Wir gehen jede Woche auf Tinder-Dates, trauen uns aber nicht, öffentlich nach Freund*innen zu suchen – und das, obwohl das Thema so aktuell ist wie nie zuvor. Warum ist das so? Und wie knüpft man als Erwachsene*r eigentlich Freundschaften?

"Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt." Diese Liedzeilen kennen wir alle nur zu gut. Aber manchmal lösen Sätze wie diese kein wohlig warmes Gefühl in dir aus – sondern genau das Gegenteil. Nämlich bei der Frage: Ja, wo sind denn eigentlich meine Freund*innen? Und die darauf folgenden Erkenntnis: Die einen wohnen in einer anderen Stadt und mit den anderen habe ich mich auseinander gelebt. Faktisch bist du allein. Klar kann man diese Tatsache mit netten Telefonaten mit alten Schulfreund*innen übertünchen, die Familie besuchen und sich ins Online-Dating stürzen – aber insgeheim bleibt doch der Wunsch nach echten Freund*innen bestehen, die am besten auch noch gleich um die Ecke wohnen.

>> Warum ist Bisexualität verdammt noch mal immer noch so unsichtbar? Alle Mythen und Fakten

Warum ist Freunde suchen schambehaftet?

Und doch unternehmen viele in dieser Situation: Nichts. Am Freitagabend allein oder mit dem*der Partner*in vorm Fernseher sitzen? Ist doch auch mal schön – es muss ja nicht immer Action sein. Einen Kinofilm verpassen, weil niemand mitkommt und du nicht alleine gehen willst? Gibt Schlimmeres. Das Wochen-Highlight ist ein Tinder-Date, bei dem es zwar nicht gerade funkt, du aber immerhin mal wieder unter Leute kommst? Puh – und irgendwann wird dir klar, dass du damit nicht glücklich bist.

>> Warum judgen wir ständig die Beziehungen unserer Freund*innen?

Doch das Problem ist: Während es in unserer Gesellschaft normal ist, keine*n feste*n Parter*in zu haben und deshalb Dating-Apps wie Tinder und Co. zu benutzen, ist es fast schon zu einer Beleidigung geworden, zu sagen, jemand habe keine Freund*innen. Dabei ist das Thema Einsamkeit heutzutage so aktuell wie wahrscheinlich nie zuvor. Umzüge wegen Arbeit oder Studium, Social Media als Ablenkung, ein durchgetakteter Alltag: Viele bemerken gar nicht, dass ihnen ihre Freundschaften entgleiten, bis es zu spät ist. Dass die Person zu einem bestimmten Zeitpunkt keine Freund*innen hat bedeutet also nicht, dass sie ein/e Soziopathi*in ist oder anderweitig besonders merkwürdig.

Und trotzdem haben sie so große Angst, wegen fehlender Freund*innen für merkwürdig gehalten zu werden, dass sie lieber einsam zu Hause sitzen, also öffentlich zuzugeben: Ich suche Freund*innen.

Geh auf die Freundschaftssuche!

Doch jetzt verrate ich ein Geheimnis: Es gibt inzwischen so viele Menschen, denen es genauso geht, dass dich niemand mehr schief anguckt, wenn du dich öffentlich auf die Suche machst.

Es ist ein Mythos, dass man nur in der Schule oder der Uni die Freund*innen fürs Leben findet und verseinsamen muss, wenn man diese verliert. Wer sich aktiv auf die Suche macht, wird früher oder später auch fündig. Aber wo?

1. Uni-Sport, Vereine, Kurse

Für die Mutigeren lohnt es sich total, sich bei einem Kurs anzumelden. Dort ist der Vorteil: Du hast schon gemeinsame Interessen mit den an anderen Teilnehmer*innen, ihr habt Gesprächsthemen – und selbst wenn sich daraus keine Freundschaft ergibt, hast du zumindest etwas gelernt. Wer sich nicht gleich in einem Verein anmelden will, sondern erstmal schnuppern möchte, für den sind Uni-Kurse die perfekte Lösung. Das Tolle: Nicht nur Student*innen können sich dort anmelden, sondern auch alle anderen – nur dass Studis einfach die niedrigeren Preise zahlen. Die Zahl der Kurs-Einheiten ist meist auf ein Semester beschränkt, sodass es kein Problem ist, wenn du schnell merkst, dass der Kurs doch nichts für dich ist.

2. Online

Es gibt inzwischen elegantere Lösungen, als sich ein Tinder-Profil zu erstellen und "Suche Freundschaften" dort reinzuschreiben. Die derzeit wohl beliebteste App um Freund*innen zu finden ist Bumble. Denn dort gibt es nicht nur die Möglichkeit, auf Partner*innen-Suche zu gehen: Du kannst am Anfang auch einstellen, dass du explizit nach Freundschaft suchst. Dann wirst du nicht einmal im Dating-Bereich angezeigt, sondern ausschließlich in dem für die Freund*innen-Suche. In dein Profil kannst du deine Interessen schreiben und Fotos hochladen – und dann läuft im Prinzip alles wie bei einer klassischen Dating-App: Swipen, Matchen, Schreiben.

Wer sich nicht gleich mit all seinen Hobbies in die Öffentlichkeit stellen möchte, kann auch ganz klassisch in die altbewährten Facebook-Gruppen eintreten. "Neu in Berlin", "Künstlerinnen in München", "Musiker in Bremen": Häufig werden dort Gesuche nach neuen Freund*innen für Unternehmungen eingestellt und ganz Schüchterne können erstmal still mitlesen, statt gleich selbst zu posten.

>> Fem as Fuck #10: 2020 fick ich nur noch mit Feministen

Doch egal für welche Möglichkeit du dich entscheidest: Leg einfach los! So gemütlich die Couch am Freitagabend auch ist – wenn du dich erstmal für einen Kurs oder bei Bumble angemeldet hast, fühlst du dich gleich viel besser. Denn du weißt ja: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt"!

  • Quelle:
  • Noizz.de