Eine junge Harvard-Studentin soll Ende der 60er Jahre von ihrem Professor ermordet worden sein. Verurteilt wurde damals niemand. Als Harvard-Studentin Becky Cooper fast vier Jahrzehnte später von dem Verbrechen erfährt, ermittelt sie auf eigene Faust – mit Erfolg.

Jahrzehntelang galt der Mord an der 23-jährigen Harvard-Studentin Jane Britton als ungeklärt, jahrzehntelang brodelte die Gerüchteküche auf dem Campus der Elite-Universität: Ein Professor für Anthropologie soll die Studentin 1969 in ihrem Studierendenwohnheim zu Tode geprügelt und ihren Körper anschließend mit rotem Ockerstaub bestreut haben – ein Ritual, das oft in alten Begräbnissen im Iran vorgefunden wurde. Verurteilt oder freigesprochen wurde der Professor allerdings nie.

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Als Becky Cooper, ebenfalls Harvard-Studentin, im zweiten Jahr ihres Studiums 2009 von der damals bereits 40 Jahre alten Mord-Geschichte hört, arbeitet ebenjener Professor – Professor C.C. "Karl" – noch immer an der Universität. Sein Motiv, so heißt es auf dem Campus, soll ein Liebesdrama gewesen sein. Der Professor habe Britton getötet, um deren Affäre zu verbergen.

Wie die "New York Post" berichtet, schwört Cooper, gefesselt von Brittons Schicksal, das Verbrechen aufzuklären. Neun Jahre später gelingt ihr genau das – zumindest teilweise.

Dank Cooper wurde der Fall aufgeklärt. (Symbolbild)

Hat Harvard Druck auf Presse und Polizei ausgeübt?

Während ihrer Nachforschungen findet Cooper heraus, dass der Mordfall zwar viel Aufmerksamkeit in Medien erhielt, das Interesse für das Schicksal der jungen Studentin jedoch schnell abebbte. Viele vermuteten, dass die Harvard-Universität Druck auf Presse und Polizei ausgeübt und Letztere die Untersuchung verpfuscht hatte. Cooper findet heraus, dass Britton dem Professor wohl mit der Öffentlichmachung der Affäre gedroht hatte, sollte dieser sie durch die Prüfungen fallen lassen. Sie konnte jedoch keine Beweise dafür und für die Affäre selbst finden.

Schließlich gerät Brittons damaliger Freund, Jim Humphries, als Verdächtiger in Coopers Fokus – auch das entpuppt sich jedoch schnell als Sackgasse. Mit Sackgassen wie dieser und einer Polizei, die nicht kooperierten will, muss Cooper sich auch danach noch oft herumschlagen. Erst als sich auch die Tageszeitung "Boston Globe" wieder an dem Fall interessiert und gemeinsam mit Cooper Druck aufbaut, nimmt die Polizei den Fall wieder auf.

Wie sich herausstellt, gibt es tatsächlich DNA-Spuren am Platz des Verbrechens: Sperma in der Unterhose des Opfers. Eine Suche im Verzeichnis der Polizei ergibt einen Treffer: Die DNA gehört zu Michael Sumpter, einem gewalttätigen Berufsverbrecher, Serienvergewaltiger und Serienmörder.

Eine Kiste mit rotem Ockerstaub

Sumpter war zum Zeitpunkt dieses Ermittlungsergebnisses bereits verstorben. Man geht davon aus, dass er Britton beobachtete, durch ein Fenster in deren Wohnheim kletterte und sie tötete. Aber wieso der rote Ockerstaub? Und wie kann Sumpter es gewesen sein, wenn niemand etwas gehört oder gesehen hatte und keine Anzeichen von einem Einbruch aufzufinden waren?

Symbolbild

Ein weiterer Verdächtiger, Lee Parsons, ebenfalls ehemaliger Harvard-Professor, ebenfalls vermuteter Geliebter Brittons, war Laborleiter eines Museums, in dessen Keller eine Kiste mit rotem Ockerstaub gefunden wurde, aus dem eine Handvoll fehlte. Parsons konnte eine Verbindung zu dem Verbrechen jedoch nicht nachgewiesen werden. Und das, obwohl der Mann bei seiner Vernehmung nach dem Mord Kratzer am Kopf hatte – laut seiner Aussage von seiner Katze.

Die neunjährige Untersuchung des nun immer noch nur halb geklärten Mordfalls verarbeitete Cooper in einem jetzt erschienen Buch: "We Keep the Dead Close. A Murder at Harvard and a Half Century of Silence" ("Wir halten uns die Toten nahe. Ein Mord in Harvard und ein halbes Jahrhundert des Schweigens").

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  • Quelle:
  • NOIZZ.de