Ich bin ein Mann und weiß nicht, was ich vom Verhütungs-Gel für Männer halten soll

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Verhütungs-Gel Foto: besseralssex / Instagram

Zu gut, um wahr zu sein?

Die Zeiten, in der Mann und Frau nach katholischem Vorbild keinen Sex vor der Ehe haben und selbst dann, allein als Akt der Fortpflanzung miteinander schlafen, sind Gott sei Dank vorbei. Bei der freien Liebe gilt es allein eine Schwierigkeit zu überwinden: Wie verhindern wir, dass die Geschlechtsorgane ihren Job machen, wenn wir doch eigentlich nur rumvögeln wollen?

Verschiedenste Verhütungsmethoden haben im Laufe der Menschheitsgeschichte die Runde gemacht. Der Klassiker – Coitus interruptus – hat sich wahrscheinlich schon für Menschen des Altertums als eher unzuverlässige Methode erwiesen. Zeitgenössische Spitzenreiter sind das Kondom, die Pille und die Spirale.

Jetzt ist ein neues Verhütungsmittel kurz vor der Testphase und bahnt sich wie ein Allheilmittel an

Ein Gel, mit dem Mann sich vor dem Sex die Arme einreibt, um für kurze Zeit keine Spermien mehr zu produzieren. Das klingt erst mal unglaubwürdig, aber auch sehr, sehr nice. Ich zum Beispiel hätte gegen eine vor-dem-Vorspiel-Massage überhaupt nichts einzuwenden. Vor allem dann nicht, wenn sie die Angst vor ungewollten Kindern nimmt. Klassische Win-win-Situation.

Aber ist das wirklich so leicht?

So funktioniert's

Das Gel enthält zwei Inhaltsstoffe. Einer sorgt dafür, dass keine Spermien mehr produziert werden, der andere (Testosteron) sieht zu, dass Mann nicht die Lust verliert.

Derzeit ist die Wundertube aber alles andere als bereit für den Markt. Entwickler Nes/t plant gerade erst eine Testphase. Dafür sollen männliche Probanden sowohl das Gel, als auch andere temorär sterilisierende Mittel verwenden. Sobald die Stoffe nachweislich wirken, sollen die Probanden ein Jahr lang kontinuierlich nur noch das Gel verwenden.

>> Mehr dazu: Grüne fordern Gratis-Kondome für Leute ohne Kohle

Danach wird's knackig: Das Gel wird für sechs Monate abgesetzt und es wird untersucht, ob die Fruchtbarkeit zurückkehrt oder unwiderruflich zerstört ist.

Sind wir mal ehrlich

Dieses Gel klingt nur so toll, weil es einfach noch nicht getestet wurde. Es gibt weder eine Zahl, wie zuverlässig es wirkt, noch weiß man, wie viel Geld es wohl kostet und vor allem: Ob die Spermienproduktion des Mannes nicht für immer zerstört wird.

Grundsätzlich glaube ich, dass es keine Verhütungsmethode gibt oder geben wird, bei der man nicht irgendwelche Abstriche machen muss. Kondome sind ungemütlich und senken die Empfindsamkeit, die Spirale tut beim Einsetzen höllisch weh und die Pille oder dieses Gel verändern unsere Hormone und Organe. Was genau das für den einzelnen Menschen heißt, ist häufig Typsache.

Viele Frauen kritisieren die gesellschaftliche Erwartungshaltung, dass oft sie für die Verhütung verantwortlich gemacht werden und die Optionen – in der Regel Pille oder Spirale – ein bisschen wie Pest oder Cholera sind.

Das finde ich total verständlich. Ich als Frau würde zum Beispiel auch keine Pille nehmen. Eine künstliche hormonelle Veränderung sagt mir nämlich so gar nicht zu. Ich als Mann würde aber auch nie von meiner Freundin erwarten, dass sie die Pille zu nehmen hat.

Herren der Schöpfung: Seid keine ignoranten Arschlöcher

Jeder Mann hat die Verantwortung seiner Sexualpartnerin beim Thema Verhütung offen und ohne ans Geschlecht gebundene Erwartungshaltung gegenüberzutreten. Jede Frau muss selbst für sich entscheiden, was sie ihrem Körper zumuten möchte und kann. Mit Kondomen in der oberen Preisklasse gibt es immer eine ziemlich gute Lösung, die für beide gleichermaßen (un)bequem ist.

>> Zum Thema: Ich will nur noch Sex mit Kondom, seitdem mein Kumpel einen Aids-Test gemacht hat.

Jeder so, wie er kann. Was mich betrifft: Sobald ein Gel auf dem Markt ist, dass mich nicht für immer steril macht und sich als zuverlässige Verhütungsmethode ohne drastische Nebenwirkungen bewiesen hat, bin ich der erste Mann mit eingecremten Armen. Kein Thema.

Quelle: Noizz.de

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