Viele Paare sind wegen den aktuellen Umständen gezwungen, eine Fernbeziehung zu führen. Dabei vermissen viele die körperliche Nähe. Sexting und Dirty Talk können helfen – wir verraten, wie das am besten funktioniert.

Hätte Amor einen Gegenspieler, sein Name wäre Corona. Das Virus sorgt nicht nur für eine gesundheitliche und wirtschaftliche Krise, sondern reißt zudem viele Herzen auseinander. Viele Paare dürfen und können sich wegen der Kontaktverbote nicht sehen. Natürlich ist Liebeskummer für viele nur ein kleines Luxusproblem. Doch wer schon mal Aua-Aua in der Gefühlsbasis hatte, kennt die Schmerzen. Jemanden zu vermissen, kann wehtun. Hinzu kommt die Ungewissheit: Wann und wie kann man Schatzihasi wieder in die Arme nehmen?

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Natürlich kann man miteinander skypen, zoomen, facetimen, telefonieren und schreiben. Trotzdem fehlt die körperliche Nähe – und der Sex. Viele Paare probieren aufgrund der aktuellen Umstände das erste Mal Alternativen aus, wie Telefonsex und Sexting. Bei beidem ist die hohe Kunst des Dirty Talks gefragt. Während du beim Sex durch körperliche Reaktionen spürst, was deinem Partner oder Partnerin gefällt, merkst du das am Telefon und im Chat nicht so schnell. Du siehst und fühlst dein Gegenüber nicht. Zudem kommt die Rechtschreibung, das lange Tippen (wahrscheinlich mit nur einer Hand) und die nötige Fantasie. Doch keine Sorge: Du musst keinen Reporterpreis in deiner Quarantäne-Hütte stehen haben, um zu sexten. Wir sind der kleine, versaute Bruder von Amor, der dir dabei hilft.

1. Hanswursti und F**ze sind keine netten Begriffe für die Geschlechtsteile deines Partners

Wenn ihr miteinander chattet und euch gegenseitig einheizt, kommt ihr nicht drum herum, bestimmte Begriffe zu verwenden. Penis, zum Beispiel. Es kann aber sein, dass dein Partner oder deine Partnerin bestimmte Bezeichnungen nicht mag. Viele Männer finden es zum Beispiel nicht heiß, wenn ihr bestes Stück verniedlicht wird. Genauso mögen Frauen es wohl nicht, wenn ihre Vagina einen vulgären Titel bekommt. F**ze wird im üblichen Sprachgebrauch – leider und ungerechter Weise – als Schimpfwort verwendet. Es ist vollkommen richtig, das Wort positiv zu konnotieren. Trotzdem kann es sein, dass in dem Moment deine Partnerin etwas stutzig wird.

Tipp: Versucht es mit Namedropping. Wenn ihr lieber Schwanz statt Penis und Muschi statt Vagina sagt, dann verwendet den Begriff. Macht eurem Gegenüber klar, welche Bezeichnung ihr mögt. Für wen das am Anfang zu direkt ist, der versucht es mit einer Umschreibung: Zwischen den Beinen, im Schritt – u.s.w.

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P.S.: Das gleiche gilt übrigens für alle anderen Begriffe: Feuchtes Höschen oder String, Luder oder Schatz, Hengst oder Geliebter, geil oder heiß?

2. Geht in euren Fantasien aufeinander ein

Dein Partner liegt am Strand und du liegst breitbeinig auf seinem Bürotisch? Im Kopf funktioniert das bestimmt, irgendwie. Allerdings klappt das Sexting bestimmt besser, wenn ihr auf einander eingeht. Tipp: Unterstützt eure Fantasien. Auf A folgt B. Dein Partner stellt sich vor, dass ihr beide am Strand liegt. Was würdest du dort am liebsten machen? Deinen Bikini ausziehen und nackt in das Meer hüpfen? Bei Sonnenuntergang heiße Küsse austauschen? Wenn du keinen Bock auf Strand hast, kannst du natürlich das Thema wechseln. Nimm deine Liebste an die Hand, verführ sie durch die Gassen, hoch in das Hotelzimmer – oder wo immer du auch hin willst. Natürlich musst du keinen Porno neu erfinden. Schreib einfach das, was in deinem Kopf vorgeht. Sexting kann ganz nebenbei helfen, Wünsche zu äußern.

