Meine 3 goldenen Regeln für erfüllendes Tindern

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Ein Tinder-Match ist wie eine Rose: Kann man annehmen, muss man aber nicht Foto: unsplash.com

Auf der Suche nach dem perfekten Match.

Mittwochabend. Links, links, recht, links. Mein Daumen wischt über das Smartphone-Display. Du wirst es schon ahnen. Ich bin auf Tinder. Das ist heutzutage so eine Aussage wie zu sagen, man sei Alkoholiker. In unserer Gesellschaft werden beide Dinge wohl auch mit den selben Stigmata in Beziehung gesetzt: schwach zu sein.

„Du bist auf Tinder? Das hast du doch gar nicht nötig“, sagt am nächsten Tag eine Kollegin zu mir. Wir laufen durch Berlin-Mitte. An jeder Straßenecke hängen Tinder-Werbeplakate. So sind wir auf das Thema gekommen.

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Nun klingt es so, als wisse meine Kollegin da etwas, von dem ich keine Ahnung habe. Und, na ja, was ist, wenn ich es doch nötig habe? Die Antwort darauf hat meine Kollegin auch parat: „Klingt eher so, als wolltest du einfach nicht allein sein.“

Ein paar Tage zuvor endete meine letzte Tinder-Beziehung nach knapp zweieinhalb Monaten. Die ersten acht Wochen liefen gut, die letzten zwei eher weniger. Nach der anfänglichen Verliebtheit folgte die Einsicht, dass es nicht funktioniert. Dieselbe Szene habe ich schon mehrfach mit wechselnden Darstellern durchgespielt.

Tinder-User sind einsamer

Nun sitze ich wieder in meiner Wohnung und wische auf Tinder herum. In mir regt sich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Es ist nicht einfach für mich, abends allein zu sein. Natürlich gibt es den Gedanken, dass andere Menschen es doch auch können. Sie sind nicht auf Tinder. „Ich bin zufrieden“, sagen einige meiner Freunde, die weder Beziehung noch Dating-App haben.

Sind sie weniger einsam? Immerhin seien die Menschen, die auf Dating-Apps zurückgreifen, tatsächlich einsamer als die Menschen, die sie nicht benutzen. Selbiges gilt für Soziale Netzwerke.

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Wenn also die meisten Nutzer von Dating-App einsam sind und Ablenkung suchen, was bedeutet das dann? Sind wir nur auf der Suche nach Ablenkung und nicht nach Liebe und Nähe? Für solche Situationen scheint Tinder zumindest konzipiert zu sein. Eine App, die sich wie ein Spiel anfühlt. Zur Belohnung gibt es Matches, flirty Nachrichten und auch Dates, die sich gut anfühlen. Nichts mit Einsamkeit. Keine Nächte allein auf dem Bett mit Liz Gillies („Dynasty“). Stattdessen aufregende Dates. So zumindest die Idee.

Laut Berichten seien jedoch gerade einmal knapp 60 Prozent der Nutzer auf Dating-Apps überhaupt single. Auch damit habe ich Erfahrungen gemacht. Verlobte und verheiratete Männer, die nach dem dritten Drink in der zweiten Bar zwischen Hobbys und Kindheitserinnerungen den Ehering aus der Tasche ziehen.

Die Angst vor dem Alleinsein

Wieso tut man sich das also an? Da wäre einmal die Angst vor dem Alleinsein. Diese Angst haben die meisten Menschen. Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Freundeskreis hat dies bestätigt. Aus dieser Angst heraus wird gerne mal nach rechts gewischt, auch wenn die Person, die einem auf dem Smartphone-Display entgegen lächelt, gar nicht gefällt. Wenn ich aus meinen Dating-Erfahrungen eines gelernt habe, dann dass Erzwingen nichts bringt. Auch wenn Tinder genau mit diesem Gedanken spielt: Mit dem nächsten Wisch kannst du das Match fürs Leben finden.

