"Ein Mittelschüler hat mir gerade 'Coronavirus' ins Gesicht geschrien."

Die Angst vor dem Coronavirus ist weltweit groß – und sorgt weltweit leider auch für Ausgrenzung, Diskriminierung und waschechten Rassismus. Die französische Zeitung "Courrier Picard" etwa titelte mit der Schlagzeile "Alerte jaune" ("gelber Alarm") und einem Foto einer Chinesin mit Atemschutzmaske. In Malaysia wollen über 500.000 Unterstützer einer Online-Petition Chinesen vorübergehend die Einreise verbieten und werfen ihnen obendrein mangelnde Hygiene vor. Auch in Südkorea läuft eine Petition für das vorläufige Verbot von Besuchern aus China – ebenfalls mit über einer halben Million Unterstützern.

Immer mehr Menschen, die als asiatisch gelesen werden, berichten von Diskriminierungserfahrungen in der Bahn, auf der Arbeit, auf offener Straße und vor allem in sozialen Netzwerken. Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasUnVirus ("Ich bin kein Virus") teilen Betroffene ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung seit der Ausbreitung der Lungenkrankheit.

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Eine Userin aus Frankreich schreibt etwa: "Ich war gestern auf dem Weg zur Arbeit und hörte zwei Typen sagen: 'Pass auf, ein chinesisches Mädchen läuft in unsere Richtung'. Erstens, ich bin Vietnamesin, zweitens, f*ckt euch." Wenige Stunden später schreibt sie: "Passiert das jetzt jedes Mal, wenn ich rausgehe? Ein Mittelschüler hat mir gerade 'Coronavirus' ins Gesicht geschrien".

Twitter-Nutzer Lou Chengwang teilte ein Foto auf dem er ein Blatt Papier in der Hand hält, auf dem steht: "Ich bin Chinese, aber ich bin kein Virus". Er schreibt: "Ich weiß, dass alle Angst vor dem Virus haben, aber bitte seid nicht voreingenommen." "Ein zehn Jahre altes Kind hat mir im Bus gerade 'Raus hier' zugeschrien", schreibt eine andere.

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"Ja, Rassismus in Frankreich ist lebendig ... Asiate in Frankreich zu sein, bedeutet jetzt, dass man definitiv aus Wuhan kommt, definitiv infiziert ist und dass man es verdient, angeschrien zu werden oder von Leuten gemieden zu werden oder dass Leute um einen in öffentlichen Verkehrsmitteln sich den Mund zu bedecken. Rassisten", schreibt ein weiterer Betroffener auf Twitter.

Ins Leben gerufen wurde die Aktion von einer jungen Französin. Vor wenigen Tagen schrieb sie auf Twitter: "Die Gesundheitskrise des Coronavirus hat rassistische Parolen in den Medien und den sozialen Netzwerken hervorgerufen", und motivierte in ihrem Aufruhr andere dazu ihre Erfahrungen zu teilen.

Das Virus als willkommene Ausrede für Rassismus?

Die Beispiele sind erschreckend – auch weil der Rassismus in den meisten Fällen sicher nicht durch das Virus ausgelöst, sondern vielmehr durch das Virus zutage gefördert wurde. Die Verbreitung der Lungenkrankheit, so scheint es, wird von vielen als willkommene Ausrede genutzt, um ihrem Hass freien Lauf zu lassen.

Ausgrenzung wegen des Coronavirus‘ ist allerdings nicht immer rassistisch motiviert: Das bayrische Unternehmen etwa, bei dem der erste Corona-Infizierte in Deutschland angestellt ist, berichtet von Diskriminierung von Mitarbeitern, die die nicht zur Risikogruppe gehören: Eltern oder Ehepartner seien von Arbeitgebern nach Hause geschickt worden, Kinder seien von Kitas abgelehnt worden und in einem Fall sei sogar die Reparatur des Autos von einer Werkstatt mit Hinweis auf das Virus verwehrt worden.

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Quelle: Noizz.de