Horror-Dates, Verletzungen, Über-Munchies oder vor Fremden kotzen müssen: Space-Cakes-Trips haben es teilweise gut in sich. Wir haben sechs Menschen gefragt, welche Erfahrungen sie schon mit Weed-Brownie und Co. gemacht haben.

Space Cakes machen Spaß und haben einige Vorteile gegenüber dem guten alten Joint: Schließlich sind Eatables auch für Nicht-Raucher*innen eine entspannte Möglichkeit, High zu werden – und in Form von Schoko-Brownie, Cookie oder Muffin sind sie auch noch lecker. Doch wer sich beim Konsumieren der kleinen THC-Böller in der Menge vertut, fährt schnell mal einen miesen Trip. Wir haben Leute gefragt, wie ihre besten und schlimmsten Space-Cake-Highs so abgelaufen sind ...

Julia, 26: Nachts high in einen Vergnügungspark einsteigen? Geht schonmal

Wenn du mitten in der Nacht ziemlich breit mit einer blutüberströmten Hand auf einem drei Meter hohen Zaun hängst, weißt du, dass du gerade einen erinnerungswürdigen Moment erlebst. Wie ich auf diesen dämlichen Zaun gekommen bin? Nun ja, meine Freundin und ich hatten, als wir noch in der Kennlern-Phase waren, ziemlich Lust, gemeinsam Abenteuer zu erleben. An besagtem Abend hatten wir uns mit ein paar Weed-Muffins im Magen auf den Weg gemacht, einen verlassenen Vergnügungspark im Wald zu besichtigen. Weil wir beide ziemliche Schisser sind, uns aber gegenseitig imponieren wollten, stachelten wir uns auf dem Weg durch den stockdunklen Wald immer weiter auf, auch ja kein Rückzieher zu machen, sobald wir das umzäunte Grundstück erreicht hätten.

Symbolbild: Nachts im Wald

Sie, deutlich kleiner und megabeweglich, kletterte easy über den Zaun, während ich ständig mit meinen Schuhen abrutschte, mit meinen weiten Hosenbeinen hängen blieb und schließlich meine komplette Hand an den scharfkantigen Zaunspitzen aufratschte. Ich kann rückblickend gar nicht sagen, ob es wirklich an den kleinen Space Cakes oder einfach an der anfänglichen Verknalltheit lag, auf jeden Fall hätte ich in dem Moment, blutige Hand hin oder her, für nichts auf der Welt einen Rückzieher machen können – und nahm das alles superrelaxed auf.

Irgendwie schaffte ich es über das Hindernis, nur um auf der anderen Seite fast in Ohnmacht zu fallen, weil mir wieder einfiel, dass ich kein Blut sehen kann. Während wir im Mondlicht zu einem verlassenen Riesenrad liefen – immer auf der Hut vor den Nachtwächtern – kämpfte ich permanent gegen das Schwarz-vor-Augen-Werden an, dass irgendwie gar nicht zu dem großen rosafarbenen Wattebausch passen wollte, in das sich mein Brain durch die Weed-Muffins verwandelt hatte.

Immer mit der Vorstellung im Kopf, einfach umzukippen und dass meine Freundin dann irgendeinem Security-Guy erklären müsste, wie zwei erwachsene Frauen mitten in der Nacht high in diese Anlage gekommen sind, die eine bewusstlos und blutend – nee, thanks. Nach einer kurzen Erkundungstour sind wir dann auch relativ schnell wieder Richtung Zivilisation gestolpert. So ganz bei Sinnen war ich glaube ich erst wieder, als wir unter der ersten Straßenlaterne, die wir fanden, Gin auf meine pulsierende Hand schütteten, um die ziemlich tiefe Wunde zu desinfizieren.

Heute habe ich eine hübsche Narbe von dem Vorfall – und bin froh über die Geschichte, die sich ohne meinen Space-Cake-bedingten Gelassenheits-Mut auf gar keinen Fall ergeben hätte.

Amelie, 24: Ein unvergesslicher Trip am See

Im Sommer hatte ich eines der krassesten Highs, das ich bisher erlebt habe: Eine Freundin hatte für ihre Einweihungsparty das erste Mal in ihrem Leben Weed-Brownies gebacken. Weil sie keine Ahnung hatte, wie heftig die kleinen THC-Granaten hitten würden, beschlossen wir, ihre Wirkung ein paar Tage vor der eigentlichen Party zu testen. Wir trafen uns nach der Arbeit am See, gönnten uns beide eine solide Portion Brownie – und verbrachten die kommenden zwei Stunden im Wasser.

