Sexy Klamotten = Freifahrtschein?

Ich habe viel über den Hashtag #metoo nachgedacht, der seit dem Skandal um Hollywood-Regisseur Harvey Weinstein von Tausenden Frauen gepostet wurde. Frauen, die damit sagen wollen: „Ich habe auch schon Sexismus erlebt.“

Ich habe überlegt, ob ich auch das Recht habe „Mee too“ zu sagen und wer dieses Recht überhaupt hat. Ich habe überlegt, was Sexismus eigentlich bedeutet. Und ob er für jeden das Gleiche bedeutet. Bin ich Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden, weil ich ein Kompliment als schmierig empfunden habe? Oder erst, wenn es vom Gegenüber auch wirklich anzüglich gemeint war?

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Das ganze Thema ist viel zu komplex, um es in einen Hashtag zu pressen. Ich finde, eine Frau, die vergewaltigt wurde, und eine, der man(n) mal gesagt hat, ihr Shirt stehe ihr gut, haben nicht das gleiche Ausmaß Sexismus erlebt. Und ich finde daher auch: #metoo wird der Problematik nicht ansatzweise gerecht, vereinfacht etwas auf brutale Weise, das nun mal nicht einfach ist.

Deswegen will ich #metoo nicht gut finden müssen. Will es kritisieren und dafür eintreten dürfen, dass das Thema Sexismus lange Diskussionen über Begrifflichkeiten, Befindlichkeiten und Verhaltensregeln erfordert – und nicht bloß einen Hashtag.

Trotzdem sage ich: Wir brauchen #metoo. Warum? Darum:

Tagesschau.de und mehrere andere Nachrichtenseiten berichteten über eine erschreckende Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2016, die ergeben hat: Ein Zehntel aller Männer in der Europäischen Union halten es für in Ordnung, gegen ihren Willen mit einer Frau zu schlafen, wenn die sich sexy oder freizügig kleidet. 12 Prozent sagen sogar, Sex ohne ihren Willen geht in Ordnung, wenn die Frau betrunken ist oder unter Drogen steht. Und 11 Prozent der Männer finden: Ist die Frau freiwillig mit ihnen nach Hause gegangen, dann kann man auch ohne ihr Einverständnis mit ihr schlafen.

Wie kann das sein? Was ist das für ein Frauenbild, das diese Männer offensichtlich haben? Und was soll man um Himmels Willen bloß dagegen tun?

Mit langen, komplizierten Diskussionen, die es eigentlich braucht, kommt man gegen so grundlegende Probleme nicht an. Da hilft erst mal nur, dieser erschreckend hohen Zahl an Männern zu zeigen: Die Zahl der Frauen, die sich von euch schlecht behandelt fühlen, ist ebenfalls erschreckend hoch.

Man muss sich, leider, erst mal auf einen einzigen Punkt fokussieren – die schiere Masse an Frauen, die sagt: „Auch ich wurde schon mal sexuell belästigt.“

Klar ist das null differenzierend. Und ich glaube nach wie vor, dass ein Hashtag nicht der richtige Ansatz ist, um das Problem langfristig zu lösen. Aber offensichtlich müssen wir bei vielen Männern ganz von vorne anfangen. Mit so einer Art Schocktherapie. Und dafür ist #metoo – leider – genau das richtige Mittel.

Quelle: Noizz.de