird sie – laut eigener Aussage – mit 16 Jahren Mitglied der berüchtigten Bloods, einer der bekanntesten Gangs der Welt. Mit 19 Jahren trifft sie die erste wichtige berufliche Entscheidung ihres Lebens: Sie beginnt mit dem Strippen.

Keine Geheimnisse

Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut, sondern eher zelebriert. Nicht selten nimmt sie in ihren Raps Rückbezuge auf die Poledance-Vergangenheit. Mit diesem Job konnte sie Armut und häuslicher Gewalt in ihrer Beziehung entkommen. Äußerlich verändert sie sich und versucht, ihre weiblichen Reize künstlich in den Vordergrund zu stellen – Brustimplante und Arschvergrößerung sind kein Geheimnis. Bei Cardi B muss man selten spekulieren. Allgemein nicht gerade auf den Mund gefallen, geht sie mit jedem Teil ihrer Vergangenheit offen um.

Gangsta Bitch Music

Ein erstes musikalisches Ausrufezeichen setzt sie zusammen mit Popcaan auf einem Shaggy-Remix von „Boom Boom“. Kurze Zeit später veröffentlicht sie mit „Cheap Ass Weave“ ihr erstes eigenes Video, mit „Gangsta Bitch Music, Vol. 1“ ihr erstes Mixtape, von dem es mittlerweile auch einen zweiten Teil gibt.

Trotz ihrer unbestreitbaren Rap-Qualitäten ist Cardi B aber vor allem eine auffallende Persönlichkeit. Ihre schonungslose Offenheit, ihr Slang und ihr offener, selbstbestimmter Umgang mit Sexualität machen sie als Mensch greifbar. Getreu dem Motto: Lieb's oder lass es.

Social-Media-Ghetto-Superstar

So wird sie in der Serie „Love & Hip Hop: New York“, einer Art coolen Version von „Berlin – Tag & Nacht“ auf VH1, ab 2015 zu einem Liebling der amerikanischen TV-Zuschauer. Per Fame-Multiplikator Instagram und (Trash-)Fernsehen wird sie so schon zum Star, bevor Atlantic Records sie im Februar 2017 unter Vertrag nimmt. Auch Partnerschaften mit M.A.C und Marc Jacobs steuern ihren Teil zum Hype bei.

Vorläufiger Höhepunkt dieser Geschichte vom (strippenden) Tellerwäscher zum Millionär: Die Single „Bodak Yellow“ stößt Taylor Swifts „Look What You Made Me Do“ von der Spitze der Charts und macht Cardi B zur ersten Solo-Rapperin an der Chartspitze seit „Doo Wop (That Thing)“ von Lauryn Hill im Jahre 1998. Die New York Times spricht gar von der „Rap-Hymne des Sommers“, und der Fernsehersender BET nominiert sie bei den Hip-Hop-Awards für sage und schreibe neun Awards. Vollkommen egal ist dabei, dass sie ihren Flow – darauf weißt auch der Titel hin – fast komplett von Kodak Black übernommen hat.

US only

Und überhaupt: Das alles ändert wenig daran, dass sie in Deutschland noch kaum jemand kennt und sich das eventuell auch nicht ändern wird. Die Art von Social-Media-Präsenz, der NY-Slang, die amerikanischste aller Geschichten: Das macht sie in ihrem Heimatland zu der unwahrscheinlichsten Nummer-Eins-Künstlerin überhaupt. Um das zu verstehen, ist Deutschland vielleicht doch zu sehr Land der begrenzten Möglichkeiten.

Quelle: Noizz.de