Valentinstag soll der Tag der Liebe und Romantik sein, für Menschen mit undefiniertem Beziehungsstatus wie mich allerdings ist er in Wahrheit der blanke Horror. Denn er zwingt mir Fragen und Situationen auf, die ich nicht beantworten will – und sorgt bei mir so für apokalyptisches Kopfkino.

Ich lebe in Berlin und wer schon einmal den Sprung in die abenteuerlichen Ströme der Datingwelt hier gewagt hat, weiß: Bindungsunwillen, "Bitte keine Labels"-Beziehungen und "Vielleicht kommt ja noch jemand Besseres"-Mentalität gehören zum guten Ton. Mein Beziehungsstatus auf Facebook steht quasi durchgehend auf "Es ist kompliziert" und wie die meisten meiner Freunde hangele ich mich entweder von einer Fast-Beziehung zur nächsten, definiere mich als Single mit Freundschaft-Plus im Abo, rotiere ein beachtliches Repertoire an Casual-Fuck-Kontakten oder mache, nachdem ich mal wieder geghostet wurde (oder habe), eine Pro- und Contra-Liste für einen Tinder-Plus-Account.

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Der Valentinstag ist der Erzfeind meines unbeschwerten Liebeslebens

Für Außenstehende mit romantischer Ader mag das schrecklich klingen, aber – believe it or not – mich stört das unbeständige Liebesleben hier nicht. Ob sechs Jahre Hauptstadt mir eine Gehirnwäsche verpasst haben oder ich tatsächlich einfach sehr gute ohne feste Beziehung leben kann, kann ich objektiv nicht mehr beurteilen. Es gibt allerdings einen Tag im Jahr an dem mein Single/Slut-Selbstbewusstsein ins Wanken gerät: der Valentinstag. Was das über meinen vermeintlich unbeschwerten Umgang mit der Dating-Realität einer Stadt voller Beziehungsphobiker aussagt, sei euch überlassen – vorher solltet ihr aber noch die Details wissen.

Ich verachte den Valentinstag nicht etwa, weil mich der Anblick schmusender Pärchen und der dumpfe Sound des Schmetterling-Geflatters, der aus deren Mägen hallt, grün werden lässt vor Eifersucht oder vor Augen führt, wie vermeintlich traurig mein Liebesleben doch ist – ganz und gar nicht. Der einzige Grund, der mich zu der Überzeugung führt, dass der "Tag der Liebe" besser in "Tag des Horrors" umbenannt werden sollte, ist folgender: Wie zur Hölle sollen Menschen ohne offiziellen Beziehungsstatus den Valentinstag überstehen, ohne in mindestens eine todes-unangenehme, zum-Haare-raufen-peinliche, Bettdecke-über-den-Kopf-ich-bleibe-für-immer-hier-beschämende Situation zu geraten?

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Was nun? Beziehung oder nicht?

Menschen ohne offiziellen Beziehungsstatus sind all diejenigen, die sich seit geraumer Zeit (die Dauer kann stark variieren) mit einer Person (oder mehreren) in einem romantischen Kontext treffen, aber nie darüber gesprochen haben, wie sie offiziell zueinanderstehen: Ob sie eine feste Beziehung führen (wollen), ob sie andere Menschen daten (wollen), ob überhaupt echte Gefühle füreinander bestehen, ob es eher super casual à la Freundschaft-Plus laufen soll – und so weiter, ihr versteht schon.

Das offensichtliche Problem an einem undefinierten Beziehungsstatus am Valentinstag liegt darin, dass die eine Person nicht weiß, wie die andere Person die Beziehung und die Bedeutung von Valentinstag in der (Nicht-)Beziehung einordnet. Der Valentinstag legt seine Finger in die offene Wunde, stellt alle Beteiligten an den Pranger und fordert Antworten: Seid ihr ein Paar? Offene oder geschlossene Beziehung? Feiert ihr Valentinstag? Seid ihr ein Paar, aber feiert Valentinstag nicht? Seid ihr kein Paar und feiert deshalb Valentinstag nicht? Wer macht jetzt den ersten Schritt und spricht das Thema an? Was wenn eine Person gar nicht checkt, dass Valentinstag ist? Was wenn sich herausstellt, dass alle komplett unterschiedliche Ansichten haben? Aua.

Kennt ihr das, wenn die Erinnerung an ein peinliches Erlebnis euch komplett ohne Vorwarnung überfällt und ihr, um nicht sofort auf der Stelle vor Scham tot umzufallen, gar nicht anders könnt, als einen kleinen Schrei von euch zu geben? Der Valentinstag bringt mein Kopfkino auf Hochtouren und das Programm besteht ausschließlich aus fiktiven Situationen zwischen mir und meinem Partner(?), die sich an schauerlicher Cringeworthy-ness nur so überschlagen – und dann genau diese Art von Schrei aus mir herauslocken. Scham ist auf meiner Liste der schlimmsten Gefühle definitiv in den Top drei. Mein Leidensdruck ist dementsprechend hoch. Also bitte tut mir einen Gefallen und lasst mich und sowieso alle ohne offiziellen Beziehungsstatus mit eurer verdammten Valentinstag-Scheiße in Ruhe.

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Quelle: Noizz.de