Der neue Clip von Elektromarkt Saturn ist extrem emotional.

Eine Frau besucht ihren Vater mehrmals im Altersheim, aber er erkennt sie nicht wieder, starrt einfach nur ins Nichts. Irgendwann bricht sie zusammen, weint bittere Tränen. Ihr Name ist Anna – genauso wie der neue Clip von Elektromarkt Saturn, der seit Mittwoch bereits mehr als eine Million Mal angeschaut worden ist.

Gute Werbung berührt Menschen, lässt sie nicht unverändert zurück. Und jubelt ihnen währenddessen ihr Produkt unter.

Das ist in der Vergangenheit vor allem Edeka immer wieder gelungen – mit seiner Eatkarus-Werbung, die wir nicht so toll fanden, und seiner Grill-Werbung, die uns auch nicht gut gefiel. Immerhin haben wir die Lidl-Werbung gefeiert, die sich über Edeka lustig gemacht hat. Von Elektromärkten kennen wir bislang eher „Ich bin doch nicht blöd!“ und „Geiz ist geil!“. Also voll auf die Fresse. Dass ein Testosteronladen zarte Saiten anschlägt, ist ungewöhnlich.

Aber genau das tut Saturn. Denn in „Anna“ hat die verzweifelte Tochter Anna eine super Idee. Sie besorgt sich – natürlich bei Saturn – eine Virtual-Reality-Brille und bespielt sie mit alten Erinnerungen. Annas Vater setzt die VR-Gadget auf und sieht Szenen längst vergessener Zeiten.

Als er die Brille wieder abnimmt, kommt der absolute Gänsehautmoment. Und schwupps! hat Saturn unsere Welt besser gemacht. Schöner. Wärmer. Lebenswerter. Denn sind wir nicht alle ein bisschen Anna?

Und genau darin liegt das Perfide dieser Werbung. Sie benutzt eine unserer krassesten Ängste, um uns zum Konsum zu bewegen: die Angst, einen Menschen, der uns unheimlich nah ist, endgültig zu verlieren. Darf Werbung das? Klar. Wir dürfen bloß nicht darauf reinfallen ...

Übrigens war „Anna“ nicht das einzige Video von Saturn. Der Elektromarkt hat gleichzeitig drei weitere Clips veröffentlicht, die auch sehr gefühlsbetont sind, aber bei weitem nicht so oft geschaut worden sind – nämlich nur ein paar Tausend Mal.

Quelle: Noizz.de