Sind Gaming Booster wie LevlUp gesund? Schließlich werben sie ja damit, weniger Zucker zu enthalten. Wir haben eine Ernährungswissenschaftlerin gefragt.

Gaming-Sessel aufgestellt, Lieblingspizza griffbereit und Controller in der Hand: Für viele ist das die ideale Vorstellung eines Wochenendes. Der perfekte Start in einen zweitätigen Zocker-Marathon, der am liebsten nur vom Pizzaboten oder dem Toilettengang unterbrochen werden sollte. Gäbe es da nicht ein winziges Problem: Schlaf. Wer zockt, weiß, dass die Sessions gerne mal von Freitagnachmittag bis Samstag früh gehen – gerne auch noch länger. Aber wie durchhalten?

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Die Antwort darauf schien lange Zeit "Energy Drinks" zu lauten – doch auch die sind nicht die ideale Lösung. Der Geschmack nach geschmolzenem Gummibärchen gefällt nicht jedem*r und vor allem das enorm starke Tiefgefühl nach dem durch den Drink ausgelösten Hoch stört viele. Genau dies zu vermeiden, versprechen sogenannte Gaming Booster, wie etwa LevlUp oder Gamers Only, die auch von Prominenten Twitch-Streamern wie Montana Black beworben werden. Doch sind die Gaming Booster wirklich besser als Energy Drinks?

Sind Gaming Booster ungesund? Das sagt die Expertin

Diese Frage haben wir Astrid Donalies gestellt: Sie ist Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und arbeitet bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ihr haben wir die Nährwerttabelle einer Dose "LevlUp" gezeigt.

N�hrwerttabelle einer Dose LevlUp

Zu Anfang stellt Donalies klar, dass genügend zu trinken eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit ist. "Je nach Alter braucht man zwischen 35 bis 50 ml/kg und Tag", sagt sie. Aber empfohlen seien Getränke wie Wasser, ungesüßte Früchte und- Kräutertees sowie Saftschorlen im Verhältnis 1:3.

NOIZZ: Der Gaming Booster enthält weniger Zucker als ein herkömmlicher Energy-Drink aus dem Supermarkt – macht ihn das gesünder?

Astrid Donalies: Der gezeigte Gaming-Booster enthält zwar weniger Zucker – vor allem Dextrose, also Traubenzucker – das ist korrekt. Aber die Menge an Zutaten wie Koffein und Taurin sind trotzdem sehr kritisch zu sehen. Koffein steigert die Herzfrequenz und stimuliert das zentrale Nervensystem. In hohen Dosen können Konzentrationsstörungen Schlafstörungen und innere Unruhe die Folge sein.

Wie viel Koffein ist denn unbedenklich?

A. D.: Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sollten Kinder und Jugendliche täglich nicht mehr als drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Bei einem gesunden jungen Menschen mit etwa 50 Kilogramm Körpergewicht sind dies 150 Milligramm Koffein. Um zu testen, wie viel man selbst verträgt, kann man den Koffeinrechner vom Bundeszentrum für Ernährung benutzen.

Energydrinks dürfen nicht mit positiven gesundheitlichen Wirkungen beworben werden. Denn Wachheit ist nicht unbedingt eine positive gesundheitliche Wirkung. Außerdem wird darüber diskutiert, ob die Gesetzeslage zu Höchstwerten und Warnhinweisen bei Energy-Drinks und anderen koffeinreichen Produkten im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ausreichend ist.

Wie werden Verbraucher*innen denn bisher auf den Koffein-Inhalt hingewiesen?

A. D.: Seit 2014 muss auf Energy-Drink-Produkten, die mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter enthalten, folgender Hinweis erscheinen: "Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen."

Auch gibt es eine Gruppe der sogenannten "Hochverzehrer": Befragungen zum Trinkverhalten belegen, dass zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu bestimmten Gelegenheiten übermäßig hohe Mengen an Energy Drinks von einem Liter und mehr konsumieren. Gesundheitliche Risiken können sich aber schon bei Überschreitungen der Verzehrsempfehlung von einer Portion pro Tag mit mehr als 200 Milligramm Koffein ergeben.

Wie steht es mit dem süßen (wenn auch weniger zuckrigen) Geschmack der Drinks?

A. D.: Auch wenn weniger Zucker darin ist – was grundsätzlich gut ist: Laut Untersuchungen ist das Einstiegsalter beim Konsum von Energygetränken bei sechs bis zwölf Jahren. Also erfolgt früh eine Gewöhnung an den süßlichen Geschmack. Dies birgt die Gefahr, dass ein süßer Geschmack bei Getränken als normal angesehen wird und man wiederum zuckerhaltige Getränke in zu hohen Dosen trinkt. Eine auf Dauer erhöhte Energiezufuhr birgt das Risiko von Übergewicht. Und bei wenig Energieverbrauch – wie es möglicherweise bei dem einen oder anderen Gamer vorkommt, kommt das nochmal eher zum Tragen.

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Was ist also Ihr Fazit zu Gaming Boostern?

A. D.: Ich möchte noch hinzufügen, dass ich Begriffe wie "LevelUp" und "Focus Blend" oder "Perfomance Blend" sehr kritisch sehe. Solche Wörter sprechen die Gamer bestimmt an, sie suggerieren aber, dass man durch sie ein höheres Level, ein höheres Niveau erreichen kann. Der Slogan "On air, don't care" impliziert außerdem, dass man dauerhaft hohe Leistungen erbringen kann, ohne weitere Gedanken an seine Gesundheit oder die Ernährung verschwenden zu müssen, was natürlich falsch ist. Das ist aber eine persönliche Einschätzung von mir, für die ich keine wissenschaftliche Belege liefern kann. Insgesamt sollten Gamer aus unserer Sicht auf ausgewogene Ernährung achten – und sich nicht mit solchen Drinks "boosten".

  • Quelle:
  • Noizz.de