Anschließend sitze ich bei einem Date mit einer Person, die ich im Leben nicht auf der Straße getroffen oder angesprochen hätte. Dennoch entsteht Nähe. Körperlich und emotional. Nach einiger Zeit kommen wir an den Punkt, an dem es nicht mehr funktioniert. Ich bin einsamer als zuvor und lade mir wieder Tinder herunter.

Was nun? Schauen wir in die Kunst, ist die Antwort eine einfache: Erst mal allein sein. Rainer Maria Rilke hat einst geschrieben, dass junge Menschen die Liebe erst noch lernen müssen. Die Antworten auf all ihre Fragen finden sie in der Einsamkeit. Das schmerzt, jedoch befindet sich in diesem Schmerz auch Wachstumspotenzial. Aus dieser Perspektive wird allein zu sein eine Übung. So wie auch CYN darüber singt: „Wenn ich dich nicht mehr habe, habe ich noch mich.“ Und das reicht doch erst mal. Oder?

Meine Partnerschaft soll mein Leben ergänzen

Die Konsequenz für mich ist diese: Es klingt so wahnsinnig kitschig, aber ich versuche, mir das zu geben, was ich mir von einem Partner wünsche. Aufmerksamkeit, das Gefühl, nicht allein zu sein und gut mit mir umzugehen. Meine Partnerschaft soll mein Leben ergänzen. Ich muss mich selbst kennenlernen und herausfinden, was ich eigentlich möchte. Denn je mehr ich mich selbst kenne, desto weniger lasse ich mich auf jemanden ein, der nicht zu mir passt. Und wieso? Weil ich auch allein zufrieden bin. So weit die Theorie.

Meine 3 wichtigsten Regeln für erfüllendes Tindern:

  1. Ignoriere keine rote Fahne. Er hat eine Eigenschaften, die du gar nicht magst? Dein Gefühl sagt dir, du würdest jetzt lieber zu Hause sein als mit ihm in diesem Cafe zu sitzen? Ein persönliches Beispiel: Der Typ, den ich treffe, ist nicht geoutet. Das zieht in der Regel einen Rattenschwanz an Problemen nach sich. Die Sirenen in meinem Kopf gehen an. Hör drauf. Lass ihn zischen, gibt ‘n Frischen!
  2. Höre auf deine Freunde. Manchmal sind wir so verliebt, dass wir gar nicht sehen, dass jemand nicht zu uns passt. In diesem Fall sind unsere Freunde die besten Spiegel. Sie werden dir sagen, was sie von der Neuen oder dem Neuen halten.
  3. Lass dir Zeit. Verbring Zeit mit dir allein. Geh raus, triff Freunde, hab Spaß. Die Beziehung sollte dein Leben ergänzen, nicht dein Lebensmittelpunkt sein.

Unangenehme Gefühle auszuhalten, kann erlernt werden. Bis ich soweit bin, da bin ich mir ganz sicher, ist es noch ein langer Weg, und die Tinder-App werde ich mir bis zu diesem glorreichen Tag noch einige Male herunterladen und wieder löschen. Das Gute ist, ich bin bereit, etwas zu ändern. Und die Schuld an meinen Gefühlen kann ich auch keiner App geben. Es geht um meine Intention und den richtigen Umgang mit Dating-Apps. Wieso matche ich diese Person? Was will ich gerade wirklich? Und was brauche ich?

Ich werde noch viele blöde Dates haben, in der Hoffnung, das perfekte Match zu finden. Allerdings lernen wir durch Enttäuschungen auch, was wir wirklich wollen. Sie gehören dazu. Das Wichtigste für mich: offen zu bleiben und neue Wege auszuprobieren.

(Und für alle Mittzwanziger-Single-Jungs aus Berlin geht’s hier zu meinem Instagram-Profil. See you in my DMs ;))

Quelle: Noizz.de