Wie das bei Eatables so ist, ließen sich die Dinger ordentlich Zeit, bis wir was merkten – doch als das High kam, kam es richtig. Die erste Stunde hatten wir das Gefühl, unser Umfeld hätte sich in eine sich sehr langsam bewegende Postkarte verwandelt. Die zweite Stunde verbrachten wir damit, die bunten Muster, in die sich das Wasser des Sees verwandelt hatte, zu betrachten. Die dritte Stunde brauchten wir, um den gefühlt nie enden wollenden Weg vom See zurück zur Bahn-Station zu laufen – und uns zu fühlen, als wären wir Figuren in einem fremdgesteuerten Computerspiel.

In der Bahn angekommen, fühlte ich mich supergut. Relaxed hinter meiner Mundschutzmaske grinsend, freute ich mich auf die Heimfahrt – doch damit war ich die Einzige: Denn besagte Freundin schaute mich noch einmal sehr ernst an – bevor sie volle Kanne mitten in die Bahn kotzte.

Wahrscheinlich hätten wir einfach so tun können, als hätte sie einen Sonnenstich, weil ich aber selbst zu breit war, um auch nur irgendetwas zu sagen, um meine Bestürzung auszudrücken, schwiegen wir beide gesenkten Kopfes bis zur nächsten Haltestelle. Dort verließen wir fluchtartig den Waggon – unter den Blicken entsetzter Fahrgäste, die sich hinter ihrem Corona-Mundschutz sicherlich panisch fragten, ob das Virus auch durch Kotze übertragbar ist.

Die nächste halbe Stunde verbrachten wir auf dem Bahnsteig sitzend – meine Freundin am "wieder klar kommen", ich gefangen in einem ziemlich langanhaltenden Lachflash. Unter Tränen versuchte ich ihr klarzumachen, dass ich nicht wegen ihr, sondern nur wegen der anderen Bahninsassen lachte. Auf der Party gab es die Brownie dann übrigens nur in Mikrodosierung – was hervorragend funktioniert hat.

Till, 27: Munchies mit Luxus-Pralinen stillen und das Leben schön sein lassen

Ich bin 19, ständig breit gekifft und mit zwei Freunden zur Feier unseres Abis auf Radtour durch Holland. Nach einer guten Woche sind wir für einen Tag in Amsterdam und kommen auf die Idee, einfach mal nicht zu kiffen – sondern jeder einen Hash-Brownie zu essen. Schmeckt wie Schokomuffin mit Hash (Überraschung) und wirkt: null Prozent.

Eineinhalb Stunden später laufe ich immer noch komplett nüchtern durch die süßen Gassen und frage mich, wer mich da eigentlich pranken wollte. Zehn Minuten später stehen wir in einer Edel-Pralinierie und kaufen Schokolade für 30 Euro. Ich bin plötzlich in einem Film aus warmer Sonne, sitze an einem kleinen Mäuerchen, auf dem ich mit zwei Freunden luxuriöse Schokodrops wegatme. Der Brownie hittet anders: Du merkst erst, dass du im Film bist, wenn er schon on vollem Gange ist. Der Rausch ist supernice, komplett ohne Husten und Tabakkopf, und gerade so schön, weil er gefühlt aus dem Nichts kommt. Na ja, nach den Pralinen dauert es nicht lange, bis die erste Lunte brennt. Sind ja nicht zum Spaß hier.

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Lisa, 31: Über einen süßen Anfängerfehler

Ich habe bisher ein einziges Mal von einem Weed-Brownie gekostet, danach tatsächlich nie wieder. Aber nicht etwa, weil die Erfahrung so schrecklich gewesen wäre. Nichts da, unangenehmer Verfolgungswahn, Übelkeit oder komplett lahmlegende Breitness. Nee nee, das Ganze lief ziemlich unauffällig ab. Im Nachgang würde ich eher von gähnender Langeweile und ein bisschen Müdigkeit sprechen.

Der Brownie konnte mehr als das übliche Zucker-High.

