Fleischesser sollten lieber über ihre Ernährung nachdenken, statt Fleischersatzprodukte zu verteufeln.

Wenn ein Produkt Bolognese-Soße heißt und nur ganz klein "aus Veggie-Hack" auf der Flasche steht, ist das Verbrauchertäuschung. Wenn die Verpackung des vegetarischen "Grillmix mit Bratwurst und Frikadellen" nur links unten in der Ecke ein kleines grünes V trägt, ist das Verbrauchertäuschung. Aber wenn „Puten-Cervelatwurst“ zur Hälfte aus Schweinefleisch besteht, ist das ebenfalls Verbrauchertäuschung.

Intransparente Produktnamen lösen immer wieder Diskussionen um Fleischersatzprodukte aus. Dabei gibt es Verbrauchertäuschung bei vielen Produktsparten.

Zudem offenbaren die meisten Packungen bereits, aus was das Produkt besteht: Tofuwurst, Leinsamen-Bratling, Soja-Bolognese. Wer nicht weiß, um was es sich da handelt, soll Google oder den Verkäufer fragen. Als Vegetarier versehentlich zu Fleischsalat (Fleischwurst mit Mayonnaise - also Fett mit...Fett) zu greifen, weil man denkt "Salat ist doch vegetarisch" oder sich ein Glas Scheuermilch einzuschenken, halte ich außerdem für problematischer - und ähnlich blöd.

Ohnehin haben die Argumente der Veggie-Gegner nur selten etwas mit der Produktbezeichnung zu tun. "Wer Vegetarier ist, soll entweder richtige Wurst essen oder es ganz bleiben lassen", heißt es zum Beispiel. Nein, liebe Fleischesser. So funktioniert das nicht. Denn Tofu-Schnitzel und Veggie-Salami machen den Vegetariern das Leben leichter. Und euch auch!

Gerade Neu-Vegetarier wissen manchmal nicht, wie sie ihre Ernährung umstellen können. Oder haben Durchhalteschwierigkeiten, weil Essen für sie plötzlich viel Kreativität erfordert. Umso praktischer, dass man das gewohnte Wurstbrot am Abend einfach mit Veggie-Aufschnitt belegen kann.

Zudem haben viele Vegetarier Angst, zu wenig Eiweiß aufzunehmen. Neben Fleisch enthalten auch Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte Proteine. Hat man keine Lust, seine Ernährung komplett umzustrukturieren, kann man Fleisch einfach durch Lebensmittel aus Tofu- und Weizenprotein ersetzen.

Auch den Fleischessern erleichtern die Ersatzprodukte das Leben. Bei Grillabenden fallen Tofu- zwischen normalen Bratwürsten gar nicht auf, erfordern keine spezielle Zubereitung. Kocht man zusammen, gibt es fast immer die Möglichkeit, das Fleisch im Gericht für nur eine Person zu ersetzen.

Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die auf Salami, Bratwurst und Lasagne Bolognese einfach nicht verzichten möchten. Weil es eben gut schmeckt. Nur deshalb moralische Überzeugungen über Bord werfen? Defitiniv nicht.

Je besser die Produkte werden, desto eher schaffen es vielleicht auch Nicht-Vegetarier ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Denn ihre Ernährungsweise ist weder gesund, noch umweltfreundlich - und ethisch fragwürdig sowieso.

Quelle: Noizz.de