„To All The Boys I've Loved Before“-Star Noah Centineo ergattert Rolle in neuem Außenseiter-Film

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Noaha Centineo (l.) und ShannonPurser spielen die Hauptrolle in „Sierra Burgess Is a Loser.“ Foto: @netflix US / Instagram

„Sierra Burgess Is a Loser“ zeigt, Netflix hat das Außenseiter-Thema voll drauf!

Sierra Burgess scheint gestraft fürs Leben: Ihr Vater ein bekannter Bestseller-Autor, ihre Mutter eine erfolgreiche und gut aussehende Psychotherapeutin – die es natürlich auch nicht sein lassen kann, ihre tagtäglichen Praxiserfahrungen an ihrer Tochter auszulassen.

Und Sierra? Die hat ein paar Pfunde zu viel auf der Waage, spielt im Schulorchester, interessiert sich für Nietzsche, Shakespeare und singt für ihr Leben gerne. Und: Sie will an die Elite-Uni in Stanford. Leider alles Dinge, die an einer US-Highschool nicht ganz so super ankommen.

Um es klar zu sagen: Sierra Burgess ist ein Loser. So lautet dann auch der Titel des neusten Netflix-Films, indem auch Publikums-Liebling Noah Centineo mit von der Partie ist. Ihr wisst schon, Peter Kavinsky aus „To All The Boys I’ve Loved Before“.

Ob es Zufall ist oder nicht, dass in so kurzem Abstand gerade zwei Filme auf Netflix mit ihm als Hauptdarsteller erscheinen, sei ein mal dahin gestellt. Es scheint sich aber ein Sujet für ihn etabliert zu haben: Die Rolle des Charming-Boy, der auch den Außenseiterinnen eine Chance gibt. Auch wenn sie bei „Sierra Burgess ...“ etwas anders ausfällt als bei TATBILB.

Ein bisschen französisches Drama für die Highschool

Der Plot basiert auf – man mag es nicht für möglich halten – einem französischen Versdrama von 1897, nämlich Edmond Ristands „Cyrano de Bergerac“ (für alle, die mehr darüber wissen wollen, gibt es diesen Link zu Wikipedia). Nur eben in die heutige Zeit gesetzt.

Eine SMS an die falsche Nummer entfacht eine Handy-Romanze zwischen einer unbeliebten Teenagerin (Sierra Burgess, gespielt von Shannon Purser) und einem Sportler (Noah Centineo in der Rolle des Jamey), der wiederum glaubt, sie sei eine schöne Cheerleaderin (Veronica, gespielt von Kristine Froseth).

„Sierra Burgess Is a Loser“ wirkt stellenweise wie Lena Dunhams „Girls“ für Teenager, das macht aber rein gar nichts. Es ist erfrischend zu sehen, wie Netflix sich in dieser Eigenproduktion erneut einer Thematik annimmt, die vielen amerikanischen Teenagern aus der Seele spricht – oder auch viele Twens in ihren Teenager-Jahren selber erfahren haben. Es geht um Mobbing an Schulen, der ewige Kampf zwischen beliebt und unbeliebt sein, wie man damit selbst umgeht und auch, wie die eigenen Eltern diese Probleme oft nicht richtig wahrnehmen.

Teeanger und ihre Probleme

Auf den ersten Blick scheint Sierra nämlich gut mit ihrer Situation als Außenseiterin klarzukommen: Sie scheint sich damit arrangiert zu haben, eben nicht perfekt auszusehen. Sie hat ihre eigene kleine Welt, bestehend aus ihrem besten Freund Dan (RJ Cyler), sie ist gut in der Schule, macht Musik und steht auf hohe Literatur und Philosophie. Auch ihre Eltern scheinen sie in ihrer intellektuellen Ausbildung und so wie sie ist, zu fördern.

Aber wie das nun mal ist: Als Teenager ist man scheiße unsicher. Da bringt es einen schon aus der Bahn, wenn man auf einmal mit dem beliebten Quarterback aus dem Footballteam eine SMS-Romanze am Laufen hat. Nur weil der denkt, die beliebte Cheerleaderin Veronica würde die SMS in ihr Smartphone tippen.

Das Schöne an dieser Komödie ist, dass er einen Blick hinter die große Inszenierung High-School wirft und vielleicht ähnlich verunsicherten Schüler*innen wie Sierra Burgess zeigt, dass nicht alles immer so ist, wie es oberflächlich scheint. Cheerleaderin Veronica lebt eigentlich in ziemlich nervigen Untere-Mittelschicht-Verhältnissen, ihre übergewichtige Mutter ist nach der Scheidung von Veronicas Vater getrieben davon, ihren Töchtern einen guten Mann durch gutes Aussehen zu vermitteln. Wie die anderen es eben erwarten.

Aber auch Sierra, die aus einem eindeutig intellektuellen Akademiker-Haushalt kommt, hat ihre Probleme. Ihre Eltern sind sehr streng und haben genaue Vorstellungen, mit was sie sich zu beschäftigen hat und was nicht, wollen aber gleichzeitig auch nicht, dass Sierra zum Außenseiter wird und bemuttern sie stellenweise sehr – Konflikte also vorprogrammiert.

Jamey wiederum zeigt, dass hinter seinem perfekten Footballer-Image ein echter Softie steckt. Der eigentlich, viel mehr Berührungspunkte mit der Loserin Sierra hat, als mit der beliebten Veronica, die er eigentlich vermeint zu daten.

Im Verlaufe des Films überschreiten dann alle drei ihre Grenzen: Veronica freundet sich mit der Streberin Sierra an. Sierra aber handelt kurz vorm Finale ziemlich unmoralisch, obwohl sie zuvor die moralische Instanz im Film war: Sie revolutioniert gegen ihre Eltern und handelt egoistisch, weil sie verliebt in Jamey ist.

Der wiederrum ist das Bindeglied zwischen Veronica und Sierra und Jamey muss seine Vorurteile, ein nicht ganz so hübsches Mädchen zu daten, das ihn noch dazu ziemlich an der Nase rumgeführt hat, erst einmal überwinden.

Nicht noch ein banaler Teenie-Film

All das gelingt den Machern des Films ziemlich unbeschwert – und kommt vielleicht nicht ganz an „To All The Boys I’ve Loved Before“ heran, ist aber dennoch ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Tonalität von Teenagerfilmen im Hier und Jetzt.

Dass es eben okay ist, girly rosa Kleider zu tragen, auch wenn man keine Kleidergröße 36 hat. Und dass es genauso okay ist mit jemanden, der in der Schule gut ist befreundet zu sein. Oder auch, dass es vollkommen in Ordnung ist, jemanden süß zu finden, der auf den ersten Blick nicht das ist, was man sich als Partner*in vorstellt.

Quelle: Noizz.de

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