3. Roman schreiben, oder schnell mit "geiler Scheiß" antworten?

Wenn du eine halbe Stunde an der "Fifty Shades of Grey"-Fortführung schreibst, ist Schatzihasi bestimmt schon gekommen und unter der Dusche verschwunden. Eine lange, heiße Nachricht kann definitiv die Stimmung anregen. Allerdings sollte das eher eine Einleitung sein. Sexting lebt von Reaktionen. Wenn auf Nachrichten nicht schnell eingegangen wird, kann man den Dirty Talk auch mit der Notiz-App auf seinem Handy führen – also mit sich selbst. Das bedeutet aber nicht, dass du innerhalb von 30 Sekunden irgendeinen Blödsinn schreiben musst. Hä, was denn nun? Beim Sexting gibt es keine Zeitangabe. Lass dir drei, vier Minuten Zeit zu antworten. Oder fünf. Dein Gegenüber genießt es bestimmt, kurz selbst Hand anlegen zu können. Du solltest dem anderen nur nicht das Gefühl geben, keinen Bock mehr zu haben oder abwesend zu sein.

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4. Dir fällt nichts ein? Dann zeig zumindest Begeisterung

Viele Menschen können und mögen es nicht zu schreiben. Weder in der Schule noch im versauten Chat. Das ist okay. Du musst beim Sexting auch keine preisgekrönten Nachrichten verschicken. Lass deinen Partner oder deine Partnerin aber nicht im Stich. Sonst könnte das Gefühl entstehen, dass du keinen Bock hast. Ein heißer Smiley ist schon mal ein Anfang – aber bitte nicht fünf Mal hintereinander. Ein kleines Kompliment, ein Zeichen von Erregung – dafür braucht es keine literarische oder journalistische Ausbildung.

5. Schreibtipps: Lasst die Verben tanzen

Wolf Schneider ist ein sehr bekannter Journalist. In seinem Sachbuch "Deutsch für junge Profis" gibt er Tipps, wie man gut und lebendig schreibt. Ein Kapitel dabei heißt "Lasst die Verben tanzen" – und genau das gilt nicht nur für Reportagen, sondern auch für Dirty Talk. Bei beidem sollen möglichst eindrucksvolle Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Das funktioniert vor allem durch Tunwörter. "Der Morgenwind blies stark und schlug sich mit einigen Schneewolken herum und jagte abwechselnd leichte Gestöber den Bergen durch das Tal" – das ist Goethe, kein Porno. Während du wohl einfach "draußen ist schlechtes Wetter, es windet", geschrieben hättest, sorgt der deutsche Dichter für Stimmung. Genau das sorgt beim Sexting für die Prise Geilheit. Schreib konkret, lass Bilder im Kopf deines Partners entstehen. Schreibe nicht einfach "ich bin feucht", sondern – nun ja, wie sich das eben bei dir anfühlt. Was trägst du, wie fühlt sich deine Haut, deine Berührungen, dein Laken zwischen den Beinen an? Details, Details, Details!

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Ebenfalls ein kleiner Schreibtipp: Es gibt tausende Sexgeschichten im Internet. Kein Copy and Paste – aber vielleicht kannst du dich ein wenig inspirieren lassen?

6. Verabredet euch

Sonntagabend, 21.49 Uhr nach dem Tatort: Sexting mit Loverboy. Klingt unromantisch, ist aber praktisch. So könnt ihre euch sicher sein, dass ihr euch in dem Moment voll und ganz der einen Sache hingeben könnt. Während du tagsüber geil bist, ist dein Partner vielleicht am Kuchenbacken mit der Schwester. Versuchen kann man es mal, klar! Wenn der andere aber gerade nicht kann oder will, solltest du ihm dein Bedürfnis nicht aufdrücken.