Dazu muss allerdings gesagt werden, dass besagtem Weed-Brownie an der Stelle gar keine Schuld zufällt. Er war sicher ein sehr hervorragender Brownie. Schließlich wurde er mir von meinem damaligen Freund höchstpersönlich in einem Coffeeshop in Amsterdam gekauft und bis nach Deutschland in das WG-Zimmer meiner ersten Wohnung transportiert. "Falls du da mal Bock drauf hast", sagte er als er mir das dunkelbraune, sabbschige in Alu-Folie eingewickelte Stück Kuchen in die Hand drückte – wohl wissend, dass ich noch nie einen Weed-Brownie gegessen hatte und sowieso nicht kiffte. Nein, gekifft habe ich damals nicht, Munchies hatte ich aber allemal. Süßes war im Haus, Süßes wurde definitiv gegessen. So erging es auch dem Brownie. Mein Freund war nicht mehr bei mir und auch meine Mitbewohnerin nicht Zuhause. Irgendwann schlürfte ich an den Kühlschrank und gönnte mir einen Bissen, schlürfte zurück ins Bett, nur um wenige Minuten später für den gesamten Weed-Brownie zurück in die Küche zu hechten. Fuck, war der lecker.

In wenigen Minuten hatte ich das komplette Ding gegessen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was es potenziell mit mir machen könnte. Das hätte ehrlich gesagt auch schief gehen können, aber mein Körper empfing das Drogen-Gepäck – Gott sei Dank – mit offenen Armen. Ich schlief einen übertrieben festen Schlaf – und hatte am nächsten Tag prompt vergessen, dass ich ihn überhaupt gegessen hatte. Breitness verpennt, würde ich sagen. Zugegeben: Ich war schon ziemlich erschlagen und kam kaum aus dem Bett. Dass das an dem Weed-Brownie lag, schoss mir allerdings erst durch den Kopf, als ich am Schreibtisch in meiner Ausbildungsagentur saß und in Photoshop an einem Design bastelte. Plötzlich wurde mir ganz heiß und ich machte mir bis zum Ende des Tages panische Gedanken, ob irgendwer merken könnte, dass ich Weed-Brownie intus hatte. Fazit: ein süßer Anfängerfehler.

Luisa, 22: "Mit einem Joint wäre das nie passiert"

Weil ich auf Partys ein notorischer Spätkommer bin, kam ich lange nicht in den Genuss von Space Cakes. Während ich immer erst gegen 23:30 mit meinem Billo-Weißwein eintrudelte und mich freute, wenn sich noch ein relativ nüchternes Face in der Menge finden ließ, dass sich alsbald im selben Tempo wie ich betrinken wollen würde, waren übrig gebliebene "Spiked Brownies", wie wir sie nannten, eine Seltenheit.

Wer zu spät kommt, muss sich mit Alkohol begnügen.

Weil Space Cakes (einen Namen, den ich erst deutlich später meinem Wörterbuch hinzufügen würde) in der Regel von den Gastgeber*innen gebacken und den ersten Gästen angeboten werden (die den Leckerbissen ja auch früh genießen wollen, um nicht morgens stupid high nach Hause zu gehen), waren für Spätkommer wie mich einfach nie welche übrig. Erst als ich mit 21 mit meinem Freund Freunde von ihm besuchte, wurden mir die zuvor immer vorenthaltenen Brownies aufgetischt: In ihrer ganzen Pracht, aufgetaut aus dem Tiefkühlfach. Ziemlich trocken und nur durch ihren Schokoladenanteil genießbar, aß ich sie in Vorfreude auf ein angenehmes High, ohne meine Lunge in Schockstarre zu versetzen. Doch stattdessen fühlte ich mich einfach nur dumm – und blamierte mich beim schlimmsten Mario-Kart-Spiel meines Lebens.

Zuvor noch groß davon prahlend, wie ich bis jetzt jeden in dem Spiel meiner Kindheit besiegt hätte und dass ich mit meinen Skills nach jahrelanger, harter Arbeit sogar an meinem Bruder vorbeigezogen wäre, verkackte ich auf dem Space-Cake-High wortwörtlich auf ganzer Strecke. Ich hasste, wie langsam meine Reflexe waren, wie schleppend mein Gehirn angehen wollte. "Mit einem Joint wäre das nie passiert", sagte ich mir am nächsten Tag zum Trost.

