Warum Veränderung keinen Spaß macht ...

Wir sind Christen in Deutschland, jawoll. Wir trinken Bier, lieben Fußball, lieben den richtigen Gott. Sonst tun wir nichts für unseren Glauben. Weihnachten gehen wir sogar in die Kirche, Kirchensteuer ist trotzdem zu banal. Und ach, unsere christlichen Werte, toll, toll, toll. Die gibt es ansonsten in keinem Kulturkreis. Besonders nicht im Islam. Religionsparadies Deutschland.

Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes „INSA“ sprechen sich jedoch 70 Prozent der Umfrageteilnehmer in Deutschland gegen einen muslimischen Feiertag aus, nur 7,7 Prozent sind dafür. Egalité, Liberté, Fraternité. Deutschland, du Land der Freiheit.

Kein Wunder also, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für seinen Vorschlag, einen muslimischen Feiertag einzuführen, auch aus der eigenen Partei Gegenwind erhielt. Selbst bei den „Grünen“ sind nur 20 Prozent dafür.

Nennt Argumente!

Doch was spricht rational dagegen? Was spricht für die „German Angst“? Schaffen wir unsere christlichen Wurzeln etwa dadurch ab, dass auch anderen Religionen die gleichen Rechte eingeräumt werden? Befinden wir uns auf dem Weg ins Kaliphat, weil unser muslimischer Nachbar einen freien Tag mehr hätte? Als könnten wir mit Sicherheit sagen, dass der Nachbar wirklich Muslim ist.

In Wahrheit ist es schlichtweg Panik, Angst, Unwissen. Die Furcht vor dem Unbekannten, die Angst vor dem Islamismus, die in dieser Diskussion völlig obsolet ist. Und so ändert sich nichts am felsenfesten Starrsinn mit dem manche Menschen durch die Welt gehen.

Eine rhetorische Frage an die Christen: Was wird Pfingsten gefeiert? Na? Natürlich weiß das kaum einer mehr. Die freien Tage werden aber trotzdem dankend angenommen. Es sind ja auch so viele, juchee. Mindestens neun. Also raus, schwimmen im See und dazu einen leckeren Döner von nebenan verspeisen.

Wir sind ja ein so christliches Land, basierend auf christlichen Werten und christlicher Erziehung. Und mit DEUTSCHEM Essen. Und wir brauchen die wichtigen gesetzlichen Feiertage, schließlich will Gott ja auch gefeiert werden.

Ende 2016 gehörten jedenfalls 45,5 Millionen Deutsche der katholischen oder evangelischen Kirche an. Inklusive der orthodoxen Kirche und kleinerer Kirchen sind in Deutschland stolze 58,3 Prozent christlich organisiert. Also die Mehrheit, und die darf jawohl über alles andere bestimmen. SO! Wie viele davon regelmäßig in die Kirche gehen?

Der Islam gehört zu Deutschland

In Deutschland leben hingegen lediglich zwischen 4,4 bis 4,7 Millionen Muslime (Stand: 31. Dezember 2015). Das ergibt für Deutschland einen prozentualen Anteil von 5,4 bis 5,7 Prozent. Wenig?

Stellt euch doch einfach mal das Berliner Olympiastadion vor, es hat 74.000 Sitzplätze. Abgesehen davon, dass das Stadion ohnehin meistens nicht voll ist, wären das bei einem ausverkauften Spiel solide 3.700 Menschen. Eine solche Lücke ist schon wahrnehmbar. Oder etwa nicht? Und wir sprechen von Berlin. Höchstwahrscheinlich würden mehr Plätze unbesetzt bleiben. Auch eine Minderheit kann eben ein elementarer Bestandtteil des großen Ganzen sein.

Der Islam gehört also zu Deutschland, allein quantitativ, in Zahlen, statistisch erwiesen. Die Geisteshaltung „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, und deshalb brauchen wir keinen muslimischen Feiertag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als hanebüchener Schwachsinn!

Indem wir trotzdem das Gegenteil der Realität behaupten, wird diese Fiktion nicht realer. Vielleicht aber in den Köpfen derer, die am Ende wieder in den sozialen Medien herumschreien, wie viele Ausländer doch auf der Straße sind. Oha, nun sind es also doch viele? Aber die Falschen? Oder die Richtigen? Wä?

Indem nun 70 Prozent der Deutschen von der Fiktion „Der Islam ist nicht Deutsch“ angetan zu sein scheinen, offenbaren wir ein riesiges Diskriminierungs-Problem. „Wir“ (wer ist das eigentlich?) als Mehrheit bestimmen über die Relevanz der Minderheit. Vielleicht ist Deutschland doch konservativer als es zugeben will?

Für einen Feiertag

Also gebt den Muslimen in Deutschland doch einfach einen Feiertag. Mir ist es völlig egal, welcher Gott gefeiert wird. Solange jeder in Deutschland das gleiche Recht auf die freie Ausübung seiner Religion hat. Schließlich ist nicht die Bibel unsere Verfassung, sondern das verdammte christlich geprägte Grundgesetz. Inklusive Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Gleichstellung. Einfach mal lesen! Deutschland ist nun einmal kein homogenes Land (mehr), wir sind seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland, das sich als „Melting Pot“ verstehen sollte. Das ist die verdammte Realität!

Es wird sich für die Bürger durch die Einführung eines islamischen Feiertages nichts ändern, fast nichts. Das Christentum bleibt unangetastet, Döner wird nicht autormatisch Leitkultur, keine weitere Amtssprache hinzugefügt. Nur eine Sache ändert sich: Wir akzeptieren endlich die Fakten, die Realität. Der Islam gehört zu Deutschland! Auch wenn es nicht alle einsehen wollen.

Quelle: Noizz.de