Liebe ist nie einfach – und auch sich selbst auf Touren zu bringen, kann komplizierter sein als gedacht. Ist es zum Beispiel toxisch, wenn dich ausgerechnet der Gedanken an jemanden, den du hasst, beim Masturbieren ganz heiß macht?

Verrückte Sexträume, bei denen man nicht so genau weiß, was man von ihnen halten soll, hatte wohl fast jeder von uns schon mal – und auch die ein oder andere Sexfantasie mag dir vielleicht im ersten Augenblick etwas fremd vorkommen. Aber alles im allen kommt man meistens damit klar. Was aber, wenn du dich selbst befriedigst und du nur so richtig auf Touren kommst, wenn du an deinen miesen Chef, deine Erzfeindin oder Erzfeind oder an den/die richtig miese/n Ex denkst, den oder die du richtig hasst?

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Vielleicht ist das sadomasochistisches Kopfkino für deine Sololiebe. Oder ist es komplexer? Denn dass uns ausgerechnet Dinge geil machen, die wir im normalen Alltag verachten, ist gar nicht mal so selten. In der englischen Sprache hat man sogar ein Wort dafür: "hatesturbating". Und auch in der Serie "Sex and the City" hatte diese aggressive Kopfkinoform schon ihren Auftritt: Als Miranda, während sie selbst Hand anlegte, an einen Fahrgast im Bus dachte, der sie beleidigt hatte.

Ist etwas verkehrt mit mir?!

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Über Sexfantasien mit dem oder der dominanten Vorgesetzten wundert sich keiner, denn sich einfach mal unterwerfen zu wollen, gehört zu grundsätzlich nachvollziehbaren Gefühlen. Wenn diese Muster und Wünsche aber regelmäßig bei der Masturbation auftauchen, wird es für viele komisch – schließlich will man sich selbst Lust und Befriedigung schenken, wozu dann unterwerfen oder sich schlecht fühlen?

Tja, leider ist unsere Psyche und sind unsere Triebe komplexer als alle nachdenklichen Sprüche mit Bildern im Netz. Es ist ja so: Wenn du jemanden wirklich hasst – oder sagen wir mal, zumindest nicht magst – ist irgendwas in der Beziehung zu diesem Menschen schief gelaufen. Es liegt nicht mehr wirklich in deiner Macht, zu bestimmen, wie sich euer Verhältnis von da an gestaltet.

Kontrolle und Dominieren sind auch bei der Selbstliebe nicht ganz unwichtige Mechanismen

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Wenn du aber schmutzige Gedanken an so eine Person hast, während du es dir selbst besorgst, er oder sie in deiner Kopfkinofantasie genau die Dinge macht, die du willst – dann erlangst du zu einem gewissen Grad Macht zurück. Und Macht macht uns horny. Das ist im Gehirn verankert, weil es dann ganz viele Hormone ausströmt, die uns maßlos großartig vorkommen lassen. Zusammen mit den Hochgefühlen eines "normalen" Orgasmus kann sich das dann sogar noch besser anfühlen.

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Manchmal ist es aber auch einfach ganz simpel: Wir hassen vielleicht, wofür die Personen stehen, welche Ansichten sie verkörpern und wie sie handeln – aber Gosh, rein optisch betrachtet sind sie hot. Wenn deine Triebe erst mal auf Touren sind, schaltet sich die moralische Instanz schnell aus. Das ist dann nicht mehr so rational und in deiner Kontrolle. Auch wenn es sich wohl megastrange anfühlt sich einen auf David Cummings, Frauke Petry oder Donald Trump runterzuholen.

Hatesturbation = Hate-Sex

Szene aus Kanye Wests Musik-Video zu "Famous" – da landet er mit Erzfeindin Taylor Swift im Bett.

Es ist so ähnlich wie mit Hate-Sex: Da kanalisieren zwei Personen, die sich eigentlich hassen, ihre Spannungen in Lust um. Und das kann aufgeladener sein, als klassischer Ich-liebe-dich-Sex, weil damit sehr viele ambivalente Emotionen einhergehen, die sich entladen können. So wie wenn Kanye West im "Famous"-Musikvideo mit Taylor Swift in die Kiste steigt.

Muss man sich also Sorgen machen, wenn man hatesturbiert? Nope. Es ist, was es ist. Eine Fantasie in deinem Kopf, nicht mehr und nicht weniger. Und Dinge zu unterdrücken, hat noch nie gutgetan. Man muss wohl nur das unangenehme Gefühl danach irgendwie aushalten. Wie bei einem schlechten One-Night-Stand.

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  • Quelle:
  • Noizz.de