Prostituierte und andere Sexarbeiter*innen trifft die Coronakrise schwer – seit Monaten können sie ihren Job nicht ausführen, haben kaum Rücklagen und kämpfen um ihre Existenz. Deswegen fordert nun auch die Aidshilfe die Politik dazu auf, Prostitution trotz des Coronavirus' wieder zuzulassen.

Trotz der weiter schwelenden Coronavirus-Pandemie sollte Prostitution aus Sicht der Deutschen Aidshilfe zügig wieder erlaubt werden – in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte lägen vor, erklärte der Verband. Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Tschechien hätten den Schritt bereits vollzogen. Hierzulande werde Prostitution dagegen zurzeit ins Verborgene verdrängt und finde somit unter gefährlichen Bedingungen statt.

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Ulf Kristal vom Vorstand der Aidshilfe sagte, Sexarbeit dürfe nicht anders behandelt werden als andere Tätigkeiten mit engem Körperkontakt.

"Niemand hat darüber zu urteilen, ob für jemand anderen ein Friseurbesuch oder ein sexuelles Erlebnis wichtiger ist."

Corona bedeutet für viele Sexarbeiter*innen ein Leben am Existenzminimum

Hamburger Sexarbeiterinnen protestieren am 11. Juli 2020 gegen die Lockdown-Maßnahmen der Bundesregierung: "Ein Stück Hamburg stirbt. Helft uns, unseren Kiez zu retten."

Er wies darauf hin, dass das Tätigkeitsverbot viele Sexarbeiter*innen in Notlagen bringe. "Viele sind ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Prekäre Lebenssituationen und Abhängigkeitsverhältnisse werden verschärft." Auf der anderen Seite werde Kund*innen die sexuelle Dienstleistung vielfach verwehrt – was eine Einschränkung ihrer Sexualität sein könne.

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Kristal sagte, die derzeitige Verdrängung in die Illegalität habe fatale Folgen. Menschen in der Sexarbeit brauchten ein sicheres Arbeitsumfeld mit fairen Regeln und rechtlicher Absicherung. "Sicherheit lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen. Dort lässt sich auch Infektionsschutz am besten umsetzen. Gerade jetzt, wo Infektionszahlen wieder steigen, sind klare Spielregeln wichtig."

Entsprechende Hygienekonzepte sähen etwa vor, einen Mund-Nasen-Schutz beim Sexualverkehr zu tragen, sowie eine Unterarmlänge Abstand zwischen Gesichtern zu wahren – und natürlich: Safer Sex. Hundertprozentige Sicherheit werde auch in anderen Branchen nicht gefordert und wäre ohnehin illusorisch.

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Quelle: Noizz.de