Endlich Diversity im Regal! Aber wie lange?

Die Einzelhändler Rewe und Penny haben in ihren Filialen bald auch krumme Möhren, schorfige Kartoffeln und blasse Äpfel im Angebot. Also die Außenseiter, die es sonst nicht in die optimierten und genormten Supermarktregale schaffen.

Hintergrund ist die Hitze und Dürre in diesem Sommer. Darunter habe die Ernte optisch gelitten, nicht aber Geschmack und Qualität, versichern die Bauern.

„Für die Erzeuger hat der heiße Sommer in diesem Jahr erhebliche Auswirkungen [...] Mit dem Verkauf von Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern zeigen wir unsere Solidarität mit den Landwirten“, erklärt Eugenio Guidoccio, Geschäftsführer Ware Ultrafrische der REWE Group in der Pressemitteilung.

Kay Drieselmann, Geschäftsführer der Sachsenobst Vermarktungsgesellschaft GmbH, ist froh, „auch äußerlich nicht perfekte Ware zu vermarkten, die wir andernfalls unter ihrem Wert in die industrielle Weiterverarbeitung geben müssten“.

Die Aktion soll zunächst bis Anfang 2019 laufen. Aber: Das Problem der Lebensmittelverschwendung ist damit nicht gelöst.

Laut der WWF Studie „Das große Wegschmeißen“ aus dem vergangenen Jahr landen über 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln pro Jahr in Deutschland im Müll. Dies entspricht fast einem Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs von 54,5 Millionen Tonnen.

Nachhaltiger wirkt dagegen das Gesetz in Frankreich, das es Supermärkten ab 400 Quadratmetern Fläche verbietet, Essen wegzuwerfen. Seit zwei Jahren sind diese Läden vom Staat dazu verpflichtet, alle unverkauften, noch essbaren Lebensmittel an eine von 5.000 Hilfsorganisationen wie die Tafel zu verschenken. Verletzungen des Gesetztes werden mit bis zu 4.500 Euro bestraft.

Eine Studie des npr hat gezeigt, dass das Konzept funktioniert.

Das dänische Start-Up „Too good to go“ vernetzt mit seiner App Restaurants, Cafés und Bäckereien und Kunden, die übrig gebliebene Gerichte nach Ladenschluss zu Sonderpreisen kaufen können. Die App gibt es in sieben Ländern, 7 Millionen Mahlzeiten sollen laut den Betreibern damit schon gerettet worden sein.

Achtung, Meinung: Die Aktion von Rewe und Penny ist also ein netter Anfang und vielleicht ein Anstoß für andere deutsche Supermärkte. Wir würden uns aber konsequentes Umweltbewusstsein wünschen, nicht nur plakative Werbe-Nachhaltigkeit, die bei Schönwetter wieder vergessen wird.

Quelle: Noizz.de