Dating und Drogen: Zwei Dinge, die in der richtigen Dosierung wahnsinnig aufregend und spannend sein können – und in falscher Gesellschaft schnell mal in die Hose gehen.

Zum Anti-Drogen-Tag haben wir Geschichten von Rausch-Rendezvous gesammelt, die schiefgegangen sind. Ergötzt euch an unseren Erfahrungen – wir hoffen, dass ihr sie nie selber machen werdet.

Mara, 22: "Ich war in einer fremden Stadt, mit einem fremden Kerl – und nicht mehr in der Lage, auch nur einen Satz zu formulieren."

Eines meiner missglücktesten Dates hat mit harmlosem Weed zu tun: Ich habe zu dem damaligen Zeitpunkt gerade erst angefangen, ein bisschen regelmäßiger zu kiffen und konnte noch nicht einschätzen, wie krass mein Körper auf verschiedene Gras-Sorten und Dosierungen reagiert. Ich hatte in Hamburg einen heißen Typ auf Tinder kennengelernt, der aber leider aus Köln kam. Nachdem wir uns in Hamburg das erste Mal auf ein Date getroffen hatten, das superentspannt und schön war, haben wir uns ein paar Wochen später spontan in Köln wiedergesehen.

Wir wollten am Nachmittag einfach chillen, er wollte mir sein Viertel zeigen und fragte, ob ich cool damit sei, wenn wir uns einen Joint teilen würden. War ich natürlich. Aber ich hatte keine Ahnung, dass er das Ding komplett ohne Tabak gebaut hatte. Das Weed klatschte mich weg, wie der Meteorit vor ein paar Millionen Jahren die Dinosaurier weggepustet hat: Mein Hirn war eine einzige Wolke, ich war nicht mehr in der Lage, auch nur einen klaren Satz zu formulieren. Ich war in einer fremden Stadt, mit einem fremden Kerl – aber komplett in meinem eigenen Kopf gefangen.

Wie stoned kann man sein?

Ich schwieg also den kompletten (gefühlt stundenlangen) Spaziergang, war gleichzeitig hyperüberfordert mit den mir völlig fremden Straßen, paranoid wegen der vielen Leute (natürlich war es ausgerechnet Samstagnachmittag und somit Shopping-Rushhour) und damit, dass ich auf den Typ den langweiligsten Eindruck der Welt gemacht haben muss. Ich betete einfach nur noch, dass das High schnell wieder verfliegen würde – aber als es endlich so weit war, war die Stimmung schon so gekillt, dass wir uns danach nie wieder getroffen haben. Damals hab ich mir geschworen, wirklich nie wieder mit Fremden fremdes Weed zu rauchen – jedenfalls nicht alleine, in einer mir unbekannten Umgebung und wenn ich mein Gegenüber auch nur im entferntesten süß finde. Denn so cool gemeinsames Schweigen mit vertrauten Menschen sein kann – peinliche Stille mit Fremden ist es nicht.

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Tom, 26: "An dem Punkt war sie echt nur noch 'ne giggelnde, Russisch sprechende Pilzfee."

Jut, also ich muss dazu sagen, das ist schon ein bisschen her. Ich war mal wieder am Wochenende auf Tour und bin dann am Ende im Kitty (Berliner Club, Anm. d. Red.) gelandet. Schon total verballert bin ich dann auf der Tanzfläche einem Mädel näher gekommen. Die sah nach Model aus: Groß, blond, schlank – kam aus der Ukraine und war nur zu Besuch. Nun jut, wir haben dann zusammen mehr MDMA gedippt und wurden ganz flauschig und touchy. Schnell kam die Frage auf, wo wir hinkönnten, um weiterzumachen, jedoch hatte weder sie noch ich 'ne Butze zur Verfügung an dem Tag.

Beim Raven war alles noch gut ...

Wir haben uns dann darauf geeinigt, uns am nächsten Abend zum Essen zu treffen und die Sache dann bei mir – da hatte ich wieder meine Bude für mich – fortzusetzen. Wir haben uns in einer Pizzeria in Friedrichshain getroffen. Sie sah extrem gut aus, mit Kleidchen und allem. Ich muss sagen, dass sie nur gebrochenes Englisch konnte, also war die Kommunikation etwas schwierig. Trotzdem war alles gut am Anfang – bis sie anfing, komisch zu werden. Mitten im Gespräch schweifte ihr Blick ab, sie fing an, über Sachen zu lachen, die nicht witzig waren. Dann sprang sie auf einmal auf und lief schnell zur Toilette, als hätte sie einen Notfall, als sie zurückkam, war sie aber wieder normal.