7. Seid spontan

Was soll das jetzt eigentlich? Gerade noch geschrieben, dass man sich verabreden soll – und jetzt plötzlich spontan sein? Ein Sexting-Date kann nützlich sein. Trotzdem wollen wir euch nicht vorenthalten, wie heiß es sein kann, den Partner oder die Partnerin mit einer kleinen versauten Nachricht zu überraschen. Wichtig dabei: Du darfst nicht erwarten, dass er antwortet. Rechne eher damit, dass erst viel später eine Reaktion folgt. Selbst wenn der andere in dem Moment nicht antworten kann, oder auf sein Handy schaut – er freut sich bestimmt, dass du an ihn gedacht hast.

8. Die kleinen Helferlein: Von Pornoparty zu Sexspielzeugtester

Kein Plan, was ihr schreiben sollt? Dann schickt euch doch einfach den Porno, den ihr gerade anschaut. Oder ein Lied, dass letztens beim Sex lief. Oder eine heiße, romantische Stelle aus dem Buch, das ihr gerade durchblättert. Oder, oder, oder. Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten Sex auf Distanz aufzuheizen. Vielleicht könnt ihr eurer Partnerin oder Partner mit einer Sextoy-Bestellung überraschen? Vielleicht folgt darauf sogar eine ausführliche Produktbeschreibung? (Zwinkersmiley, Feueremoji, Wasserspritzer!)

9. Bitte mit Vorsicht: Heiße Fotos und Videos – drei goldene Regeln

Klar, du hast jetzt vollkommen Vertrauen in deinen Liebsten. Trotzdem kann es (aus irgendwelchen Gründen) sein, dass ihr euch in ein paar Jahren trennt. Dann sind deine Nacktfotos auf seinem Handy. Unangenehm. Deswegen die oberste Regel: Selbst, wenn du deiner besseren Hälfte alles anvertraust, lass bei heißen Fotos und Videos dein Gesicht weg! Dann kannst du – falls das irgendwann Mal in falsche Hände kommen sollte – immer noch sagen, dass du das nicht bist. An deinem Busen oder Penis erkennt dich keiner so schnell. An deinen Augen schon.

Schickst du doch ein Foto, gib dir ein wenig Mühe. Selbst der atemberaubendste Penis kann aus einem dummen Winkeln wie ein Nacktmull aussehen. Klar, du bist immer sexy. Egal wie. Trotzdem solltest du deinem Gegenüber – wenn du das schon machst – ein wenig einheizen. Das Ganze erinnert sonst an die Belohnungstaktik von Kleinkindern. "Schatz, das hast du schön gemalt, was ist das? Ein Baum? Oh, nein, ein Schmetterling – das hast du super gemacht!" Nein, hast du nicht. Ein Dickpic sollte nicht (nur) dafür da sein, ein paar Komplimente zu kassieren. Wenn auf dem Foto noch die Chips-Krümel zu sehen sind, killt das die Romantik. Sei kein komplimentgeiler Dickpicer! Das Gleiche gilt natürlich für Frauen. Fünf Spiegelpics in Unterwäsche macht fünf Komplimente. Dann ist aber gut.

Ebenfalls wichtig: Selbst wenn auf dem Foto ein Nacktmull zu erkennen ist und du genervt bist, weil dein Partner sich keine Mühe gibt, aber sein Ego mit Komplimenten pushen will – dann beleidige ihn nicht. Niemals. Niemals. Niemals. Keine doofen Bemerkungen. Nichts dergleichen. Sag, dass er den schönsten Penis dieser Welt hat – oder sie die schönste Frau der Welt ist. Dirty Talk, Fotos und Videos sind mit enormem Vertrauen verbunden. Geh mit den Inhalten sensibel um. Wenn du nichts mehr geschickt bekommen oder schreiben möchtest, sag das.

10. Probiert euch einfach aus

Der simpelste Tipp von allen: Versuche es einfach. In vielen Artikeln steht geschrieben, dass du bestimmte Wörter oder Sätze nicht sagen darfst. Völlige Bananenautor*innen sind das. Du darfst alles, solange es dir und deiner besseren Hälfte gefällt. Rechtschreibfehler sind übrigens auch vollkommen okay.

Auch das hier sind nur Tipps, keine Regeln.

Alles kann, nichts muss. Das einzige was du brauchst, ist: Lust.

Quelle: Noizz.de