Eines Tages möchte ich meine eigenen Space Cakes backen. Space Cakes, so saftig, so vollmundig, so aktivierend wie keine zuvor. Und dann wird es eine Mario-Kart-Revanche geben. Da könnt ihr euch sicher sein.

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Raphael, 36: Eine Date-Night, die ein bisschen anders verlief, als geplant

Date-Night mit einer längst verflossenen Liebe – vielleicht zurecht, wie die folgende Geschichte beweist. Wir trafen uns bei einem gemeinsamen Bekannten, einem entschiedenen Gamer und Kiffer. Die Kombination kommt oft vor, meine damalige Liebschaft hatte mit beidem bis dato keine nennenswerten Erfahrungen gesammelt. Der Bekannte hatte zur Feier des Abends eine Ladung Space-Kekse gebacken – mit ordentlich Wumms hinter.

Das wusste aber keiner von uns dreien; ich glaube, ihm war in der Küche der Weed-Streuer ausgerutscht, so wie wenn man eine Suppe versalzt. Und wie wir alle wissen, ist das doofe an Space-Keksen und Co., dass man erst dann merkt, wie potent sie tatsächlich sind, wenn die THC-Bombe bereits in einem explodiert.

Als dies passierte – boom! –, kam meine Amour fou, als die sie sich später herausstellen sollte, gar nicht drauf klar. Sie war ein Control-Freak und konnte nicht haben, dass sie ihre Gedanken nicht länger als drei, vier, maximal fünf Sekunden beieinander halten konnte. Vor allem kam sie nicht darauf klar, dass sie diesen Zustand nicht einfach mit einem Fingerschnippen beenden konnte. Um sie abzulenken – aber ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war – fing der Bekannte an, ihr ein Wii-Spiel zu zeigen. Bei ihm bewirkte der starke Rausch, dass er ihr unbedingt beibringen wollte, wie es ging. Leider stellte sie sich – vielleicht auch wegen ihres Zustands – dabei sehr ungeschickt an und raffte das Spiel (es war "Rayman Raving Rabbids") überhaupt nicht.

Ich hielt es für eine gute Idee, mich mit ihr zu verabschieden. Wir ließen den Dude (der Typ war wirklich eine Verkörperung der berühmten Figur aus dem Kult-Film "The Big Lebowski") allein zurück – mit seiner Wii, seinem Rausch, seiner Tupperdose voller Horrortripps.

Die frische Luft tat ihr gut. Zuhause angekommen, legten wir uns aufs Bett und versuchten zu schlafen – was überhaupt nicht klappte. "Irgendwie war das da draußen noch am besten", sagte sie und stand auf. "Draußen und Bewegung." Und schon sprang sie rum wie zuvor der Hase in jenem vermaledeiten Wii-Spiel. Wir gingen wieder nach draußen, sie sprang dort weiter herum, die wenigen Passanten, die um die Uhrzeit – es war mittlerweile zwei, drei Uhr morgens – noch unterwegs waren, schauten sie befremdet an. Als wir wieder im Bett lagen, kamen ihr plötzlich Gedanken, die sie noch nie gedacht hatte. Sie geriet in den Zustand, den wir alle kennen: Welterkenntnis, die man leider wieder vergisst, sobald der Rausch vorüber ist.

High im Bett, wenn man nicht high sein will? Leider gar nicht geil.

Ich selbst war leider auch ziemlich high – und wenn man selten vom Zehnmeterbrett springt, schlottern einem dabei schon mal die Knie. Ich bekam Paranoia. Mein einziger Gedanke war (in Variationen): Wie erkläre ich morgen ihrer Mutter, dass ich schuld daran bin, dass ihre Tochter für den Rest des Lebens eine Psychose hat – auf einem Hasch-Tripp hängengeblieben ist?

Es ging noch ewig so weiter, und irgendwann – war es fünf, sechs oder sieben Uhr morgens? – schliefen wir beide ein. Als wir ein paar Stunden später aufwachten, waren wir wieder nüchtern, und alles fühlte sich an wie ein böser Traum. Ein paar Monate später trennten wir uns. Wir hatten einfach nicht zueinander gepasst.

Quelle: Noizz.de