Als Chrystul ihren mutmaßlichen Vergewaltiger kennenlernte, war sie erst 16 Jahre alt.

Ein Gericht im US-amerikanischen Wisconsin hat die 19-jährige Chrystul Kizer wegen Brandstiftung und vorsätzlichen Mordes ersten Grades angeklagt. Ihr droht lebenslange Haft – weil sie den 33-Jährigen Randy Volar erschossen haben soll, der sie mutmaßlich mehrmals sexuell missbraucht und für Sex an andere Männer verkaufte.

Nach einer Reportage der "The Washington Post" hatte das Mädchen Randy Volar im Alter von 16 Jahren über die Website "Backpage" kennengelernt, die mittlerweile aufgrund von Menschenhandels beschlagnahmt wurde. Laut der Reportage band Volar das Mädchen mit teuren Geschenken und Geld für ihre Familie an sich. Später forderte er Rückzahlungen in Form von Sex ein, drohte ihr mit Gewalt und Tod. Laut "Washington Post" missbrauchte Volar das Mädchen über Jahre sexuell, verkaufte sie für Sex an andere Männer und filmte seine Taten.

Randy Volar Foto: Kenosha County Sheriff

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Volar missbrauchte nachweislich ein Duzend minderjähriger Schwarzer Mädchen

Kizer war nicht das einzige Opfer: Der Mann wurde im Februar 2018 verhaftet unter anderem wegen sexueller Übergriffe auf Kinder – wurde dann aber ohne Kaution freigelassen. Sogar nachdem die Polizei Beweise fand, dass Volar etwa ein Duzend minderjähriger Schwarzer Mädchen missbrauchte (eines könnte erst 12 Jahre alt gewesen sein), lebte der Mann weiter in Freiheit.

Laut "Washington Post" wusste die Polizei auch, dass Volar 800.000 Dollar Anlagen bei der Bank hatte und zwischen November 2017 und Mai 2018 Überweisungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar machte. Volars Bank meldete die Aktivitätsmuster als typisch für Menschenhandel.

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Ein Ende fand das Leid, das Randy Volar, jungen Schwarzen Mädchen bereitete, erst in der Tatnacht im Juni 2018. Kizer sagte der "Washington Post", der 33-jährige Volar habe sie unter Drogen gesetzt und auf den Boden gedrückt, um sie zu vergewaltigen. Nachdem sie es schaffte, sich zu befreien, soll das Mädchen Randy Volar zweimal in den Kopf geschossen, aus Panik die Leiche in Brand gesetzt haben und anschließend mit dem Wagen des Toten geflohen sein. Sie gestand die Tat zwei Tage später. Vor Gericht erklärte sie: "Ich habe nicht absichtlich versucht, das zu tun."

Chrystul Kizer Foto: Change.org

Staatsanwaltschaft argumentiert: Kizer wollte Volars BMW stehlen

Die Staatsanwaltschaft in Wisconsin argumentierte jedoch, Kizer habe die Tat nicht aus Notwehr, sondern vorsätzlich begangen. Der zuständige Staatsanwalt Michael Graveley begründetet das Urteil damit, dass Kizer den Mann habe töten wollen, um seinen BMW zu stehlen. Das Gesetz, das es Kindern, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, ermöglicht, von bestimmten Anklagen freigesprochen zu werden, gelte deshalb nicht im Fall von Kizer – das entschied ein Richter am 9. Dezember. Die 19-Jährige bleibt damit im Gefängnis. Ihr Anwalt will gegen das Urteil Berufung einlegen.

Kinder of Color werden immer noch als willige Teilnehmer am Verkauf von Sex gesehen

Laut "Washington Post" handelt es sich bei den Opfer von Kindersexhandel in Amerika um verletzliche Kinder, die nicht entführt oder gefangen gehalten werden, sondern von jemandem, dem sie vertrauen, gelockt werden und so manipuliert werden, dass sie glauben, die Schuld für den Missbrauch selbst zu tragen. Eine Realität, die von vielen Polizisten und Strafverfolgern nicht erkannt wird. Auch rassistische Vorurteile spielen in derartige Fälle: Kinder of Color werden immer noch als willige Teilnehmer am Verkauf von Sex gesehen, erklärte Rachel Monaco-Wilcox, Leiterin einer Rechtsberatung für Menschenhandelsopfer in Wisconsin, gegenüber der "Washington Post".

Cyntoia Brown Foto: Getty Images / Paras Griffin

Chrystul Kizers Fall gewinnt Aufmerksam in der Öffentlichkeit zeitgleich mit der Freilassung und Buch-Veröffentlichung von Cyntoia Brown: Im Alter von 16 Jahren wurde sie zu 51 Jahren bis lebenslanger Haft verurteilt, weil sie einen Mann tötete, der sie für Sex gekauft hatte. Nachdem ihr Fall 2017 inmitten der #MeToo-Bewegung viral ging, wurde ihre Haftstrafe auf 15 Jahre reduziert. Am 7. August 2019 wurde sie deshalb freigelassen.

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Quelle: Noizz.de