Halloween steht vor der Tür, bis Weihnachten sind es auch nur noch acht Wochen: Die Naschzeit hat offiziell begonnen. Gerade Lakritz-Liebhaber*innen sollten aber auf ihren Süßigkeitskonsum diesen Herbst achten. Denn das Süßholzextrakt enthält einen Pflanzenstoff, der bei übermäßigem Verzehr nicht nur gefährlich, sondern tödlich sein kann.

Jede*r kennt diesen Moment: Man läuft im Laden oder auf dem Weihnachtsmarkt an einer Süßwarentheke vorbei und wird von ihrem Angebot in Versuchung gebracht. Nach einem inneren Kampf gibt man seiner Versuchung jedoch klein bei und bastelt sich eine Tüte aus Weingummis, Gummibärchen und Lakritze zusammen, die möglichst nicht zu viel wiegen darf, damit der Preis nicht in die Höhe schlägt.

Bei Lakritz sollte man aber in Zukunft nicht nur wegen des Preises auf seinen Konsum achten. Denn so süß die kleine Speise auch sein mag, ihre potenziell sehr gefährlichen Nebenwirkungen hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Ende September ist ein 54-jähriger Mann in Massachusetts verstorben. Die Ursache: Lakritzvergiftung.

Lakritze ist ein Süßholzextrakt und enthält Glycyrrhizinsäure, ein Pflanzenstoff, der bei übermäßigem Verzehr schwerwiegende Folgen haben kann.

Tod durch Lakritzvergiftung

Der Amerikaner ist nicht der erste, der die toxische Wirkung von Lakritz zu spüren bekommen hat. Wie aus medizinischen Berichten hervorgeht, gibt es viele ähnliche Vorfälle, bei denen Menschen durch Lakritze Bluthochdruck, Muskelabbau, oder Herzrhythmusstörungen entwickelt haben und im schlimmsten Fall an einer Lakritzvergiftung gestorben sind.

Solche Folgen werden aber meist bei Menschen über 40 Jahren beobachtet, die wesentlich mehr Lakritz konsumieren als der Durchschnitt und das über längere Zeit hinweg: Der verstorbene Mann in Massachusetts, zum Beispiel, hatte drei Wochen lang jeden Tag anderthalb Tüten Lakritz gegessen.

Süß und giftig: Wie sich Lakritz auf den menschlichen Körper auswirkt

Lakritz ist das Wurzelextrakt von Süßholz, eine Pflanze, die in Teilen Europas und Asiens heimisch ist. Seit Jahrzehnten wird der Extrakt aufgrund seines aromatischen Geschmacks gegessen und als Kräuterheilmittel für verschiedene körperliche Leiden wie Sodbrennen, Magen- oder Halsschmerzen verwendet. Ob Lakritz tatsächlich hilft, wird jedoch noch bis heute von der Forschung diskutiert.

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Was dafür klar ist: Bei übermäßigem Verzehr kann Lakritz gefährliche Folgen haben. Grund dafür ist die im Extrakt enthaltene Glycyrrhizinsäure, welche Lakritz ihren Geschmack verleiht. Der Pflanzenstoff führt zur Überproduktion von Aldosteron, ein Hormon, das die Ausscheidung von Kalium und die Aufnahme von Wasser und Natrium bewirkt. Zusammen sind Natrium und Kalium wichtig für die Übertragung von Nervensignalen und die Kontraktion von Muskeln. Zu viel Glycyrrhizin führt jedoch zu einem Kaliummangel im Körper und verursacht dadurch Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

"Lakritz" ist nicht gleich Lakritz: Welche Lebensmittel enthalten Süßholzextrakt?

Viele Lebensmittel, die als Lakritz bezeichnet werden, benutzen kein echtes Süßholzextrakt, sondern Anisöl. Dieser Aromaersatz enthält kein Glycyrrhizin und birgt dadurch nicht dieselbe Gefahr, wie das Wurzelpräparat. Im Fall von roter Lakritze ist der Name besonders irreführend, da bei der Herstellung meist keine Lakritze verwendet wird.

Andere Produkte wie Diätpillen und Ergänzungsmittel enthalten wiederum öfters Süßholzextrakt wegen seiner vermeintlich positiven Wirkung. Um einen versehentlichen Überkonsum daher zu vermeiden, empfiehlt die Wissenschaft, auf die Inhaltslisten von Lebensmitteln und Lebensergänzungsmitteln zu achten.

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Besonders anfällig für eine Lakritzvergiftung sind Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, darunter Menschen mit chronischem Kaliumdefizit – von der Medizin auch Hypokaliämie genannt. Auch bei Bluthochdruck, Herzrhythmus-, Leber- oder Nierenstörungen sollte auf die Menge an konsumiertem Lakritz geachtet werden.

Wer sich auf Lakritz in seinem Halloween-Süßigkeitensortiment freut, muss sich also nicht direkt vor dem Leckerbissen fürchten – er*sie sollte ihn aber nur in Maßen genießen.

  • Quelle:
  • NOIZZ-Redaktion