Vegan essen. Vegan leben. Vegan managen? "Vegan Food Management" heißt der Studiengang der Fachhochschule des Mittelstandes. Wir haben Fleischesser und Uni-Leiter Prof. Fischer gefragt, was man mit diesem Studium anfängt – und warum die Studienkosten so hoch sind.

Aktuell wirbt die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) für einen besonderen Studiengang: Vegan Food Management – in Berlin und Köln. Wer "vegan" studieren möchte, wird aber kein Ernährungsberater. Was viele erst einmal mit tierfreien Speisen verknüpfen, ist viel mehr – vor allem sogenannte "Business Units". Bedeutet: Es gibt nicht nur Restaurants, sondern auch viele andere Geschäftsbereiche, die sich mit Veganismus beschäftigen.

Die FHM – die anerkannte, private Fachhochschule des Mittelstandes – bietet diesen Studiengang an und hofft, dass viele Studierenden nach ihrem Abschluss eigene Unternehmen gründen. Gibt es also bald viel mehr Firmen, die vegane Produkte anbieten? NOIZZ hat den wissenschaftlichen Leiter der Hochschule, Prof. Dr. habil. Torsten Fischer die Fragen gestellt, die Oma beim nächsten Familientreffen beantwortet haben möchte: "Klingt spannend, aber was machst du genau damit? Musst du dafür jetzt auf Fleisch verzichten?"

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Prof. Dr. habil. Torsten Fischer

Prof. Torsten Fischer der FHM über den Studiengang "Vegan Food Management"

NOIZZ: Professor Fischer, sind sie selbst Veganer?

Prof. Fischer: Nein, ich bin begeisterter Fleischesser. Mein Sohn auch, meine Schwiegertochter ist aber Veganerin. Jeder muss für sein Lebenskonzept einen optimalen Weg finden.

Wenn ich Politik studieren möchte, sollte ich zwangläufig politische Nachrichten lesen. Wenn ich Vegan Management studieren will, sollte ich dann auch Veganer sein – oder?

Prof. Fischer: Wir haben, wie alle privaten Unis, ein standardisiertes Auswahlverfahren. Vor allem um den Vorwurf zu entgegen, dass nur Leute mit Geld bei uns studieren dürfen. Wir haben 50 Studiengänge, für jeden gibt es ein spezielles Auswahlverfahren: Tests, Gruppenübungen, Interviews und Kompetenztests. Spätestens bei den Gesprächen merken wir, wenn einer nicht zum Studiengang passt. Dann beraten wir die Bewerber*innen, sollten wir das Gefühl haben, dass sie eigentlich etwas ganz anderes machen wollen. Bei den Studiengruppen sehe ich aber meistens Veganer oder Vegetarier.

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Warum ist es wichtig, dass es heute einen Studiengang zu Veganismus gibt?

Prof. Fischer: Als wir die Idee hatten, so ein Format zu machen, haben wir die anderen Märkte genau angeschaut und recherchiert. Vor allem aus der Tierschützer-Szene haben wir für dieses Studienfach viel Zuspruch bekommen. Das liegt auf der Hand, schließlich interagiert beides stark miteinander. Viele Vegetarier und Veganer finden dabei ihre Ausgangsmotive – beispielsweise kommt Massentierhaltung nicht mehr für sie infrage. So suchen sie sich Alternativen und innovative Konzepte. Hier in Berlin gibt es Areale, wo vermehrt Veganer und Vegetarier leben. Die Nachfrage haben wir somit gesehen. Der Studiengang heißt Vegan Food Management – da geht es nicht nur um das Essen.

Inwiefern kann man Veganismus mit Management verknüpfen – wie hängt das zusammen?

Prof. Fischer: Das hängt zum einen mit unserer Hochschule zusammen, wir sind die Fachhochschule des Mittelstands. Wir sind vom Mittelstand gegründet worden und bilden unsere Studierende dafür aus. Daher kommt die Management-Verbindung. Auch im vegetarischen und veganen Umfeld entstehen sogenannte Business-Units [Anm. d. Red.: Geschäftsbereiche].

So gibt es beispielsweise nicht nur vegane Restaurants, sondern auch vegane Klamottenhersteller und vieles mehr. Die werden größer, wenn sie erfolgreich sind. Dafür brauchen die Unternehmer*innen Grundkenntnisse in Marketing, Wirtschaftsprivatrecht – immer in Bezug auf ihre jeweilige Branche. Genau das lernen sie bei uns.

Eine Situation, die viele Studierende kennen: Man sitzt beim Familientreffen, die Oma hört den Studiengang, schaut verwirrt und fragt kritisch "aha, und was machst du dann damit?". Haben sie eine Antwort für Oma?

Prof. Fischer: Bei uns wird viel aus dem Hörsaal heraus gegründet. Bei uns buchen die Studierenden nicht nur ihr Studienprogramm. Sie buchen auch das Netzwerk der Hochschule. Viele Studierende hoffen, während ihrer Zeit bei uns Mitstreiter*innen zu finden – mit denen sie später ihr eigenes Unternehmen gründen. Wir haben auch viele Unternehmerkinder, die von ihren Eltern hören, dass sie die Firma übernehmen sollen. Genau darauf zielt auch dieser Studiengang. Zu uns sollen Leute kommen, die mit veganen Dienstleistungen oder vegetarischen Produkten später unternehmerisch tätig und erfolgreich werden wollen. Dafür brauchen sie die dementsprechenden Management-Qualifikationen.

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Für Oma vereinfacht zusammengefasst: Mithilfe dieses Studiengangs werde ich später Managerin in einem veganen Bereich?

Prof. Fischer: Ja, oder gründe mein eigenes Unternehmen. Das ist bei uns eine Grundmentalität.

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Wenn ich mir anschaue, wie hoch ihre Studienkosten sind – frage ich mich: Sind viele Veganer so reich?

Prof. Fischer: Ich bin nicht nur Professor, sondern auch Vater. Man kann als Eltern sein Geld nicht besser investieren als in die Bildung der eigenen Kinder. Es ist nur wegen unserer deutschen Schul- und Hochschulkultur so, dass viele noch solche Mentalitätsmodelle wie "Bildung muss umsonst sein" haben. Das ist in anderen Ländern völlig anders. In Amerika ist jede zweite Hochschule privat. Dass man für eine gute und solide Ausbildung, die industrie- und praxisnah ist, mittlerweile auch in Deutschland investiert, ist aber nicht verwunderlich. Dazu: Die Beschäftigungsquote bei uns liegt zwei Monate nach dem Studium bei 98 Prozent. Studierende von öffentlichen Universitäten müssen danach meist erst einmal Trainees, Praktika oder eine Ausbildung machen.

Zu den hohen Studiengebühren: Private Hochschulen bekommen kein Geld vom Staat, mit Ausnahmen in Baden-Württemberg. Wenn wir unabhängig vom Staat sein wollen, selbst entscheiden möchten, welche Professor*innen wir einstellen und welche Programme wir anbieten wollen, dann kostet das.

Veganismus ist doch aber etwas, das unterstützt werden sollte. Gibt es zumindest ein Stipendium?

Prof. Fischer: Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster legen, aber etwa 25 Prozent unserer Studierenden haben Stipendien aus den Unternehmen heraus. Wie ein vorgezogener Bindungslohn.

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Quelle: Noizz.de