Das Ganze wurde immer abstruser: Zum Beispiel sprach sie plötzlich so laut, dass die Nachbartische alle zu uns rüber geschaut haben. In ihre Sätze mischten sich immer mehr russische Worte, sodass ich bald gar nichts mehr verstanden habe. Irgendwann nahm ich dann ihre Hand und habe gesagt: "Hey, hey, schau mich an, warte mal eine Sekunde, was ist los mit dir?" Sie hat mir dann gestanden, dass ihre Freunde Pilze geschmissen haben und sie einfach auch eine Handvoll genommen hat, bevor sie losgegangen ist.

Okay, ich kenne Pilze – und wusste, wenn sie gerade auf ihrem ERSTEN Pilztrip auf einem Date, mit einem Fremden in einer fremden Stadt ist, dann ist der Abend gelaufen. Ich habe sie dann schnell aus dem Restaurant bugsiert, ein Taxi gerufen, konnte sie dann jedoch nicht alleine mit dem Taxi fahren lassen, denn an dem Punkt war sie echt nur noch 'ne giggelnde, Russisch sprechende Pilzfee.

Schnell rein ins Taxi.

Ich bin also mit ihr zu ihren Freunden gefahren – es hat ewig gedauert die Adresse aus ihr rauszubekommen. Ich habe sie bei ihren Freunden abgegeben und bin nach Hause. So, dat war also das Date mit meinem Pilzmodel aus der Ukraine.

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Rosa, 25: "Ich schleppte den heulenden, trippenden Typ durch die Straße – hätte ich gewusst, wie sich dieser Abend noch entwickelt, hätte ich niemals mit ihm geschlafen."

Meine gruseligste Erfahrungen war ein Date mit einem Kerl, der anscheinend dachte, es sei entspannt, vor unserem Treffen das erste Mal Codein zu nehmen, das mit ein paar Drinks runterzuspülen und bisschen zu kiffen – thanks for that, Mate! Natürlich hatte ich keine verdammte Ahnung, was auf mich zukommen würde, als wir uns bei ihm trafen. Er war anfangs noch komplett süß, ich horny und verliebt – eines führte ziemlich schnell zum anderen.

Doch als er plötzlich anfing, mir komplett abtörnende, dominante Schulmädchenscheiße ins Ohr zu brüllen und mich einfach nur noch für seine Lust zu missbrauchen, fühlte sich das alles nur noch gewaltig falsch an. Das war nicht die Sorte Sex, für die ich mich mit ihm verabredet war – und er nicht die Sorte Kerl, von dem ich mich vögeln lassen wollte. Ich war überfordert mit der Situation: Er komplett in irgendeinem weirden Fantasie-Trance über, auf und in mir, so weggetreten, dass ich nicht mal wusste, ob er überhaupt realisierte, mit wem er in dem Moment schlief. Mir war danach so schlecht, dass ich mich sofort anzog und nur noch aus seiner beschissenen Wohnung rannte. Ich war wütend auf mich selbst, unfassbar verletzt – und gleichzeitig komplett geschockt, was da gerade passiert war.

Und so machte ich den größten Fehler, den ich hätte machen können: Ich entschied, noch mal zurückzugehen, um rauszufinden, was mit ihm los war. Irgendwie dachte ich innerlich vielleicht auch, dass das alles ein großes Missverständnis sei – die rosarote Brille hing immer noch wie festgeklebt auf meiner Nase, obwohl ich wirklich traumatisiert war, von dem, was mir da gerade passiert war. Ich lief zurück und bat ihn, ein paar Runden mit mir durch die Stadt zu laufen. Er willigte ein – und der zweite Albtraum begann: Kaum losgelaufen, fing er an wirres Zeug zu erzählen, lauthals hysterisch loszulachen und direkt danach anzufangen zu weinen, als gäbe es kein Morgen. Spätestens da war mir klar: Der Typ war auf'm miesen Trip. Keine Ahnung, ob das nur vom Mischkonsum ausgelöst worden war oder ob er vielleicht eh schon psychisch angeschlagen war, auf jeden Fall war er komplett raus.

Mieser Trip, mieser Abend

Hätte ich ihn in dem Moment einfach stehen lassen sollen? Das konnte ich aber nicht mit meiner verdammten Empathie vereinbaren – ich schleppte den heulenden, trippenden Typ also durch die Straße – aus Angst, dass er irgendwas richtig Dummes tun würde, würde ich ihn alleine lassen. Hätte ich gewusst, wie sich dieser Abend noch entwickeln würde, hätte ich niemals mit ihm geschlafen. Viereinhalb Stunden zog sich die Psycho-Odyssee, bis ich schließlich eine Gruppe seiner Freunde traf, an den ich den Boy, am Ende meiner Nerven, übergab – und endlich erfuhr, was er sich vor unserem Treffen reingezogen hatte. Das Beste: Am nächsten Tag schrieb er mir, was er für einen schönen Abend gehabt hatte. Well.

