Und es hat mit deinen Freunden zu tun.

Dezember. Dieses Wort löst mehr in mir aus, als alle anderen Monate zusammen. Das Wort riecht nach Zimt, schmeckt nach Champagner und fühlt sich an wie zwei Tage Hangover des Todes.

„Dezember“ ist ein Versprechen. Gepanschter Wein und Teigexperimente, auf die das Gesundheitsamt mal einen Blick werfen sollte. Aber auch: Gemeinsamkeit. Besinnlichkeit. Leute treffen, rausgehen, die Adventszeit feiern, Feuerkörbe nach der Dämmerung und Puderzucker auf dem Wollmäntelchen.

Was ich in jedem Jahr kriege ist: „Ne sorry, heute haben wir Weihnachtsfeier.“ Oder: „Ja, lass mal machen! Welcher Tag passt euch denn?“ – die Antwort lautet natürlich: der 15. Dezember 2021, jedenfalls wenn es nicht regnet. Läuft bei uns.

Unterm Strich kommen meist ein, zwei Abende heraus, man trifft sich zentral. Niemand will weit weg von seinem Arbeitsplatz, und ein Umweg geht natürlich auch nicht: „Ich muss auf dem Heimweg noch einkaufen“.

Im Dezember treffen sich also nur noch Menschen, deren Wege von Job und Uni nach Hause sich zufällig kreuzen.

Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt. Aber der Dezember birgt zwei Probleme: Alle müssen in diesem Jahr noch irgendwas fertig kriegen. Und der Monat ist kurz. Selbst wer zwischen den Jahren arbeitet, der bezeichnet das nicht wirklich als Arbeit, denn wenn es Arbeit wäre, würde es ja niemand machen.

Unterm Strich hat der Dezember also statt viereinhalb Wochen nur drei. Darin liegen Weihnachtsfeiern, Verpflichtungen in der Familie, Geschenke (habt ihr eigentlich schon alle beisammen? Na?) und eben die ganze Last eines wieder einmal vollkommen unerwartet verkürzten Monats.

Zeit für Freunde? Kaum. Und das ist absurd. Denn eigentlich beklagen wir uns so gern über den Stress der Weihnachtszeit, andererseits bleiben genau jene Aktivitäten auf der Strecke, die den Stress abmildern könnten.

Verbringen wir Zeit mit Freunden, können wir uns entspannen. Wir spüren eine Sicherheit, die wir unter Fremden und Kollegen oft nicht haben. Das hier sind die Menschen, die uns kennen und mögen, so wie wir sind, egal wie wir sind. Nehmen wir uns viel Zeit für sie, dann leben wir sogar länger, so intensiv wirkt Freundschaft und so intensiv wirkt Stress, wenn er nicht gemildet wird.

So ein Abend mit guten Menschen ist also genau das, was wir als Vorbereitung für die Sonntagsschlacht in der Mall und die Heiligabendsschlacht mit Tante Romilda gebrauchen können. Wir sollten aufhören, einander in der angeblich stressigsten Zeit des Jahres zu vernachlässigen. Es ist der perfekte Moment, um wieder Zeit miteinander zu verbringen.

In diesem Sinne, liebe Freunde, bitte haltet euch den 15. Dezember frei. 2021.

Quelle: Noizz.de