Wieso erlaubt Snapchat Pornos für Teenager?

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Snapchat hatte von Beginn an ein Sex-Problem.

Etliche User nutzen die sich automatisch löschenden Bilder, um Nacktfotos von sich zu versenden – schließlich lassen sich die Fotos nicht speichern. Dadurch leidet die Plattform seit Beginn unter einem Sexting-Ruf.

Und wo Sex ist, ist auch Geld nicht weit. Im Internet gibt es abertausende Angebote: kostenlos und kostenpflichtig. So bieten Produktionsfirmen exklusive Filmchen gegen Geld an.

Seiten wie Pornhub, Brazzers oder Netvideogirls nutzen auch soziale Medien wie Snapchat.

In manchen Pornos wird der Nutzername oder der Snapcode eingeblendet.

Die Produzenten von Netvideogirls gehen so weit, dass sie innerhalb des Videos die Protagonistin des Castings einen Snap von sich posten lassen. Will man ihn sehen, muss man nur den Channel auf Snapchat abonnieren. Also auf jener Plattform, die bereits ein Imageproblem hat. Die Plattform, auf der mindestens 40 Prozent der Nutzer unter 18 Jahre alt sind. Doch das ist erst der Anfang.

Auf amerikanischen Seiten kann man sich für verschiedene Damen entscheiden – so auch für Anny Aurora Foto: fancentro.com

Neben den Profi-Darstellerinnen gibt es weitaus mehr Amateurdarstellerinnen, die sich abends halbnackt auf der Couch posten. Der Großteil der Snapchat-Story besteht aus Teasern auf die Snaps, die man bekommt, wenn man das Premiumpaket abonniert – also bezahlten Content auf Snapchat.

Das Konzept stammt aus den USA, die Damen aus aller Welt. Auf amerikanischen Websites kauft man sich einen Zugang zum Premium-Account der gewünschten Lady. Bezahlt wird das Abo mit Kreditkarte, Sofortüberweisung oder auf Rechnung.

Durchschnittlich 20 Dollar kostet ein Monat. Hat man seine Bankdaten angegeben, hinterlegt man seinen Snapchat-Nutzernamen und erhält als Gegenleistung den Nutzernamen des exklusiven Accounts der jeweiligen Darstellerin. Du addest sie und sie addet dich, sobald deine Zahlungsdaten geprüft sind.

Volles Angebot: Neben einzelnen Damen, kann man auch Produktionsfirmen wie "Brazzers" abonnieren Foto: fancentro.com

„Snapchat toleriert das, da die amerikanischen Dienstleister sicherstellen, dass nur Volljährige die unzensierten Inhalte bekommen“, erklärt Darstellerin Anny Aurora.

Sie selbst snapt beinahe täglich auf ihrem öffentlichen Account. Auf ihrem exklusiven Account, den NOIZZ nach einem Gespräch mit ihr abonniert hat, erscheint erst mal nichts. Auch auf die Frage nach einem individuellen Bild gibt es keine Antwort.

Nach einigen Tagen das erste Lebenszeichen auf dem Privatzugang: zwei Bilder von ihren Brüsten – nicht mehr, nicht weniger. Zufälligerweise postet sie neue intime Snaps auf dem Bezahlaccount, kurz nach der Bitte von NOIZZ um Stellungnahme zu dieser Produktenttäuschung.

Auch mein individuelles Bild erhalte ich knapp einen Monat verspätet.

Ganz anders läuft es auf den Premiumzugängen der Produktionsfirmen. Brazzers zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Pornoproduktionen. Dementsprechend kostet hier der Zugang stolze 29 Dollar im Monat.

In der Regel werden dort Snap-Stories von Videodrehs gepostet. Somit bekommt der Nutzer regelmäßige Einblicke, wie ein Pornodreh abläuft. Ein Blick über die Schulter des Kameramanns, eine Szene bei der die Darstellerin den Hundefilter „trägt“.

Eine Blick in aktuelle Produktionen, mit dem typischen Hundefilter Foto: brazzers / Snapchat

An anderen Tagen snappen regelmäßig wechselnde Darstellerinnen intime Inhalte: Selbstbefriedigung an diversen Orten, Stripshows und Einblicke in das anscheindend versexte Leben. Mit etwas Glück liest die Dame die persönliche Nachricht und man bekommt ein individuelles Bild.

Eine Darstellerin las meine Nachricht und sendete ein individuelles Bild Foto: brazzers / Snapchat

Letztendlich ist der Kauf eines Premiumzugangs auf Snapchat keine gekaufte Sexting-Partnerin. Es wird mit dem Versprechen der Interaktion zwischen Nutzer und Darstellerin gespielt – jedoch bekommt man nur selten eine Antwort. Vielmehr scheint es so, als würde man nebenbei posten, um die Bezahlkundschaft mit abzufrühstücken.

Jedoch bleibt die Frage offen, wieso Snapchat solche Inhalte ungeprüft bereitstellt. Laut der Richtlinien der Plattform wird Pornografie entschieden verboten. Eigentlich selbstverständlich – da mindestens 40 Prozent der Nutzer minderjährig sind.

Unter „Sicherheit“ steht in Snapchats Richtlinien ausdrücklich, dass Pornografie verboten ist Foto: Snapchat

Vor allem, weil auch ein Jugendlicher unter 18 Jahren in der Lage ist, solch einen Dienst zu abonnieren und per Überweisung zu bezahlen.

Nun lässt sich anmerken, dass die Dienstleister wie Fancentro.com dafür sorgen müssen, dass nur Volljährige die Premiumzugänge erhalten. Snapchat zieht sich damit jedoch aus der Verantwortung und lässt die pornografischen Inhalte in der App stattfinden. Unterstrichen wird dies durch die Tatsache, dass sich Snapchat gegenüber NOIZZ bislang nicht zu dem Thema äußern wollte.

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