Je größer der Hass, desto harmonischer die Liebe?

Ich hasse Menschen, die langsam laufen. Wisch.

Erste Dates? Mag ich nicht. Wisch.

Die Kardashians finde ich sch…. Wisch.

Und Nuklear-Waffen? Wisch!

Die App „Hater“ ist Tinder für mies gelaunte Menschen. Hier haben zwei User ein Match, wenn sie die gleichen Dinge hassen.

Auf dem Startbildschirm zeigt mir die App verschiedene Szenarien an, wie „Essen Fotografieren im Restaurant“ – wische ich nach rechts like ich, nach links bedeutet, ich hasse es, tippe ich in die Mitte: Gleichgültigkeit. Über 2.000 Szenarien kann der User bewerten. Anschließend kann ich noch meine genaue Meinung dazu aufschreiben.

Nachdem ich ein paar Dinge bewertet habe, schlägt mir die App potenzielle Partner vor. Die Idee dahinter: Wer gemeinsam hasst, passt besser zusammen.

Das Prinzip funktioniert genauso wie Tinder: Wenn beide nach rechts wischen, haben sie ein Match. Robin sieht ganz sympathisch aus mit seinen dunkelbraunen Locken, finde ich. Wisch. Und siehe da: „Robin und du hasst euch nicht!“, steht auf meinem Bildschirm. Wir haben ein Match. Es dauert nicht lange bis Robin schreibt: „Hi, wie geht’s?“

In den USA ist die App schon ziemlich beliebt, aber auch in Deutschland findet sie immer mehr begeisterte User. Aber kann das wirklich funktionieren? Sind Paare tatsächlich glücklicher, wenn sie gemeinsame Abneigungen teilen?

Der Paartherapeut Eric Hegmann sieht das kritisch: „Pessimisten küsst niemand gerne. Wir wissen sehr genau, wie abschreckend in Profilen negative Sätze wirken“, sagt er zu NOIZZ. Jeder wünsche sich einen Partner, mit dem man auch in zehn Jahren noch Freude erleben wird. Wer meckert, lästert oder abwertet, signalisiere damit: „Warte ab, bis ich dich mal nicht mag und was ich dann über dich sage!“

Von der App „Hater“ hält Hegmann deshalb nicht viel: „Im Grunde geht es doch bei dem Prinzip nur darum, sich aus der Masse der Dating-Apps hervorzuheben. Dabei setzen sie statt auf eine ausgewogene Mischung von Gemeinsamkeiten und Ergänzungen, auf negative Ähnlichkeiten.“ Aber nur Optimismus mache dauerhaft anziehend und die Gefahr, dass sich die Pessimisten rasch gegenseitig abwerten, sei viel zu groß, sagt Hegmann.

Ich habe „Hater“ nun drei Tage lang getestet. Meinen Traummann habe ich noch nicht gefunden, allerdings sind die Chats mit meinen Matches auch eher oberflächlich. Tiefergehende, interessante Gespräche – Fehlanzeige! Ähnlich wie bei Tinder geht es hier nur um schnellen Sex, habe ich den Eindruck.

Quelle: Noizz.de