Franka, 29: "Ich, high as fuck, weil ich seit Stunden Emma-Schorle trank, im Flirt-Ping-Pong mit meinen Matches. Abwechselnd zogen sie mich in die Küche, in das Badezimmer, auf den Balkon, raus auf den Flur."

Ich war 23 und erst ein paar Wochen in Berlin, als ich meine erste Bude bezog. Grund zu feiern, dachte ich mir. Ich organisierte, wie es sich für die Discoministerin gehört, eine große Einweihungsparty — samt DJ-Set und Dancefloor mit Nebel (wie gesagt, ich war 23 und der Nebel noch wichtig für mich), MDMA-Bowle in und aus der Badewanne und 'ner Menge Freunde.

Eigentlich hatte ich noch keine "Menge Freunde" in Berlin, da ich ja gerade erst angekommen war — ich lud also meine Handvoll echter Freunde ein und noch die ein oder andere Bekanntschaft der ersten Wochen. Die sind meistens auf den Clubtoiletten entstanden. Mehr als die Form der Ecstasy-Teile wurde nicht besprochen. Aber für eine Partyeinladung hat mir das (damals) gereicht.

Nun stand ich am Morgen der Party mit einer guten Freundin in meiner Küche, wir schnitten das Obst für die (viel zu starke, wie sich am Ende herausstellte) Emma-Bowle, als wir auf das Thema Girls kamen. Meine Freundin squeezte eine Orange in die Bowle: "Kommt denn eigentlich ein Tinder-Date von dir?" Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht nur die Stadt und Emma-Bowle, sondern auch Tinder neu für mich entdeckt.

Ich konnte anscheinend wirklich gut tindern — ich hatte mir zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Melone in die Sektschale schnitt, sechs Frauen in meinen Tinder-Chat getextet, um mit ihnen über ihre Vorlieben bei Eissorten, beim Sex oder in der Musik zu schreiben. Meine Freundin hatte recht, ich sollte ein Tinder-Date einladen — wieso eigentlich nicht?! Nur mit welchem Mädchen macht Party machen am meisten Spaß? Ich scrollte also durch meine Matches, während ich an meiner ersten Emma Bowle sippte.

Ich schrieb einem Tinder-Date und fragte sie, ob sie nicht auch zu meiner Party kommen wolle. Ihre Premium-Kombo an Ausrufezeichen hinter dem "JA" und ihrer sofortigen Zusage hat mich dann aber abgeturnt. So sehr, dass ich nach einer halben Stunde dachte, ich schreibe ihr, sie solle sich eine Freundin mitbringen und ich lade einfach noch ein anderes Tinder-Match ein. Auch hier kam relativ schnell eine Zusage. Über den Tag wurde also das Party-Set-up fertig reguliert, es wurden weitere MDMA-Schorlen gesippt und die ersten Freunde kamen, um vorzufeiern. Vor der Party. Whatever. Da ich ein sehr fairer Mensch bin und immer alle gleich behandeln will, kamen mir so drei Emma-Schorlen gerade recht, um der Gerechtigkeit noch mehr Bühne zu geben — ich war irgendwann so high, dass ich es unfair fand, die anderen Matches nicht auch einzuladen. Also lud ich alle sechs Matches zu meiner Party ein. Ich war vermutlich auch einfach super horny. I don't know.

Party, Party

Als die Party dann offiziell startete, kamen auch alle Tinder-Dates. Und keine kam mit Begleitung — alle waren alleine und allen hat man angesehen, dass sie nur da waren, weil ich — ihr Date — sie eingeladen habe. Well. Ich, high as fuck, weil ich seit Stunden Emma-Schorle trank, also im Flirt-Ping-Pong mit meinen Matches. Abwechselnd zogen sie mich in die Küche, in das Badezimmer, auf den Balkon, raus auf den Flur ... und wollten mich für sich alleine haben. Ob sie gerafft haben, dass sie alle im selben Game sind, weiß ich nicht. Mir wurde es irgendwann viel zu viel (obviously, mit sechs Dates in einer 40-Quadratmeter-Butze) — als mich dann die Ersten vor der weiteren Partygesellschaft (und somit auch vor den anderen Dates) küssen wollten, ist bei mir alles durchgebrannt und ich hab mich derbe umgenagelt mit allen Drugs und Alkoholen, die ich so finden konnte.

Mein Kumpel, der aufgelegt hat, hat sich die ganze Zeit nur totgelacht und den Kopf geschüttelt. Ich weiß bis heute nicht, was mit den Mädchen im Laufe des Abends passiert ist. Eine blieb bis zum nächsten Tag — aber auch die hab ich nach dem Aufwachen nie wieder gesehen.

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Quelle: Noizz.de