Immer öfter hört man in der Corona-Isolation von lebhaften, ausführlich Träumen und neuen Schlafgewohnheiten. Ein Experte erklärt, warum wir momentan so wilde Träume haben!

Liebe Leute, schraubt die Panik runter, atmet tief ein und aus, denn ihr seid nicht allein. Wem seit der Isolation am Morgen mit einem mulmigen Gefühl aufwacht und sich an Geschichten großen Humbugs und groben Unfugs erinnert, dem sei gesagt, dass er damit in bester Gesellschaft ist. Es gibt sogar bereits einen Blog: I Dream of Covid sammelt die kruden Geschichte, die uns aktuell in der Nacht überfallen und von unseren Gedanken Besitz ergreifen. Da ist zum Beispiel jemand aus Michigan, der träumte, dass Barack Obama, in Marie Antoinettes "Let them eat cake"-Manier Kuchen an den Supermärkten verteilt, allerdings ohne Teller, weshalb alle aus ihren pandemischen Händen aßen.

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Oder die 20-jährige Träumerin aus Dhaka, die einen idyllischen Moment auf einer alten Veranda mit ihrer besten Freundin hatte, bis das Meer aus roten Kornblumen zu ihren Füßen ihr zuflüsterte, dass sie eigentlich die Seelen der Covid-19-Toten sind. Doch ganz gleich, ob wir vom Virus träumen oder nicht, seit einigen Wochen scheint man sich mehr und mehr an die nächtlichen Geschichten zu erinnern, doch woran kann das liegen?

Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen, denn Träumen ist ein schwer erforschbarer Zustand. Beim Schlafen durchlaufen wir mehrere Phasen. Lebhafte Träume entstehen während der sogenannten REM-Phase. Nur wenn man inmitten dieser Phase erwacht, kann man sich auch tatsächlich an den Traum erinnern. Professor Dr. Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Zentrum der Charité hat mehrere Begründungen, warum genau dieses Erwachen aus der REM-Phase aktuell zunimmt. Durch die Isolation hat sich bei den meisten Menschen der Tagesablauf ziemlich drastisch geändert, sei es durch fehlende Arbeitswege, weniger Bewegung, Mittagsschlaf oder Ermüden durch die eintönigeren Tage. Viele Menschen schlafen derzeit länger. "Je länger wir schlafen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, aus einem Traumschlaf wach zu werden", erklärt Dr. Fietze.

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Das alleine führt aber nicht zu unserer lebhaften Traumwelt, denn gleichzeitig gilt: "Je schlechter der Schlaf wird (z.B. wegen Existenzangst), desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, aus dem Traumschlaf wach zu werden." Das erscheint ziemlich logisch, wenn man nur bedenkt, wie man aus diesen lebhaften Träumen aufwacht und wie gerädert man davon manchmal ist. Man kann auch teilweise von Stressträumen sprechen. Dass sich der emotionale und physische Stress dieser Tage also in unserer Traumwelt niederschlägt, scheint ziemlich einleuchtend.

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Es gibt außerdem verschiedene Ansätze Träume zu bewerten, denn sie können sowohl als Vorbereitung auf herausfordernde, stressige Situationen gelesen werden oder bei Schwierigkeiten im gegenwärtigen Leben als eine Art psychische Gesundheitsvorhersage gedeutet. Dr. Fietze erklärt: "Die Trauminhalte haben sich durch die Änderung des Lebensstils sicher auch geändert und mehr geistige als körperliche Tätigkeit am Tage macht mehr und längeren Traumschlaf. Je länger der Traumschlaf und je negativer belegt, desto höher auch wieder die Wahrscheinlichkeit, wach zu werden."

Neue Corona-Diagnostik?

Dass jemand in Georgia also träumte, dass ihm eine Ärztin den Oberschenkel salzte, mit einem Finger einige Krumen vom Bein auflas und anschließend Covid-19 diagnostizierte, scheint den Umständen entsprechend normal. Mit einer solchen, außergewöhnlichen Traumsammlung wird nicht nur der Forschung hervorragendes Material geboten, sondern auch ein Stück Geschichte festgehalten. Denn schon nach dem 11. September 2001 konnten Wissenschaftler der medizinischen Fakultät der Tufts-Universität in einer Studie zeigen, dass sich große gesellschaftliche und traumatische Ereignisse im kollektiven Traumgedächtnis widerspiegeln.

Auch in Zeiten des Holocaust hat sich das Traumleben der Bevölkerung drastisch geändert. Obwohl es sich um keine Studie oder Psychoanalyse handelt, hat die Autorin Charlotte Beradt in dem Buch "Das Dritte Reich der Träume" über 70 Träume festgehalten, sortiert und immer wiederkehrende Symbole und Gegenstände manifestiert, die das Unterbewusstsein der Menschen, die das Dritte Reich durchlebten, maßgeblich beschäftigte.

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  • Quelle:
  • Noizz.de