Weil seine Schwester positiv auf das Coronavirus getestet wurde, musste Felix* mit seiner Tochter in Quarantäne. Hier erzählt er, welche erschreckenden Erfahrungen er mit den Behörden gemacht hat und wie es sich in angeordneter Quarantäne lebt.

Felix* Schwester wurde postitiv auf das Coronavirus getestet. Weil sie vorher noch persönlichen Kontakt zueinander hatten, muss auch Felix in Quarantäne. Wie chaotisch das Vorgehen der Behörden war, wie schwierig es war, an einen Test zu kommen und wie es sich in angeordneter Quarantäne lebt, das hat er NOIZZ erzählt. Als ich mit Felix telefoniere, ist es Montag. Da sitzt er bereits sechs Tage mit seiner Tochter in den eigenen vier Wänden in Quarantäne – und wartet auf die eigenen Testergebnisse. Angst habe er nicht sagt er, aber er sei beunruhigt.

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"Das Gesundheitsamt hat komplett falsch reagiert"

"Meine Schwester ist krank aus dem Skiurlaub in Ischgl wiedergekommen. Sie wurde in Köln auf Corona getestet – und der Test fiel positiv aus. Wir hatten uns an dem Morgen noch gesehen, deshalb habe ich beim Gesundheitsamt in Köln angerufen, um zu fragen, wie wir uns jetzt verhalten sollen. Die haben komplett falsch reagiert: Es sei nichts zu tun, Ischgl sei ja kein Risikogebiet. Theoretisch hatte ich also keine Anhaltspunkte irgendetwas zu machen. Ich hätte zur Arbeit gehen können und so weiter.

Tatsächlich war in Ischgl aber bereits vor mehreren Tagen der erste Fall gemeldet worden. Einen Tag zuvor wurden bereits sämtliche Bars geschlossen. Trotzdem hat es bis zum Wochenende gedauert, bis Ischgl endlich als Risikogebiet eingestuft wurde. Das Gesundheitsamt hat mich dann erst am Freitag angerufen. Das heißt: Mittwochmittags wussten wir schon, dass meine Schwester positiv getestet wurde. Freitag wurde mir erst gesagt, dass ich auf jeden Fall zuhause bleiben soll. Weil ich mich zum Glück auch bei einem anderen Gesundheitsamt erkundigt habe, war ich aber trotzdem schon seit Mittwoch mit meiner Tochter in Quarantäne.

Die Skigebietsstädte Sankt Anton und Ischgl stehen mittlerweile beide unter Quarantäne. Die Polizei kontrolliert dort.

Endlose Warteschleifen und heftige Vorsichtsmaßnahmen

Meine Schwester hat jetzt seit sieben Tagen Fieber, meist zum Abend ist es besonders hoch. Die anderen drei aus ihrer Urlaubsgruppe haben recht leichte Symptome. Zum Glück gehört aber keiner zur Risikogruppe. Wir haben beschlossen, so schnell wie möglich selbst auch an einen Test zu kommen. Man wird nur getestet, wenn man Kontakt zu einer Person hatte, die bereits mit dem Virus infiziert ist und wenn man zudem Symptome zeigt. Meine Tochter hatte Schnupfen und ich hatte leichten Husten.

Ich habe seit Mittwoch versucht, bei der Patientenhotline 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes durchzukommen. Aber es hat bis Samstagnacht um 4:30 Uhr gedauert, bis ich jemanden erreicht habe. Vorher bin ich ständig aus der Leitung geflogen. Da scheint ein ziemlich hoher Andrang zu sein. Als es endlich geglückt ist, kamen sie dann aber direkt am nächsten Tag vorbei, haben Abstriche gemacht und seitdem warten wir auf das Ergebnis. Ich glaube, er wird negativ ausfallen, weil wir doch sehr aufgepasst haben. Es war aber schon heftig: Die kommen komplett im Schutzanzug. Am Ende ziehen sie den noch draußen aus und lassen den da. Heftige Vorsichtsmaßnahmen.

Derartige Anzüge sollen vor Ansteckung schützen.

Das Schlimmste an der Quarantäne

Man kann gerade nicht absehen, wie lange das alles überhaupt noch dauern wird. Man sagt ja, die Quarantäne dauert zwei Wochen. Es kommt jetzt aber natürlich darauf an, wie der Test ausfällt. Man bekommt wenige Informationen dazu, wie lange es dauert und ich weiß auch nicht, wie man das selbst dann feststellen soll. Aber das ist alles Meckern auf hohem Niveau. Im Grunde fehlt uns nichts. Meine Tochter hat quasi Ferien – der gefällt die Quarantäne bisher also ganz gut. Wir haben zum Glück auch einen Garten. Aber es ist schon langweilig. Mit Essen versorgt werden wir von der Mutter, die hier mit im Haus lebt. Die stellt das Essen in den Hausflur für uns.

Die Überforderung ist beunruhigend

Angst habe ich eigentlich nicht, aber es ist beunruhigend, das Ausmaß der Überforderung zu sehen. Behörden, Gesundheitsämter, alles womit ich Kontakt hatte, war völlig überfordert. Dabei sind wir erst am Anfang! Es wird ja immer mehr. Ich hoffe, es pendelt sich ein."

*Name von der Redaktion geändert. Protokolliert von Alisha Archie.

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  • Quelle:
  • Noizz.de