Die Apokalypse ist nicht weit.

Selbsternannte Experten sprechen gern von rationalen und irrationalen Ängsten. Angst in Berlin von unachtsamen Verkehrsteilnehmern erwischt zu werden, finden die meisten Leute noch recht nachvollziehbar. Bei Flugangst wird es aus statistischen Gründen schon relativ, aber immerhin ist die Angst so verbreitet, dass sie respektiert wird. Dass ich ernsthaft Angst vor einer Zombie-Apokalypse habe, ist allerdings allen ein Rätsel.

Dabei ist diese Angst sehr real. So real zumindest, dass ich in meinem Träumen regelmäßig von hirnlosen Massen verfolgt werden, als wäre ich ZDF-Fernsehgarten. Aber im Ernst: Selbst, wenn das zentrale Thema meines Traumes ein ganz anderes ist, so spielt sich alles in mehr als der Hälfte der Fälle in einer postapokalyptischen Welt voller Untoter ab.

Diese Angst ist allerdings nicht nur in meinem Unterbewusstsein präsent. Als ich als Teenager mal bei meinem besten Freund übernachtet habe, richtete dieser sich mitten im Schlaf senkrecht auf und drehte seinen Kopf langsam in meine Richtung. Ich sprach ihn an, aber er reagiert nicht. Mein Puls hätte jedes Blutdruckmessgerät in seine Einzelteile zerrissen.

Als ich ihm am Morgen davon erzählte, war die Angst das erste Mal ausgesprochen. Von da an machte er sich einen Spaß daraus, mit ausgestreckten Armen und totem Gesichtsausdruck auf mich zuzulaufen und was als Spaß hätte verbucht werden können, löste bei mir tatsächlich Panik aus. Einmal schlug ich ihm ins Gesicht. Danach spielte er den Hirnfresser nicht mehr so schnell.

Doch warum eigentlich diese Angst? Besonders einschüchternd finde ich den Gedanken, dass man die meisten bösen Geister (an die ich nicht glaube), Dämonen (an die ich nicht glaube) oder Fabelwesen (an die ich fast nicht glaube) besänftigen kann, wenn man ihr Motiv kennt. Der Geist des Mädchens, das immer noch im Haus wohnt? Einfach die Gebeine finden und vergraben. Der Dämon, der eine Kleinstadt heimsucht? Einfach alle Neugeborenen opfern und gut ist. Aber Zombies? Der Gedanke, ihnen mein Gehirn zu überlassen, ist keine Option.

Hinzukommt die durchaus realistische Bedrohung durch ABC-Waffen im Falle von moderner Kriegsführung oder Terrorismus. Sollte eine unentdeckte Zusammensetzung entdeckt werden, die Menschen zu Wiedergängern macht - jeder Mensch wäre plötzlich eine potenzielle, hirnlose Bedrohung und Abermillionen von Menschen würden mir auf ewig hinterherstürzen, ohne müde zu werden oder abzulassen. Mir erscheint die Angst vor Zombies rationaler als jede Flugangst.

Und wer immer noch nicht überzeugt ist, dass wir zu wandelnden Toten gemacht werden könnten, der schaut sich einfach mal eine der gruseligsten Auswüchse der Natur an: Ophiocordyceps unilateralis. Denn bei den Ameisen gibt es willenlose Zombies schon längst.

Quelle: Noizz.de