Wenn zwei sich streiten, dann müssen sie sich beruhigen.

Vor allem dann, wenn sie ein Paar sind und das auch noch länger bleiben möchten.

Eine US-Studie hat jetzt untersucht, welche Versöhnungsstrategien Männer und Frauen für die besten halten. Sie geht gerade durch viele deutsche Medien. Glaubt man den Berichten, hat sie ergeben: Männer finden, dass Sex eine hilfreiche Methode ist, um Streit beizulegen. Frauen dagegen werden eher versöhnlich, wenn ihr Partner weint.

Das ist Quatsch – Noizz sagt Euch, warum.

Die Forscher hatten für ihre Untersuchung eine Liste mit 21 Verhaltensweisen erstellt, die die Befragten in ein Ranking bringen sollten. Auswählen konnten die Teilnehmer zum Beispiel zwischen „Geschenke machen“, „den Anderen zum Lachen bringen“, „für den Partner kochen oder backen“ und „so tun, als wäre nichts passiert.“

Sex als Versöhnungstaktik landete bei Männern auf Platz 16, bei Frauen nur auf Platz 17. Von Tränen als Streitschlichter halten Männer scheinbar nicht viel: „Weinen“ belegte bei ihnen nur Platz 19.

Besonders weit vorne liegt also weder das eine, noch das andere. Schon die Studie an sich gibt also die Schlagzeile „Frauen brauchen Tränen und Gefühle, Männer immer nur Sex“ nicht her.

Das Ganze klingt ganz schön vorurteilslastig. Das bestätigt auch die Paartherapeutin Julia Bellabarba aus Berlin. Sie ist nicht überzeugt von den Studienergebnissen. „Die Studie untermauert Geschlechter-Klischees“, sagt sie.

Bellabarba hat noch nie einen geschlechterspezifischen Trend festgestellt, was Versöhnungen nach Streits angeht. „Es kommt eher darauf an, wie der kulturelle Hintegrund und die Erziehung von jemandem aussieht. Wenn in der Familie bestimmte Verhaltensweisen gepflegt werden, ist es wahrscheinlicher, dass er sie übernimmt.“

Was rät die Therapeutin? „Paare können in einer Situation, in der sie gerade nicht streiten, eine Art Vereinbarung treffen. Einfach den anderen fragen: ,Was brauchst du von mir, wenn wir uns streiten?'“ Dabei können die verschiedensten Antworten herauskommen. Manche brauchen in Streitsituationen eher körperliche Zuwendung, andere freuen sich über einen Blumenstrauß.

Einen Fehler sollte man nicht machen: Nach dem Motto handeln „Was mir gut tut, tut dem Partner sicher auch gut.“ Das sei oft eine Strategie – aber sie verschlimmert die Streits meistens, so Bellabarba.

Also lieber empathisch sein, sich in den Partner hineinversetzen. Darauf vertrauen übrigens auch die meisten Studienteilnehmer: Auf Platz eins bei beiden Geschlechtern liegt die Strategie „Kommunizieren“.

Quelle: Noizz.de