Die Freiluft-Ausstellung besteht aus 30 Street Art Werken.

Die Farbe blättert langsam ab und verblasst, Unbekannte haben das Bild mit Graffiti übersprüht. Trotzdem erkennt man noch gut, wie der dicke alte Baum mit Gesicht seine kahlen Äste in alle Richtungen streckt. "Der Weltbaum von Ben Wagin nahe der S-Bahnstation Tiergarten gehört zu den ältesten Wandmalereien Berlins, das Mural gibt es schon seit 1975" erklärt Carolin Eickhoff enthusiastisch. Sie ist ein großer Street-Art-Fan und bietet seit einigen Jahren Führungen in der Hauptstadt an.

"Insane 51" Foto: Andreas Rossbach

Über 40 Jahre später präsentiert sich Berlin neben New York und London als vielfältige Street Art Metropole. Am Streetart-Hype kommt man in Berlin kaum noch vorbei. Junge Künstler haben zusammen mit Wagins den Weltbaum umgepflanzt, er strahlt jetzt in neuer Frische auf einer Hausfassade an der Lehrter Straße 27–30 in Moabit. Erst letztes Jahr eröffnete das Streetart-Museum Urban Nation und kurz danach sorgten die Ausstellungen THE HAUS und Wandelism in Berlin für große Aufmerksamkeit. Doch damit nicht genug: Im Mai diesen Jahres findet das Berlin Mural Fest statt, Berlins erstes Festival für Street Art. "Das weltweit größte Mural Festival ever" und "Nackenstarre garantiert", versprechen die Organisatoren bei Facebook.

Street Art von Tasso Foto: Andreas Rossbach

"Street Art ist eine der wichtigsten Kunstrichtungen der Gegenwart" versichert mir ein prominenter Berliner Street-Art-Künstler, der lieber anonym bleiben will. Er wolle lieber in der Anonymität bleiben, um sich weiterhin frei bewegen zu können. In der  Street-Art-Szene ist er damit nicht alleine. Auch die Künstlerin "Barbara", die in Berlin für ihre kritischen Plakate bekannt ist bleibt lieber anonym.

Bis Mitte Mai diesen Jahres bemalten, besprühten und bepinselten Streetartists aus aller Welt insgesamt 30 Hausfassaden im gesamten Stadtgebiet und machten die Hauptstadt im Rahmen des Mural Festivals ein bisschen bunter. Dabei fällt auf: Die Street-Art-Szene wird eindeutig von Männern dominiert.

"El Bocho" Foto: Andreas Rossbach

Die New Yorker Künstlerin ELLE fasst das Problem so zusammen: "Ich glaube, der Grund, warum es weniger weibliche Street Artists gibt, liegt darin, dass der Gedanke, dass bestimmte Dinge nur für Männer bestimmt sind, zu tief in den Köpfen der Gesellschaft verankert ist." Als sie erwachsen genug war, um das zu verstehen, wurde es zum Ansporn für sie, ein Vorbild für jüngere Frauen zu werden.

Ein Werk der Künstlerin Elle Foto: Andreas Rossbach

Mit am Start beim Mural Fest in Berlin waren auch die bekannte polnische Künstlerin Natalia Rak, ein junger Künstler namens Insane51 aus Athen und die Berliner Klebebande.  Sowie viele andere KünstlerInnen, die sich mit ihrer ganz eigenen Handschrift in die Geschichte der Stadt einschreiben. Manche bleiben dabei lieber anonym und bewegen sich im Underground nach dem Motto "Fuck the system", andere genießen das Rampenlicht, geben Interviews, sind aktiv bei Social Media unterwegs. Manche gestalten sogar Werbekampagnen von großen Unternehmen.

Da die Kunstwerke so weit oben sind, benötigen die Künstler eine Art Kran Foto: Andreas Rossbach

Hinter dem Festival mit Höhepunkt am Pfingstwochenende stecken DIE DIXONS, ein Berliner Sprayer-Kollektiv. Sie stecken - gemeinsam mit dem Urban Art Verein Berlin Art Bang e.V. - auch hinter der legendären Graffiti-Show THE HAUS in der Nürnberger Straße.

Praktisch: Es gibt eine App mit exklusiven Infos zu allen neuen Wandmalereien, die im Rahmen des Festival in der City entstanden sind. Die kann man bequem downloaden und sich zu den verschiedenen Murals navigieren lassen. Das Sahnehäubchen der App: Man kann die Festival-Murals scannen und so Making-ofs und anderen exklusiven Shizzle freischalten.

Auf der Webseite des Berlin Mural Fest 2018 findet ihr alle Touren und könnt euch die passende aussuchen. Dort findet ihr auch eine Map zum Ausdrucken mit allen 20 Murals. Einen Vorgeschmack zum Festival gibt's heute auf unserem Instagram-Account.

Quelle: Noizz.de